Umstrittenes Projekt

Neue Chance für temporäre Spielstraße in Prenzlauer Berg

Anwohner kritisieren den geplanten Neustart der Spielstraße an der Gudvanger Straße. Trotzdem nimmt das Bezirksamt einen neuen Anlauf.

Die Spielstraße in der Gudvanger Straße soll in reduzierter Form wieder möglich werden

Die Spielstraße in der Gudvanger Straße soll in reduzierter Form wieder möglich werden

Foto: Krauthoefer

In Prenzlauer Berg leben immer mehr Familien mit Kindern, doch es gibt zu wenige Orte zum Herumtoben und Spielen. Deshalb nimmt das Bezirksamt einen neuen Anlauf für die temporäre Spielzone auf der Gudvanger Straße. Sie soll von Mai bis Oktober wieder erlaubt werden. Der erste Anlauf war im Sommer 2015 gescheitert. Schon nach wenigen Wochen stoppte das Verwaltungsgericht das Projekt. Eine Anwohnerin hatte im Namen mehrerer Mieter dagegen geklagt und Recht bekommen.

„Wir haben das ausgewertet und dazugelernt“, sagt Pankows Stadtrat für Bürgerservice, Torsten Kühne (CDU). 2015 habe man die Anwohner zu wenig einbezogen. „Jetzt nehmen wir uns die Zeit dafür.“ Mit Aushängen hat das Amt über das geplante Modellprojekt informiert und am Dienstagabend zur öffentlichen Diskussion in die Wilhelm-von-Humboldt-Schule am Humannplatz an der Gudvanger Straße eingeladen. Ergebnis: Auch in diesem Jahr gibt es Kritik.

Die laufende Sanierung eines anderen Straßenabschnitts könne sich durch das Projekt verzögern, lautet eine Befürchtung. Zudem gebe es in der Nachbarschaft einen großen Spielplatz. Im Vorjahr habe sich gezeigt, dass die temporäre Spielstraße vormittags und mittags wenig genutzt wurde, weil die Kinder in der Schule waren, sagte eine Anwohnerin. Eine andere Erfahrung sei, dass kleine Kinder nicht unterscheiden könnten, wann das Spielen auf der Straße erlaubt sei und wann nicht.

Doch es gibt auch Befürworter: Am Nachmittag sei die temporäre Spielstraße nötig, weil der Spielplatz überfüllt sei, so ein Familienvater. Auch die Kitas in der Nachbarschaft wollen das zusätzliche Angebot nutzen. Das Bezirksamt will die Bedenken abwägen. „Ich hoffe, dass wir einen guten Kompromiss finden“, sagte Kühne.

Anders als 2015 soll die Gudvanger Straße in diesem Jahr nicht mehr einmal wöchentlich, sondern nur an neun Terminen zur temporären Spielzone werden. Jeden zweiten Dienstag von 10 bis 18 Uhr können Anwohner dann ihre Autos nicht im betroffenen Straßenabschnitt parken. Das Jugendamt hat den Antrag bei der Straßenverkehrsbehörde gestellt. Die Spielstraße ist als Veranstaltung deklariert, die regelmäßig durchgeführt werden soll. In solchen Fällen erlaubt es der Paragraf 29 der Straßenverkehrsordnung, die Straße zeitweilig für Autos zu sperren.

Als Start ist Anfang Mai vorgesehen. Sollten Anwohner bis dahin Widerspruch einlegen, werde das Projekt nicht beginnen, so Kühne. „Dann bearbeiten wir erst den Widerspruch und warten gegebenenfalls ab, ob eine Klage eingereicht wird.“ Er hoffe jedoch, dass es nicht dazu komme. Um den Neustart 2016 juristisch abzusichern, wurde ein Veranstaltungskonzept entwickelt. Kooperationspartner wie das Deutsche Kinderhilfswerk, der Verkehrsclub und der ADFC kommen an den Spieltagen und gestalten Programme für die Kinder. Am Modellprojekt ist auch die 2014 gegründete Initiative „Temporäres Spielen auf der Gudvanger Straße“ beteiligt.