Alte Potsdamer Straße

Bezirk Mitte will Fußgängerzone am Potsdamer Platz

In Berlins Innenstadt finden sich kaum Fußgängerzonen. Jetzt wagt der Bezirk Mitte am Potsdamer Platz einen Vorstoß.

Viel befahrene Kreuzung mit Blick von der Leipziger Straße auf den Potsdamer Platz: Die Alte Potsdamer Straße soll Fußgängerzone werden

Viel befahrene Kreuzung mit Blick von der Leipziger Straße auf den Potsdamer Platz: Die Alte Potsdamer Straße soll Fußgängerzone werden

Foto: dpa Picture-Alliance / Jean Claude Castor / picture alliance / zb

Berlin. Es gibt sie in München, in Köln, in Hamburg und anderen Großstädten an den prominentesten Stellen der Innenstadt. Nur in Berlin findet man sie kaum – und diese wenigen fristen zumeist ein Nischendasein am Rande der Stadt. Die Rede ist von Fußgängerzonen.

Jetzt wagt der Bezirk Mitte am Potsdamer Platz einen Vorstoß: Nach einem Beschluss der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) soll die Alte Potsdamer Straße in Tiergarten zur Fußgängerzone werden. Das Anhörungsverfahren wurde jetzt abgeschlossen, die Senatsverwaltung unterstützt das Vorhaben. Einzelhandels­experten sehen Chancen für weitere Fußgängerzonen im Zentrum.

Polizei, Feuerwehr und Taxi-Innung signalisieren Zustimmung

Die Alte Potsdamer Straße durchschneidet das Quartier am Potsdamer Platz in zwei nahezu gleich große Tortenstücke und endet am Marlene-Dietrich-Platz. „Die Planung zur Umgestaltung in eine Fußgängerzone wird vonseiten der Verwaltung unterstützt“, sagt deshalb Martin Pallgen, Sprecher von Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD).

Wichtige Anforderungen seien die Öffnung für den Rad- und Lieferverkehr – an der Straße liegen nicht nur zahlreiche Restaurants, sondern auch das Einkaufszentrum Potsdamer Platz Arkaden. Federführend bei der Umwandlung zur Fußgängerzone ist das Bezirksamt Mitte. „Taxi-Innung, Polizei und Feuerwehr sehen ihre Interessen hinsichtlich der Rettungswege gewahrt“, sagt Carsten Spallek (CDU), der zuständige Baustadtrat von Mitte.

„Fußgängerzonen sind für Passanten und Einzelhändler gleichermaßen eine tolle Sache“, sagt Andreas Malich, Einzelhandelsexperte vom Immobilienberater CBRE. „Die Kaufinger Straße in München, die Schildergasse in Köln oder die Zeil in Frankfurt locken zahlreiche Shopping-Touristen an“, so Malich.

Auch Neue Schönhauser Straße in Mitte geeignet

In Berlin findet das abgasfreie Einkaufsvergnügen dagegen fast ausschließlich in den Randlagen, in Spandau, Reinickendorf und Köpenick statt. Lediglich die Wilmersdorfer Straße in Charlottenburg bildet eine Ausnahme. Die 1978 eröffnete Fußgängerzone war die erste Fußgängerzone Berlins und ist bis heute – nach Tauentzienstraße, Alexanderplatz und der Schloßstraße in Steglitz – die am stärksten frequentierte Einkaufsstraße der Hauptstadt.

Um das Einkaufserlebnis in Berlin attraktiver zu machen, wären aus Sicht des Experten etwa die Neue Schönhauser Straße im Quartier am Hackeschen Markt, aber durchaus auch Abschnitte der Schloßstraße geeignet. Ob eine Fußgängerzone im Straßenzug Tauentzienstraße und Kurfürstendamm Sinn mache, müsse man dagegen genau untersuchen: „Die Straße weist eine enorme Breite auf, von einer zur anderen Straßenseite sind es gut 50 Meter“, so Malich. Dies könnte dazu führen, dass die Passanten selbst dann nicht die Geschäfte auf der anderen Straßenseite nutzen, wenn sie nicht mehr erst an einer Ampel auf die Grünphase warten müssten.

Autofahrer müssen Stellplätze finden

Dass sich aber nicht nur kleine Altstadtgassen als Fußgängerzone eignen, beweist Hamburg: Dort ist die Mönckebergstraße, die den Hauptzugang in die Hamburger Innenstadt bildet, für den Individualverkehr gesperrt. Linienbusse, Taxis und Radfahrer dürfen allerdings passieren. „So etwas wäre auch für Tauentzien-, Schloß- oder Friedrichstraße denkbar“, ist Malich überzeugt. Voraussetzung sei jeweils, dass die Autofahrer im Umfeld Stellplätze finden.

„Die Händler an der Tauentzienstraße diskutieren das sehr kontrovers“, ist dagegen Gottfried Kupsch von der AG City eher zurückhaltend. Kupsch plädiert dafür, noch etwas abzuwarten. Das Verkehrsaufkommen sei durch Elektrofahrzeuge, Carsharing und Radverkehr ohnehin im Umbruch.

Im Kriechgang durch die Begegnungszone

Zudem teste Berlin gerade ein etwas anderes Modell der Fußgängerzone – die sogenannte Begegnungszone. Im Unterschied zur Fußgängerzone darf dort auch Auto gefahren werden – allerdings nur im Kriechgang auf einem durch Betonpoller vorgegebenen Schlängelkurs. An der Maaßenstraße in Schöneberg ist sie bereits eingeführt, an der von Geschäften und Restaurants gesäumten Bergmannstraße in Kreuzberg soll die nächste folgen.

Im gerade abgeschlossenen Online-Dialog konnten die Bürger dazu ihre Meinung sagen. Und die sparten nicht mit Kritik. Zwar gefällt vielen die Vorstellung, dass Fußgänger mehr Platz bekommen. Die Abgrenzung mit Betonpollern wie in der Maaßenstraße finden die meisten dagegen einfach „hässlich“.