Tempelhofer Feld

Jugger in Tempelhof: Nicht so brutal, wie es aussieht

Die Szenen auf dem Tempelhofer Feld erinnern an brutale Gladiatorenkämpfe. Dabei ist Jugger nicht gefährlicher als andere Sportarten.

"3,2,1. Jugger" auf dem Tempelhofer Feld: Jugger ist ein spannender, actiongeladener Mannschaftsport, der weltweit immer mehr begeisterte Anhänger findet

"3,2,1. Jugger" auf dem Tempelhofer Feld: Jugger ist ein spannender, actiongeladener Mannschaftsport, der weltweit immer mehr begeisterte Anhänger findet

Foto: Joerg Krauthoefer

Es regnet und ist windig an diesem Samstag. Das stört aber nicht. Viel mehr machen diese Wetterbedingungen die Szenerie auf dem Tempelhofer Feld nur noch beeindruckender. Männer und Frauen hasten mit schnellen Richtungswechseln über den Rasen, schwingen Ketten in der Luft, recken Stäbe in den grauen Himmel.

Mit den „Waffen“ treffen sie einander immer wieder am Körper, gehen in die Knie. Im Hintergrund, gut hörbar, erklingt ununterbrochen im Sekundentakt ein Trommelschlag. Bum, Bum, Bum. Zwischendrin Schreie, Anfeuern, „3, 2, 1, Jugger!“.

Was zum Teufel tun diese Menschen da? Wem Jugger kein Begriff ist, der ist folglich irritiert, während er das martialisch anmutende Spiel beobachtet. Ein wenig erinnert es an Ritterkämpfe mit Schwertern im Mittelalter. Auf dem ehemaligen Flughafen wird an diesem Wochenende ganztägig um den Juggerpokal gespielt. Teams aus ganz Deutschland treten gegeneinander an.

600 Teilnehmer aus aller Welt

Es ist ein Sport, der Anfang der 90er-Jahre bekannt wurde. Damals wurde er noch unprätentiös in Parks gespielt. Manchmal riefen besorgte Spaziergänger die Polizei, weil es für Ahnungslose aussieht, als würden sich die Spieler wahllos mit Stäben, den so genannten Pompfen, verprügeln, erinnert sich Martin.

Er ist Mitglied von Jugger e.V. Berlin und fing vor zehn Jahren damit an. Mittlerweile kommen zu den Deutschen Meisterschaften bis zu 600 Teilnehmer aus aller Welt. Spanien, Australien, USA.

Vom Prinzip ist das Spiel ganz einfach und erinnert an eine abgewandelte Form von Rugby. Die jeweils fünfköpfigen Teams kämpfen gegeneinander um eine Art Ball aus Schaumstoff – den Jugg. Ursprünglich sollte der wie ein Hundeschädel aussehen. „Allerdings gab es zunehmend Beschwerden von Tierschützern“, sagt Martin.

Das Ziel ist es, das Ding auf der gegnerischen Seite abzulegen. Das ist gar nicht so leicht. Denn jeder Spieler, also Jugger, ist mit einem Gerät gewappnet. Wird er von einer der Pompfen berührt, darf er für einige Sekunden nicht mitspielen.

„Jugger ist nicht gefährlicher als zum Beispiel Fußball“

Martin hat bis zu seinem Kreuzbrandriss im Berliner Team „Skull“ gespielt. Auch wenn der 29-Jährige gerade nicht aktiv ist, genießt er nach wie vor die Gemeinschaft, die durch den Sport über die Jahre entstanden ist.

„Außerdem ist die Mischung aus Mannschaftssport und Zweikämpfen einzigartig.“ Eigentlich kommt das Spiel aus dem dystopischen Film „Die Jugger – Kampf der Besten“ von 1989. Die Sportart, die sich daraus entwickelt hat, ist aber ungefährlicher als das filmische Vorbild.

Im Film sind die „Waffen“ nicht mit Schaumstoff gepolstert. Die Darsteller, die in einer Wüste gegeneinander kämpfen, tragen Narben und blaue Augen davon. „Jugger ist aber nicht gefährlicher als zum Beispiel Fußball – Laufverletzungen sind die häufigsten“, sagt Martin.

Wer nicht so gut rückwärts rennen kann, ist im Nachteil

Aaron ist mit seiner Mannschaft aus Hessen angereist und bestätigt, dass Jugger auf den ersten Blick tatsächlich brutal aussieht. „Dabei ist die Umsichtigkeit eine der wichtigsten Eigenschaften, die man als Spieler auf das Feld mitbringen muss“, sagt er.

Der Sport sei sowieso sehr vielfältig: „Der Jugger muss schnell laufen, reagieren und dabei auch noch schnell denken“, sagt er. Wer zum Beispiel nicht so gut rückwärts rennen kann, ist im Nachteil. Immer hin muss man immer wieder einem der Gegner entkommen. 3, 2, 1, Jugger!