„Fahrradnetz Berlin“

Berliner Grüne suchen Radschnellwege für Pendler

Sie sollen vor allem von den Außenbezirken in die Innenstadt führen. Doch Experten zweifeln an Berlins Potenzial für Radschnellwege.

Ungestört auf dem Radschnellweg fahren? In Berlin ist das noch nicht möglich

Ungestört auf dem Radschnellweg fahren? In Berlin ist das noch nicht möglich

Foto: Reto Klar

Ein Radweg ohne Kreuzungen und Ampeln, der Ballungszentren in der Stadt verbindet: Noch gibt es von diesen sogenannten Radschnellwegen keinen einzigen in Berlin. Doch die Suche ist angelaufen. Jetzt haben sich auch die Berliner Grünen eingeschaltet. Auf einem neuen Internet-Portal fordern sie Radfahrer auf, Vorschläge für solche Routen zu machen.

„Wir suchen vor allem Strecken, die Innen- und Außenbezirke verbinden, da die Zahl der Pendler steigt“, sagt der Abgeordnete Stefan Gelbhaar. Besonders auf E-Bikes ließen sich Distanzen von zehn bis zwölf Kilometer inzwischen leicht zurücklegen.

Eine Vorgabe: mindestens fünf Kilometer Länge

Doch nur, wenn die passende Infrastruktur vorhanden ist. Eine offizielle Definition für Radschnellwege gibt es nicht, im Bundesgebiet liefen die ersten Projekte erst vor wenigen Jahren an. Die Grünen nennen folgende Kriterien: mindestens fünf Kilometer Länge, eine überwiegend kreuzungs- und umwegfreie Streckenführung, außerdem Beleuchtung und eine Trennung von Fuß- und Radverkehr. Denkbar sind Routen entlang von Bahntrassen oder Wasserwegen, etwa am Teltowkanal.

Vorschläge für Radschnellwege wurden zuletzt einige bekannt. Sie sollten unter der U1-Hochbahn oder auf den stillgelegten Trassen der Stammbahn oder der Siemensbahn entstehen. Diese Varianten werden vom Senat geprüft, ihre Chancen auf eine Realisierung sind jedoch minimal. Der Fahrradclub ADFC hatte zuletzt zu einem Wettbewerb um die besten Ideen für Radschnellwege aufgerufen.

Die Grünen träumen unter anderem von einer Vielzahl an Schnellwegen, die sternförmig von den Außenbezirken Richtung Ringbahn zulaufen. Dort könnten die pendelnder Radfahrer dann in die S-Bahn umsteigen. „Natürlich muss ermittelt werden, wo genau es Bedarf für solche Verbindungen gibt“, sagt Gelbhaar. Auf dem Portal gehe es zunächst darum, das Potenzial für Radschnellwege auszuloten.

BUND: Keine Bedingungen wie im Ruhrgebiet

Fraglich ist, wie groß dieses in Berlin ist. Geht es nach der Initiative „Volksentscheid Fahrrad“, soll der Bau von 100 Kilometern Radschnellwegen gesetzlich festgelegt werden . Der Bund für Umwelt und Naturschutz Berlin (BUND) sieht das kritisch. „Nach Einschätzung des BUND gibt es in Berlin nur begrenztes Potenzial für die Anlage von kreuzungsfreien Radschnellverbindungen wie sie zum Beispiel derzeit im Ruhrgebiet auf stillgelegten Bahntrassen angelegt werden“, sagt Fahrradexperte Tilo Schütz.

Eine Route konnte der BUND dennoch erarbeiten, der Vorschlag wurde dem Senat übergeben. Die 13,3 Kilometer lange Strecke soll vom Schlossplatz in Mitte entlang von Spree, Rummelsburger See und Bahntrassen bis zum Wuhletal in Marzahn Hellersdorf führen.

Mehr Informationen online unter fahrradnetz-berlin.de.