Zwei Milliarden Euro

Berliner Wasserbetriebe investieren zwei Milliarden Euro

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Joachim Fahrun

Ein  Abwasserkanal der Berliner Wasserbetriebe

Ein Abwasserkanal der Berliner Wasserbetriebe

Foto: Amin Akhtar

Die Klärwerke müssen Phosphor aus dem Abwasser filtern. Der Wasserpreis soll in Berlin aber konstant bleiben - jedenfalls zunächst.

Berlin.  Die Berliner Wasserbetriebe (BWB) werden ihre Investitionen massiv erhöhen, um die Flüsse sauberer zu halten und den Klärschlamm aus den Klärwerken umweltschonender entsorgen zu können. Bis 2021 rechnet BWB-Vorstandschef Jörg Simon mit 2,1 Milliarden Euro Investitionssumme.

Der Großteil davon wird für Abwasser ausgegeben, ein kleinerer Teil geht in neue Kanäle und Rohrleitungen, die unter anderem die geplanten neuen Stadtviertel erschließen werden. Die Wassertarife sollen trotz der erhöhten Ausgaben stabil bleiben.

BWB-Chef Simon: "Preis zunächst konstant"

„Wir haben da ein strammes Investitionspaket vor der Brust“, sagte Simon, „ich glaube aber, dass wir die Preise zunächst konstant lassen können.“ Bisher hat der Aufsichtsrat des nach dem Rückkauf durch den Senat wieder zu 100 Prozent landeseigenen Unternehmens die Wassertarife bis 2019 auf dem heutigen Niveau festgesetzt. Weil die BWB aber wegen der steigenden Einwohnerzahl auch mehr Wasser verkaufen, haben sie zusätzlichen Spielraum gewonnen, um die Investitionen selbst zu finanzieren.

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Neue Vorschriften zwingen die Berliner Wasserversorger zum Handeln. Die Europäische Union hat Vorgaben für die Wasserqualität der jeweiligen Flusssysteme aufgestellt. In der Folge muss Berlin, das über Spree und Havel an der Elbe hängt, die vierte Reinigungsstufe einhalten. Das bedeutet: Der Eintrag von Phosphor, das mit dem geklärten Abwasser in die Flüsse gelangt, muss unter einen Mikrogramm pro Liter sinken. Phosphor ist ein Nährstoff, der Algen wachsen und Gewässer grün werden lässt. „Die Berliner können damit rechnen, dass der Wannsee dann klarer wird“, sagte Simon. Um diesen strengen Grenzwert einzuhalten, müssen die BWB ihre sechs Klärwerke, von denen fünf auf Brandenburger Gebiet liegen, nachrüsten. Das allein kostet zwischen 50 und 80 Millionen Euro pro Werk.

Das gereinigte Abwasser sickert zusätzlich durch einen Sandfilter. Zuvor werden Metallspäne zugegeben, die Phosphor flocken lassen. Diese Partikel bleiben im Sand hängen. Um die vierte Stufe zu bauen, müssen die Wassertechniker die Klärwerke vorübergehend außer Dienst stellen. Der erste dieser neuen Filter wird im Klärwerk Waßmannsdorf in Schönefeld gebaut.

Projekt im Klärwerk Schönerlinde

Im Klärwerk Schönerlinde nördlich der Stadt planen die BWB darüber hinaus eine Anlage, um mithilfe von Ozon und Aktivkohle Spurenstoffe aus dem Wasser zu holen. Dieses Projekt veranschlagt Simon allein mit 80 Millionen Euro. Das Wasser aus Schönerlinde fließt über den Nordgraben in den Tegeler See. Dort ist in dem Wasserwerk, das Trinkwasser aus den Uferbrunnen zieht, eine erhöhte Konzen­tration von Medikamentenrückständen gemessen worden. „Das ist im Moment noch kein großes Problem, kann aber eines werden“, sagte Simon.

Auch die Klärschlammverordnung der Bundesregierung zwingt die BWB zum Handeln. Von 2025 an ist es verboten, den phosphorhaltigen, aber mit Schwermetallen belasteten Schlamm als Dünger auf die Äcker zu werfen. Zudem laufen immer weniger Kohlekraftwerke, in denen dieser Schlamm bisher mit verbrannt wird. Deshalb plant Simon den Bau einer zweiten Klärschlammverbrennungsanlage, um auch künftig die 90.000 Tonnen Schlamm jährlich loszuwerden. Bisher schafft das Schlammkraftwerk in Ruhleben etwa die Hälfte dieser Menge. Eine neue Anlage kostet 160 Millionen Euro. Ein Standort in Berlin oder Brandenburg wird noch gesucht.