Wirtschaft

Wasserbetriebe verkaufen mehr und wollen investieren

Das Landesunternehmen lehnt das Freihandelsabkommen TTIP ab. Es werden Klagen von Unternehmen befürchtet, die hier Fuß fassen wollen.

Foto: Paul Zinken / dpa

Die Berliner Wasserbetriebe (BWB) und die gesamte deutsche Wasserwirtschaft haben sich auf die Seite der Gegner des transatlantischen Freihandelsabkommens TTIP gestellt. Ein solcher Vertrag zwischen der Europäischen Union und den USA lasse befürchten, dass die hohen Standards in punkto Umwelt, Material und Technik durch die Hintertür ausgehebelt würden. Ohne wirksame Instanzen zur Streitschlichtung fürchte man Klagen von Unternehmen, die hier Fuß fassen wollten, sagte BWB-Vorstandschef Jörg Simon bei der Vorstellung der Bilanz des landeseigenen Unternehmens für 2015.

Außerdem mahnte Simon in seiner Eigenschaft als Vizepräsident des Bundesverbandes Energie- und Wasserwirtschaft die Bundesregierung davor, die Wasserversorger auf eine Mitwirkung am Ausbau des Breitbandnetzes für schnelles Internet zu verpflichten. Es führe zu einer Vielzahl von Problemen, wenn Glasfaserkabel in Abwasserkanälen verlegt werden müssten. In Berlin habe man Erfahrung damit und es zeige sich, dass Hochdruckreiniger in den Kanälen oft auch die Internetleitungen von den Wänden reißen würden.

Dank Zuzug höherer Wasserverbrauch

Jenseits dieser Zukunftssorgen präsentierte sich Simon aber sehr zufrieden. Im Jahr 2015 haben die Wasserbetriebe das erste Mal seit der Wiedervereinigung wieder mehr Trinkwasser verkauft, fünf Prozent mehr als im Vorjahr. Folglich reinigten auch die sechs Berliner Klärwerke mehr Wasser. Gründe für den steigenden Absatz sind laut Simon die zusätzlichen Einwohner, die Flüchtlinge und der trockene Sommer.

Dass der Umsatz dennoch um knapp 70 Millionen Euro auf 1,05 Milliarden Euro gefallen ist, liegt an den gesunkenen Tarifen. Zu Jahresbeginn 2015 wurden die Preise für Abwasser um 6,1 Prozent reduziert, im Jahr zuvor waren die Trinkwassertarife geschrumpft. Der Gewinn, der ans Land fließt, lag bei 89 Millionen nach 99 Millionen 2014.

Dennoch erzielten die Wasserbetriebe noch stattliche Überschüsse. Durch die Neustrukturierung des Unternehmens nach dem Vollerwerb durch das Land Berlin und der Auflösung der Holding profitieren die BWB von erheblichen Einmaleffekten, die sich durch eine neue Bewertung der Unternehmensteile nach dem Ausscheiden der privaten Miteigner Veolia und RWE ergeben. So fließen mehr als 230 Millionen Euro in die Gewinnrücklage, aus der die BWB aus eigener Kraft ihre Investitionen von mehr als zwei Milliarden Euro in Klärwerke, neue Reinigungsstufen und Kanäle stemmen wollen. Der Wasserpreis, versicherte der Aufsichtsratsvorsitzende und Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD), bleibe jedenfalls bis 2020 stabil.

Simon berichtete von den Bemühungen, die Tochterfirma Stadtwerke zu entwickeln. Inzwischen haben die Stadtwerke aus Photovoltaikanlagen und Beteiligungen an Windparks Ökostrom für 10.000 Menschen zur Verfügung. Kunden hat das Stadtwerk erst 1100 gewonnen. Simon führte diese bescheidene Zahl auch auf Restriktionen für die Kundenwerbung zurück, die der Senat auf Druck der CDU beschlossen hatte. Man wollte verhindern, dass die Stadtwerke ein reiner Stromhändler werden.