Kulturland

Zurück zum goldenen Boden

Das Handwerk spielt die Hauptrolle im Themenjahr Kulturland Brandenburg. Eröffnung im Mai, aber einiges ist schon vorab zu sehen

Müllermeisterin Karin Steinmeyer aus Luckenwalde posiert  für die Kulturland-Kampagne

Müllermeisterin Karin Steinmeyer aus Luckenwalde posiert für die Kulturland-Kampagne

Foto: Frank Gaudlitz / Kulturland Brandenburg 2016

Potsdam/Berlin.  40.000 Handwerksbetriebe mit insgesamt 160.000 Beschäftigten kann das Land Brandenburg aufbieten. „Das Handwerk ist eine Wirtschaftsmacht in der Mark“, betont Ralph Bührig, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Potsdam. „Die verschiedenen Gewerke bieten mehr als 130 Ausbildungsberufe.“ Das Dilemma: „Nur wenige davon sind bei Schulabgängern bekannt.“ Für Bührig ist das umso ärgerlicher, als den Brandenburger Betrieben zunehmend Fachkräfte und Lehrlinge fehlen. Dass die Jugendlichen so wenig über die breite Vielfalt des Handwerks wissen, ist aus seiner Sicht teilweise ein hausgemachtes Problem. Mit dem Umzug aus den Stadtzentren in die Gewerbesiedlungen am Rand hätten kleine Handwerksbetriebe ihre Sichtbarkeit verloren.

Das soll sich nach Bührigs Willen ändern. Seine Hoffnung setzt er in das diesjährige Themenjahr der Brandenburgischen Gesellschaft für Kultur und Geschichte, die sich unter der Dachmarke „Kulturland Brandenburg“ dem Handwerk widmet. Unter dem Motto „Handwerk – zwischen gestern & übermorgen“ werden in zahlreichen Veranstaltungen die verschiedenen Facetten in den Fokus gerückt.

Zum Programm, das die Macher und Förderer der Kulturmarke gestern vorstellten, zählen 34 von Kulturland Brandenburg geförderte Projekte. „Hinzu kommen zahlreiche begleitende Kulturaktionen“, so Kulturland-Geschäftsführerin Brigitte Faber-Schmidt: „Die Angebotspalette umfasst Ausstellungen, Filme, Konzerte, Vorträge, Lesungen, Workshops, Exkursionen.“

Musiker konzertieren bei den Instrumentenbauern

Regionales Handwerk in Geschichte und Gegenwart wird beispielsweise im Freilandmuseum Lehde, Ziegeleihandwerk und Töpferei in der Ziegelmanufaktur Glindow, im Ofen- und Keramikmuseum Velten und im Archäologischen Landesmuseum in Brandenburg an der Havel vorgestellt. Dem Handwerk in der Denkmalpflege und der Restaurierung widmet sich das Dominikanerkloster Prenzlau. Einen weiteren Akzent will die Kammerakademie Potsdam mit ihrer Reihe „Handwerk in der Musik – Musik im Handwerk“ setzen. Das Besondere: Musiker werden in den Werkstätten von Musikinstrumentenbauern konzertieren.

Vor allem bei den Berlinern seien die Kulturlandveranstaltungen sehr beliebt, sagt Brigitte Faber-Schmidt. Neben dem kulturellen Aspekt der Veranstaltungen setzt Bührig auch auf einen regen Austausch zur Neuaufstellung des Handwerks. Das Handwerk stehe vor enormen Herausforderungen wie der Energiewende oder der Digitalisierung, der sich auch die kleinen Betriebe stellen müssten, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Auch in diesem Jahr wird das Kulturland wieder von verschiedenen Institutionen unterstützt. 265.000 Euro kommen dabei aus dem Topf des brandenburgischen Kulturministeriums, 100.000 Euro steuert das Infrastrukturministerium bei. Auch der Handwerkskammertag, die Investitionsbank des Landes und der Ostdeutsche Sparkassenverband sind als Sponsoren dabei.

Offiziell wird das Themenjahr erst am 20. Mai um 14 Uhr mit einem musikalischen Festakt im Museumsdorf Baruther Glashütte eröffnet. Doch diverse Veranstaltungen wie die Wanderausstellung „Handwerkerhände“ laufen schon. Auch die Begleitausstellung zum Kulturlandjahr ist bereits vom 18. April bis 30. April in den Bahnhofspassagen in Potsdam zu sehen, bevor sie durch Brandenburg tourt. Brigitte Faber-Schmidt liegt die Sonderausstellung „Uni-form? Körper, Mode und Arbeit nach Maß“, die vom 15. April bis 24. Juli im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte in Potsdam gezeigt wird, besonders am Herzen. „Erzählt wird die Geschichte der seriellen Bekleidungsproduktion und ihrer bis heute anhaltenden Suche nach dem passenden Maß“, so Faber-Schmidt.

www.kulturland-brandenburg.de