Tarifstreit

2,5 Prozent mehr Geld bei der BVG - ganz ohne Streik

Noch 2012 legten BVG-Beschäftigten wochenlang den Berliner Nahverkehr lahm. Inzwischen laufen die Tarifverhandlungen geräuschlos ab.

Die Löhne und Gehälter der rund 14.000 Beschäftigten des landeseigenen Unternehmens BVG steigen rückwirkend zum 1. Januar 2016 linear um 2,5 Prozent

Die Löhne und Gehälter der rund 14.000 Beschäftigten des landeseigenen Unternehmens BVG steigen rückwirkend zum 1. Januar 2016 linear um 2,5 Prozent

Foto: Markus C. Hurek / picture alliance / Markus C. Hur

Es geht auch anders: Nach völlig geräuschlosen Verhandlungen haben sich die Arbeitgeber und die Gewerkschaft Verdi am Dienstag auf einen Tarifabschluss für die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) geeinigt. Danach steigen die Löhne und Gehälter der rund 14.000 Beschäftigten des landeseigenen Unternehmens rückwirkend zum 1. Januar 2016 linear um 2,5 Prozent. Zusätzlich gibt es für alle vollbeschäftigten Mitarbeiter im Juli noch eine Einmalzahlung von 150 Euro (Teilzeitbeschäftigte erhalten das Geld anteilig), Auszubildende bekommen einmalig 50 Euro obendrauf.

Lohnplus auch im nächsten Jahr

Die Mitarbeiter hätten einen großen Anteil daran, dass die BVG nachhaltig schwarze Zahlen schreibe, begründete Personalvorstand Dirk Schulte den Abschluss. Er kündigte zugleich ein weiteres Lohnplus von erneut 2,5 Prozent für 2017 an – „bei einem weiterhin positiven Geschäftsergebnis der BVG“.

Verdi-Verhandlungsführer Jens Gröger zeigte sich überaus zufrieden mit dem Abschluss: „Wir freuen uns, dass wir für alle Kolleginnen und Kollegen, auch für die Beschäftigten der BVG-Tochterunternehmen einen soliden Tarifvertrag aushandeln konnten.“ Aber gute Arbeit verdiene auch gutes Geld.

Wochenlange Streiks auf Kosten der Fahrgäste

Noch vor Jahren, zuletzt im Frühjahr 2012, hatte es bei der BVG harte Tarifauseinandersetzungen mit teilweise wochenlangen Streiks auf Kosten der täglich mehr als drei Millionen Fahrgäste gegeben. Seit November 2013 ist damit Schluss. Damals handelte Verdi mit dem damaligen BVG-Personalvorstand Lothar Zweiniger eine Grundsatzvereinbarung aus, nach der die Löhne und Gehälter der BVG-Mitarbeiter bei einem positiven Ergebnis des Unternehmens mindestens um 2,5 Prozent pro Jahr angehoben werden.

Was damals noch als geringes Plus erschien, ist bei der heutigen Inflationsrate von nahe null ein spürbarer Reallohnzuwachs. Nachdem die mit mehr als 700 Millionen Euro noch immer hoch verschuldete BVG für das Geschäftsjahr 2014 erstmals einen Gewinn von 7,4 Millionen ausgewiesen hatte, fand die Regelung im Vorjahr erstmals Anwendung. 2015 gab es zum Lohnplus von 1,5 Prozent eine Einmalzahlung von 500 Euro.

Spürbar mehr Fahrgeldeinnahmen

Auch für das vergangen Geschäftsjahr konnte die BVG wieder einen kleinen Millionen-Gewinn erzielen. Genaue Zahlen will das unternehmen jedoch erst nach der Billigung des Jahresabschlusses durch den Aufsichtsrat veröffentlichen. Dazu beigetragen haben ein überdurchschnittliches Wachstum, im Vorjahr haben die Busse und Bahnen der BVG erstmals mehr als eine Milliarde Fahrgäste befördert. Zudem werden die Ticketpreise in Berlin und Brandenburg inzwischen nach festen Regeln einmal im Jahr erhöht. Beides bescherte der BVG einen kräftigen Anstieg bei den Fahrgeldeinnahmen. Gleichzeitig sind die Kosten etwa für Strom und Diesel spürbar gesunken.

Verdi ruft zu Warnstreiks in Kliniken und Bäderbetrieben auf

Im aktuellen Tarifstreit für den öffentlichen Dienst stehen derweil die Zeichen hingegen auf Streik. Verdi rief die Beschäftigten der Vivantes-Kliniken und der Charité in Berlin zu ersten Warnstreiks auf. Auch in den Bädern der Stadt soll die Arbeit vorübergehend ruhen.

Bei der Charité und Vivantes ist demnach vor allem am 25. und 26. April 2016 mit Arbeitsniederlegungen zu rechnen. Am 21. April 2016 will Verdi nur das Vivantes-Klinikum in Friedrichshain bestreiken. Dort ist für den Tag (11.55 Uhr) außerdem eine Kundgebung geplant. Die Angestellten der Berliner Bäderbetriebe sind laut Verdi am 27. April 2016 aufgerufen, die Arbeit am Vormittag niederzulegen. Gewerkschaftsvertreter Dieter Korte geht davon aus, dass einige Bäder an dem Morgen geschlossen bleiben.

In den Tarifverhandlungen fordern die Arbeitnehmervertreter sechs Prozent mehr Lohn für ein Jahr. Die Arbeitgeber hatten nach eigenen Angaben drei Prozent mehr für zwei Jahre geboten. Am 28. und 29. April gehen die Gespräche in die dritte Runde.