Museumsinsel

Nach fünf Jahren: Richtfest für James-Simon-Galerie

Fünf Jahre später als geplant feierte am Mittwoch die James-Simon-Galerie auf der Museumsinsel Richtfest.

Die James-Simon-Galerie feierte am Mittwoch Richtfest

Die James-Simon-Galerie feierte am Mittwoch Richtfest

Foto: dpa

Mit einem spektakulären Bombenfund, durch den auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ihre Privatwohnung räumen musste, hatten die Bauarbeiten des neuen Empfangsgebäudes für die Berliner Museumsinsel begonnen. Zwar wurde die Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg entschärft, doch in der Folge reihte sich eine Schwierigkeit an die nächste. „Es gab Momente, in denen wir kein Licht am Ende des Tunnels gesehen haben“, erinnerte sich der britischen Architekt Sir David Chipperfield an die düsteren Momente der inzwischen siebenjährigen Bauzeit. Doch diese seien nun glücklich überwunden. Mit fünfjähriger Verspätung wurde am Mittwoch der Richtkranz über dem James-Simon-Galerie genannten Empfangsgebäude emporgezogen.

„Seit der Grundsteinlegung im Oktober 2013 läuft alles nach Plan“, versicherte Petra Wesseler, Präsidentin des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung, den mehreren Hundert Gästen, die zur Feier auf die Museumsinsel gekommen waren. Die Schwierigkeiten hätten vor allem bei den Gründungsarbeiten für das Gebäude im schlammigen Untergrund sowie in der mangelhaften Bauausführung bei der Errichtung der Baugrube bestanden. Doch nun sei sie zuversichtlich, dass 2018 als neuer Eröffnungstermin zu halten sei.

„Alles andere als erfreulich“, nannte Bundesbauministerin Barbara Hendricks (SPD) die Verzögerungen und Mehrkosten bei dem Projekt. „Mich bestärkt das Beispiel in meiner festen Überzeugung, dass wir bei Bauten des Bundes besser und verlässlicher werden müssen“, sagte sie. Der ursprünglich mit Kosten von 71 Millionen Euro veranschlagte Bau wird nun voraussichtlich 134 Millionen Euro kosten. Insgesamt unterstützt der Bund die Sanierung und Erweiterung der Museumsinsel, deren Gebäudeensemble im Zweiten Weltkrieg stark zerstört und zu DDR-Zeiten nur teilweise wiederhergestellt wurde, mit 1,4 Milliarden Euro. Bis 2025 sollen auch die Arbeiten am größten Sanierungsprojekt, dem Pergamonmuseum, beendet sein.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) bezeichnete den von Chipperfield entworfenen Neubau als „das Tor zu Berlins Schatzinsel“. Das Gebäude ist nach dem Berliner Unternehmer James Simon (1851–1932) benannt, einem der bedeutendsten Mäzene der wilhelminischen Ära. Die Staatlichen Museen zu Berlin verdanken ihm mehr als 10.000 Werke. Simon finanzierte ab 1911 auch die Grabungen im ägyptischen Tell el-Amarna, bei denen die Büste der Nofretete gefunden wurde. Simon wurde auf dem Jüdischen Friedhof an der Schönhauser Allee beigesetzt.

Jährlich fast drei Millionen Besucher

Das Empfangsgebäude soll für alle fünf Museen Servicefunktionen mit Kartenverkauf, Café, Garderoben und Museumsshop übernehmen. Zudem entstehen ein Auditorium mit 300 Plätzen und dringend benötigte Sonderausstellungsflächen – alles Bereiche, die das Unesco-Weltkulturerbe bislang nicht hatte. „Die James-Simon-Galerie transformiert die Museumsinsel ins 21. Jahrhundert“, sagte der Präsident der verantwortlichen Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger. Die Museumsinsel zählt jährlich fast drei Millionen Besucher. Für solche sei sie derzeit nicht gerüstet, sagte Parzinger. Zudem erwarte die Stiftung durch die Eröffnung des benachbarten Humboldt-Forums im rekonstruierten Berliner Schloss im Jahr 2019 ein weiteres Besucherwachstum.

Chipperfield, der auch schon das benachbarte Neue Museum spektakulär saniert hatte, betonte, dass es für ihn eine außerordentliche Ehre sei, den „überwältigenden Museumsbauten“ auf der Spreeinsel ein weiteres Gebäude hinzufügen zu dürfen.

Das Eingangsgebäude mit seiner imposanten Freitreppe, die bereits heute in ihren Dimensionen erkennbar ist, greift in seiner Gestalt die klassischen Elemente der Baumeister Karl Friedrich Schinkel (Altes Museum) und Friedrich August Stüler (Neues Museum, Alte Nationalgalerie) auf. „Diese Elemente interpretiert Chipperfield in zeitgenössischer Form und fügt so das Haus harmonisch in das historische Ensemble ein“, lobte Parzinger. Neben der Freitreppe beeindruckt die Hochkolonnade aus 92 neun Meter hohen quadratischen Pfeilern aus Betonwerkstein, die sich entlang des Kupfergrabens auf einer Länge von 100 Metern erstreckt.

Unter den Gästen des Richtfestes waren auch Nachfahren des Kunstmäzens James Simon. „Ich bin unglaublich stolz, dass mein Urgroßonkel gewürdigt wird“, sagte Tim Simon, Urenkel von James Simon, der aus San Francisco zum Festakt angereist war.