Tarifstreit

Streik bei Vivantes und Charité: Was Patienten wissen müssen

Ab Montag werden in Berlin rund 1000 Betten bei Vivantes und Charité bestreikt. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Tarifstreit.

Das Personal der Vivantes-Klinik in Berlin Friedrichshain streikt (Archivbild 21.04.2016)

Das Personal der Vivantes-Klinik in Berlin Friedrichshain streikt (Archivbild 21.04.2016)

Foto: imago stock&people / imago/STPP

Beschäftigte der Charité und des Vivantes-Konzerns wollen am Montag streiken. Hintergrund sind die Tarifverhandlungen zwischen den Arbeitgebern des öffentlichen Dienstes und der Gewerkschaft Verdi. Ungewöhnlich ist, dass beide Betriebe gleichzeitig bestreikt werden. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Streik.

Was wollen die Tarifparteien?

Verdi will für die Beschäftigten von Bund und Kommunen sechs Prozent mehr Lohn und eine Anhebung der Auszubildendenvergütung um 100 Euro sowie die unbefristete Übernahme nach einer erfolgreichen Ausbildung. Die Arbeitgeber haben zuletzt rund drei Prozent für zwei Jahre angeboten. In Berlin betreffen die Tarifverhandlungen rund 50.000 Beschäftigte.

Wann wird gestreikt?

Die Warnstreiks sollen ganztägig am Montag und Dienstag, 25. und 26. April, stattfinden. Sie beginnen morgens mit der Frühschicht, gegen 6 Uhr.

Welche Krankenhäuser sind betroffen?

In Berlin sind die Kliniken der Charité an den Standorten Wedding, Mitte und Steglitz betroffen. Wie viele Häuser des städtischen Vivantes-Konzerns betroffen sind, war noch unklar. Nach Auskunft von Verdi sind es vier Kliniken. Schwerpunkte bestehen demnach an den Krankenhäusern Im Friedrichshain und Am Urban, gestreikt werden soll auch an den Kliniken Neukölln und Spandau. Vivantes gab dagegen an, Verdi habe der Geschäftsleitung signalisiert, es könnten auch alle Häuser sein.

Welche Stationen werden bestreikt?

Nach Aussagen des Verdi-Sekretärs Kalle Kunkel und der Charité werden in beiden Klinikbetrieben jeweils mehr als 500 Betten bestreikt. Sie können also an den Streiktagen nicht belegt werden. Das wäre insgesamt etwa ein Achtel aller Betten bei Vivantes und der Charité. An den Vivantes-Standorten betrifft es 16 Stationen – vor allem die Urologie, dort sei die Streikbereitschaft am höchsten, sagte Gewerkschaftssekretärin Janine Balder der Berliner Morgenpost. An der Charité wird nach Verdi-Angaben kein Standort und auch keine Fachrichtung schwerpunktmäßig bestreikt. Zu Einschränkungen könnte es also theoretisch überall kommen.

Wie viel Personal nimmt teil?

Verdi erwartet, dass bei Vivantes etwa 800 Beschäftigte am Warnstreik teilnehmen, an der Charité 700.

Was bedeutet das für Notfallpatienten?

Bis zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe gab es keine gemeinsame Notdienstvereinbarung zwischen Verdi und den Kliniken. Die Krankenhausbetriebe wollten dies offenbar als Druckmittel benutzen, um Bedienstete am Streiken zu hindern, sagte Verdi. Vivantes wiederum bezeichnete die Forderungen von Verdi, komplette Stationen zu schließen, als unangemessen und forderte die Gewerkschaft auf, die Verhandlungen über eine Vereinbarung wieder aufzunehmen. Aus Sicht von Verdi steht der Notdienst aber, so Gewerkschafterin Balder. An allen Standorten gebe es bei der Streikleitung Kontaktleute, die bei Notfällen bereitstehendes Personal auf die Stationen rufe. Diese Kontaktleute hätten von Seiten der Krankenhäuser Ansprechpartner benannt bekommen. Die Versorgung von Notfällen sei de facto also gesichert. Die Charité erklärte, sie habe Verdi eine neue Notdienstvereinbarung angeboten, um die Patienten zu schützen. Die Gewerkschaft habe diese allerdings nicht akzeptiert. Der Schutz der Patienten gehe in jedem Fall vor, sagte ein Sprecher des Universitätsklinikums. Das sähen die Beschäftigten auch so. An den Streiktagen stehe die Charité mit ihren Rettungsstellen für die Versorgung der Bevölkerung analog zu den Wochenenden rund um die Uhr zur Verfügung.

Fallen geplante Behandlungen aus?

Ja, an den vom Streik betroffenen Kliniken fallen planbare Operationen und Behandlungen aus. Die Patienten dürften nach Verdi-Einschätzung zumindest teilweise schon informiert sein. Wer noch keine Information von Vivantes oder der Charité erhalten habe, solle sich besser erkundigen, ob seine OP stattfindet. Vivantes indes sagt: Patienten, deren OP auf einen anderen Tag verlegt wird, würden von den Kliniken rechtzeitig informiert. Das bestätigte auch die Charité. Sie hat darüber hinaus für Patienten eine Telefonhotline mit der Rufnummer 030/450 550 500 eingerichtet. Die Hotline ist Montag und Dienstag jeweils von 9 bis 17 Uhr geschaltet.

Sind auch die Hochschulambulanzen (Polikliniken) der Charité betroffen?

Auch an den Ambulanzen könne es zu Einschränkungen kommen, die Notfallversorgung sei aber gesichert, so Verdi-Sekretär Kunkel. Die Charité geht indes nicht davon aus, dass auch die Ambulanzen betroffen sind, bestreikt würden ja freie Betten. Auch hier gilt aber die Empfehlung, im Zweifel lieber vorher über die Hotline nachzufragen.