Tourismus

Millionen fließen für Radwege im Land Brandenburg

Brandenburg investiert 40 Millionen Euro in das Radwegenetz. Saniert wird aber nicht, sondern "qualitativ aufgewertet".

Der Neißeradweg bei Forst in der Lausitz ist rund 630 Kilometer lang und führt längs der deutschen Ostgrenze zu Polen

Der Neißeradweg bei Forst in der Lausitz ist rund 630 Kilometer lang und führt längs der deutschen Ostgrenze zu Polen

Foto: imago/Rainer Weisflog

Potsdam.  Denken deutsche Urlauber an Brandenburg, haben sie ein Rad vor Augen. Fast die Hälfte würde Brandenburg mit dem Begriff „radlerfreundlich“ verbinden, verweist Dirk Wetzel, Fahrradexperte bei der Tourismus-Marketing Brandenburg (TMB), auf eine bundesweite Befragung des Instituts für Management und Tourismus. Davor kämen nur „naturbelassen“ und „berlinnah“. Von den 92 Millionen Tagestouristen, die Brandenburg pro Jahr verbuchen kann, sind elf Prozent mit dem Rad unterwegs. Ein Grund, warum Brandenburg die Qualität seiner Radwege jetzt noch weiter verbessern will. 40 Millionen Euro will das Wirtschaftsministerium für die Radwegemodernisierung locker machen.

29 Radfernwege

Mit 29 Radfernwegen, rund 30 regionalen Radrouten und einem touristischen Radwegenetz von 7000 Kilometern Länge kann das Land bei Touristen punkten. „Mehr als ein Viertel der Gäste, die nach Brandenburg kommen, fahren hier Rad“, sagt Wetzel und blickt noch einmal in die Statistik: „Der deutschlandweite Durchschnittswert liegt bei nur 12,6 Prozent.“ Und: Radler lassen sich ihren Ausflug etwas kosten. „Die Zeiten, in denen daheim Stullen für die Tour geschmiert wurden, sind vorbei“, betont der TMB-Mann. 65 bis 70 Euro pro Tag geben radfahrende Urlauber im Land aus – satte 20 Prozent mehr als die übrigen Tagesgäste.

„Radtouristen bescheren unserer Tourismusbranche einen Umsatz von mehr als 850 Millionen Euro im Jahr“, ergänzt Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD). „Die Voraussetzung für diesen Erfolg ist die gute Qualität der Radwege“, das weiß Gerber aus Erfahrung. Der Potsdamer, seit Jahren Mitglied beim Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC), machte vor drei Jahren selbst die Probe aufs Exempel und fuhr bei einem Drei-Tages-Trip auf dem eigenen Rad von Usedom nach Berlin.

Die überregionalen Radtrassen sollen nun mit Unterstützung des Landes modernisiert werden. 40 Millionen Euro seien in der laufenden Förderperiode bis 2020 zunächst reserviert, sagte Gerber. Damit werden Investitionen der Landkreise, die zusammen mit ihren Kommunen für den Erhalt der Wege verantwortlich sind, bis zu 80 Prozent unterstützt. „Mit dem Geld können zum Beispiel Wurzelsperren eingebaut, enge Radwege verbreitert oder Wegweiser an Knotenpunkten errichtet werden“, erklärt Gerber. Unterstützt werde auch die „Möblierung“ der Radwege wie der Bau von Schutzhütten, das Anlegen von Picknickstellen und das Aufstellen von Bänken.

Sandiger Untergrund erschwert den Bau

Erste Förderanträge liegen mittlerweile vor. „Ist der Bedarf in den Landkreisen und Kommunen höher, können wir die Gesamtsumme auch noch aufstocken“, kündigt Gerber an. Das Modernisierungsprogramm trage auch den veränderten Bedürfnissen der Radtouristen Rechnung, so der Minister.

Noch vor zehn Jahren seien viele Touristen zu Mehrtagestouren aufgebrochen – beispielsweise von Berlin nach Kopenhagen oder entlang der Oder und Neiße. „Heute zählen wir mehr und mehr Sternradler – Urlauber, die von einer festen Unterkunft aus Tagestouren unternehmen.“ Damit rücke das gesamte Radwegenetz einer Region und dessen klare Beschilderung viel stärker in den Fokus.

Geld nur für qualitative Aufwertung

Der Haken am Programm: Das Geld fließt nicht für eine einfache Sanierung der Radwege, sondern nur für eine „qualitative Aufwertung“, erklärt Martin Linsen, für Tourismus zuständiger Referatsleiter im Wirtschaftsministerium. Der Bedarf ist da: „Vor 16 Jahren war der Radwegebau noch nicht so ausgeprägt“, bestätigt Linsen.

Damals seien auch Fehler aus Unwissenheit gemacht worden. „Es wurden teilweise ungeeignete Oberflächenbelege verwendet und bei der Umsetzung nicht immer Fachleute, sondern ABM-Kräfte eingesetzt.“ Das sei gut gemeint gewesen, aber denen hätten vielfach die nötigen Kenntnisse gefehlt. Folgen, die vor allem im Süden Brandenburgs sichtbar sind.

Wegen des sandigen Untergrundes sei Radwegebau im Land eine schwierige Sache, sagt Linsen. „In anderen Bundesländern mussten oftmals nur vorhandene landwirtschaftliche Wege ausgeschildert werden. In Brandenburg aber gab es diese asphaltierten Strecken nicht – erst recht nicht im Forst oder entlang der Flüsse“, erklärt der Fachmann. Genau diese Wege aber seien heute das Besondere des märkischen Radwegeangebotes.

Bahn startet „Rad im Regio“

Auch die Deutsche Bahn will den Fahrgast mit Drahtesel nun stärker in den Blick nehmen. Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg startet im Mai gemeinsam mit der DB Regio und der Ostdeutschen Eisenbahn das Pilotprojekt „Rad im Regio“. Umgesetzt werden soll das Servicepaket auf den Regionalexpresslinien RE2, RE3, RE4 und RE5. Ziel der Aktion: die Mitnahme von Rädern soll stressfreier werden.

Am Wochenende des 23. und 24. April ist das offizielle Anradeln in Brandenburg angesagt. „Mehr als 20 Tourenangebote sind uns bis jetzt schon gemeldet worden“, sagt TMB-Sprecherin Birgit Kunkel. Unter dem Motto „Auf den Spuren der Dobrilugker Mönche“ steht beispielsweise das Anradeln im Elbe-Elster-Land. Besonders sportlich beginnt die Saison im Ruppiner Seenland mit einer Rennrädertour auf einem Teilstück des Fernradwegs Berlin-Kopenhagen. Und „Immer am Fluss entlang“ heißt die Devise im Dahme-Seenland.

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