Lichterfelde

Das Frauengefängnis, in dem schon George Clooney drehte

Im ehemaligen Frauengefängnis in Lichterfelde sollen Studios, Proberäume und Ateliers für Kreative und Wissenschaftler entstehen.

Veranstaltungsmanager Jochen Hahn will das Frauengefängnis  Lichterfelde  zur einem Ort für Kreative und kulturelle Veranstaltungen ausbauen

Veranstaltungsmanager Jochen Hahn will das Frauengefängnis Lichterfelde zur einem Ort für Kreative und kulturelle Veranstaltungen ausbauen

Foto: Sergej Glanze / Glanze

Die schweren grauen Riegel aus Stahl sind zurückgeschoben, alle Türen stehen offen. Jochen Hahn schreitet den Gang vor den Zellentüren ab, begeistert führt er durch die dunklen Gefängnisflure. „Das muss ich Ihnen unbedingt zeigen“, sagt er und legt einen Schritt zu. In einem Seitenflügel befindet sich eine winzige Zelle, ausgestattet mit einer doppelten Gittertür. Das spärliche Licht fällt von oben auf Toilette und Waschbecken in der Ecke. Für die Delinquentin gab es lediglich ein Podest aus nacktem Zement, um sich hinzusetzen. „Das ist die Böse-Mädchen-Zelle“, sagt der Veranstaltungsmanager und neue Eigentümer des Frauengefängnisses an der Lichterfelder Söhtstraße. Die bleibe auf jeden Fall so.

Das Gefängnis steht seit 2010 leer

Ansonsten wird sich in dem Gebäude eine Menge ändern. Seit 2010 sitzt niemand mehr in der Haftanstalt ein. In den Jahren davor suchten nur noch zwei Dutzend Freigängerinnen nachts die Zellen zum Schlafen auf. Die Ära einer hundertjährigen Haftanstalt mitten in der Villenkolonie Lichterfelde ist fast unbemerkt zu Ende gegangen. Dass sie wieder von sich Reden macht – im guten Sinn –, dafür will Jochen Hahn sorgen. Er ist Geschäftsführer der Hahn Produktion Gesellschaft für Theater, Management und Kulturaustausch. Der 62-Jährige plant, das Gefängnis zu einem Ort des kreativen und künstlerischen Austauschs zu entwickeln. Musik, Tanz und Theater – das alles soll in den etwa 70 Zellen, vier Sälen und einem Nebengebäude, der sogenannten Saalkirche, künftig stattfinden.

Seit zwei Wochen im Besitz der Schlüssel

Seit Anfang April ist der Produzent in Besitz des großen Schlüsselbundes für Eingangtore und Zellentüren. In den Jahren des Leerstandes wurde die Justizvollzugsanstalt oftmals als Filmkulisse genutzt. George Clooney, Moritz Bleibtreu und Til Schweiger hätten dort gedreht, erzählt Hahn. Das ZDF produzierte eine sechsteilige Gefängnis-Sitcom, die 2015 ausgestrahlt wurde. Jetzt sind die ersten Handwerker im Haus unterwegs. Bis zum Herbst will Hahn den Zustand des Gebäudes in einem Denkmalpflegeplan erfasst haben, um dann mit dem Umbau zu beginnen.

Etage für Etage, Saal für Saal erklärt der neue Eigentümer sein Konzept. Das Erdgeschoss des Zellentrakts will Jochen Hahn für Veranstaltungen nutzen. Er möchte regelmäßig eine lange Tafel zwischen den Zellentüren aufbauen und bis zu 60 geladenen Gästen ein Sterne-Menü servieren lassen. Das soll zugleich der Auftakt sein für dreitägige Kunstausstellungen oder auch Lesungen von Schauspielern. Eine Etage darüber sind Künstlerateliers geplant und im zweiten Stock größere Wohnateliers. Hahn wird mit der Universität der Künste (UdK) und der Kunsthochschule Weißensee kooperieren. Beide Einrichtungen seien Befürworter seines Konzepts, genau wie Kulturstaatssekretär Tim Renner, sagt er. So könnten zum Beispiel Stipen­diaten im Gefängnis temporäre Arbeitsräume nutzen. Die Säle werden mit Flügel oder Klavier ausgestattet sein und als Probenräume oder für Aufführungen aus den Bereichen Schauspiel, Oper und Ballett zur Verfügung stehen. „Techno wird es hier nicht geben“, so der Veranstaltungsmanager. Dennoch sind im Keller Musikprobenräume geplant.

Sofort von der Location überzeugt

Drei Jahre hat sich Jochen Hahn um die Übernahme des Gefängnisses bemüht. Er sei vom ersten Moment an infiziert gewesen, sagt er. Seine Frau, Professorin für Schauspiel an der UdK, habe eine Location für ein Theaterprojekt gesucht. Das Gefängnis stand zur Debatte, doch dann habe sie sich für den Tresor entschieden. Ihn jedoch hatte das Haus in seinen Bann gezogen.

Es ist nicht die erste Location, die Jochen Hahn neu nutzen wird. Er hat bereits die 100 Jahre alte denkmalgeschützte Reithalle in München auf eigene Kosten renoviert, die heute mit 800 Plätzen Raum für kulturelle Veranstaltungen bietet. Bis 2001 bespielte er das Haus mit einem eigenen Theater und arbeitete mit Theaterregisseuren wie Peter Stein und Lev Dodin. Nach der Jahrtausendwende verlegte er seinen Geschäftssitz nach Berlin und organisierte internationale Kulturfestivals.

Kulturelle Nutzung passt in das Villenviertel

Die Haftanstalt ist nun sein nächstes großes Projekt. Sie war 1906 an das Amtsgericht Lichterfelde angebaut worden. Gericht und Gefängnis waren mit einem Gang verbunden. Von außen passt sich das Ensemble mit seiner aristokratischen Renaissancearchitektur in das Villengebiet ein. Mit der künftigen kulturellen Nutzung passt das Gebäude nun noch besser in das Viertel.