Berlin

20-Jähriger schlägt fremde Frau: 15 Tage Dauerarrest

Angeklagter sagt, er sei „sauer und wütend“ gewesen

Mohammed S. wird von zwei Wachtmeistern aus der Untersuchungshaft vorgeführt. Der 20-Jährige wirkt klein und schmächtig zwischen den Uniformierten. Die Anklage gegen ihn lautet vorsätzliche Körperverletzung. Er hat eine Frau niedergeschlagen. Einfach so.

Der Prozess gegen ihn sollte eigentlich schon am 14. Februar beginnen. Doch Mohammed S. war nicht erschienen. Das Gericht erwirkte einen Haft­befehl. Jetzt möchte er die Haftanstalt natürlich gern schnell wieder verlassen. Sein Verteidiger hat schon vor Prozessbeginn angekündigt, dass Mohammed S. ein umfassendes Geständnis ablegen wird. Mohammed S. erzählt dann auch, wie er am 2. Juni vergangenen Jahres mit zwei Freunden auf dem Weg zur Schule war. Mohammed S. war der mit Abstand Kleinste. An der Westfälischen Straße in Charlottenburg gab es den ersten Vorfall: Die Gruppe überquerte provokativ langsam die Fahrbahn. Eine Frau in einem Pkw hupte. Worauf Mohammed S. gegen die Wagentür trat.

Wenig später traf die Gruppe auf Silvia D. Die 42-Jährige ist Zeugin und Nebenklägerin in diesem Prozess. Die Fremdsprachenkorrespondentin schildert vor Gericht, wie ihr die Gruppe auf dem schmalen Gehsteig entgegengekommen sei. Sie habe sich „gegen den Zaun drücken müssen“, weil keiner aus der Gruppe auch nur einen Millimeter Platz gemacht habe. Frau D. sagte dann: „Was war das denn eben?“ Worauf einer der jungen Männer auf sie zugekommen sei und ihr einen Schlag versetzt habe. Sie leide heute noch an den Folgen. Nicht körperlich, sie erlitt nur Schürfwunden und Prellungen. Psychisch sieht es anders aus: „Ich habe mit so etwas überhaupt nie gerechnet, dass ich am helllichten Tag auf der Straße einfach niedergeschlagen werde.“

Ein Freund musste ihn von weiteren Gewalttaten abhalten

Mohammed S. nennt es vor Gericht „eine Klatsche gegeben“. Er sei an dem Tag „sauer und wütend“ gewesen, begründet Mohammed S. die Tat. Einer seiner Freunde hatte ihn festhalten müssen, damit er nicht erneut auf die Frau losgeht. Der Zweite gab Silvia D. ein Taschentuch, damit sie sich das Blut aus dem Gesicht wischen konnte.

Die Staatsanwältin beantragt für Mohammed S. sechs Monate Jugendstrafe, ausgesetzt auf Bewährung. „Tegel, Plötzensee, Heidering sind pickepackevoll mit jungen Migranten“, sagt sie bei ihrem Plädoyer. Und wenn der Angeklagte so weitermache, würde auch er unweigerlich im Gefängnis landen.

Die Jugendrichterin kennt Mohammed S. Er hat schon zweimal vor ihr auf der Anklagebank gesessen. Zuletzt bekam er für eine Betrügerei 40 Stunden Freizeitarbeit. Die hat er nicht verrichtet. Dafür drohen ihm jetzt 40 Tage Beugearrest. Für die Körperverletzung an Silvia D. verurteilt ihn die Richterin zu 15 Tagen Dauerarrest. Die Strafe gilt wegen der Untersuchungshaft als abgegolten. Außerdem muss er sich einem Antigewalttraining unterziehen.