Stadtentwicklung

Potsdam entwirft seine Zukunft und fragt die Bürger

Potsdam arbeitet an einem neuen Leitbild. Tausende Bürger, darunter viele Kinder, beteiligten sich. Stadtverordnete stimmen darüber ab.

Das Holländische Viertel in Potsdam

Das Holländische Viertel in Potsdam

Foto: dpa Picture-Alliance / Schoening / picture alliance / Arco Images

Potsdam.  Wie sieht die Zukunft Potsdams aus? Wie innovativ wird die Stadt sein, wie wird sie wachsen, welche Verkehrsinfrastruktur und wie viel bezahlbaren Wohnraum braucht sie? Wie kann die Integration von Flüchtlingen gelingen, die Ansiedlung von Wissenschaft, welche Unterstützung brauchen Kultur oder Wirtschaft?

23 Thesen, festgehalten auf 16 Seiten, sollen jetzt die Antwort liefern. Seit knapp zwei Jahren beschäftigt die Entwicklung eines Leitbildes für die brandenburgische Landeshauptstadt Verwaltung ebenso wie Bürger. Am Mittwoch stellte Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) den fertigen Entwurf vor. Über den sollen ab dem 4. Mai die Stadtverordneten diskutieren und abstimmen. Für die kommenden zehn Jahre soll das Leitbild der Verwaltung, den städtischen Unternehmen und der Stadtpolitik als Richtschnur dienen.

Der jetzt vorliegende Entwurf ist Ergebnis eines mehrstufigen Beteiligungsverfahrens – durchgezogen auch mit neuen Formaten der Bürgerbeteiligung, die bei den Potsdamern auf unterschiedliche Resonanz stießen. "Gefragt waren Wünsche, Vorschläge, Diskussionsbeiträge aller Potsdamer", hebt Jakobs hervor. Über die Arbeit des Kinder- und Jugendbüros seien die Vorstellungen und Visionen zahlreicher junger Menschen berücksichtigt worden, betont das Stadtoberhaupt. Insgesamt wurden 1600 Kinder und Jugendliche einbezogen. Um möglichst viele Potsdamer zur Teilnahme zu animieren, habe die Stadt auf diverse Kommunikationskanäle gesetzt.

Mit 294.200 Euro sind die Kosten für das Beteiligungsprojekt allerdings höher ausgefallen als geplant. "Anfänglich sind wir von 250.000 Euro ausgegangen", sagt Dieter Jetschmanegg, der als Fachbereichsleiter für Kommunikation das Leitbildprojekt betreut. Nachjustierungen wie der Einsatz von Gebärdendolmetscher oder zusätzliche Veranstaltungen hätten sich jedoch als notwendig herausgestellt.

Rege Beteiligung im Internet

Einige der Möglichkeiten, an der Weichenstellung für die Potsdamer Zukunft mitzuwirken, wurden von den Bürgern eher zurückhaltend angenommen: Die neun Stadtdialoge besuchten insgesamt 200 Interessierte, an den fünf Themenforen nahmen 180 Bürger teil, an den zwei Leitbildwerkstätten 80. Rege sei dagegen der Dialog im Internet geführt worden, erklärt Matthias Treml, Geschäftsführer des Unternehmens Zebralog. "4143 Besucher haben sich den Leitbildauftritt angeschaut, 306 Nutzer wurden aktiv." Das "Erklärvideo" zum Leitbild-Prozess auf Facebook hätten sich 13.000 User angeschaut.

"Das Thema ist sperrig und kann nur abstrakt formuliert werden", erklärt Jakobs das eher geringe Interesse. "Fühlen sich Menschen konkret betroffen, reagieren sie zahlenmäßig stärker." Projektleiter Christoph Andersen sagt: "Von Anfang an war klar, dass die Ergebnisse des Leitbildes auch in die konkreten Ziele der Stadt und letztlich auch in die Haushaltsplanungen überführt werden müssen." Das Leitbild biete die besten Voraussetzungen dafür, die strategische Steuerung umzusetzen, sobald die Stadtverordneten grünes Licht gegeben hätten.

Und das soll ganz praktisch geschehen: Das erste Mal soll das Leitbild schon exemplarisch im Haushalt 2017 seinen Niederschlag finden "und im Doppelhaushalt 2018/19 wollen wir es dann ganz klar abbilden", sagt Jakobs. Konkret wolle die Verwaltung das Leitbildkonzept bei den Themen Radverkehr, Musikschulen, Kitas, Fortbildung und Online-Angebote anwenden. "Das Leitbild und dessen Umsetzung wird auch Auswirkungen auf die Verwaltungsstruktur haben", kündigt Jakobs an.

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