Busse, Tram- und U-Bahnen

BVG befördert erstmals mehr als eine Milliarde Fahrgäste

Berlin wächst - und mit ihr auch der öffentliche Nahverkehr. Ob U-Bahn, S-Bahn oder Bus, alle verzeichnen mehr Fahrgäste.

Die BVG meldet Rekordzahlen bei den Fahrgästen

Die BVG meldet Rekordzahlen bei den Fahrgästen

Foto: dpa Picture-Alliance / Oliver Lang / picture alliance / Olvier Lang

2015 haben die Busse und Bahnen der Berliner Verkehrsvertriebe (BVG) erstmals mehr als eine Milliarde Fahrgäste befördert. „Das ist das beste Ergebnis in der Nachkriegsgeschichte“, sagte Unternehmenssprecher Markus Falkner. Dies sei jedoch der Besonderheiten der damaligen Zeit geschuldet. So war etwa der private Autoverkehr fast vollständig zum Erliegen gekommen. Zudem lief die Arbeit in den Rüstungsbetrieben auf Hochtouren, entsprechend groß war der Transportbedarf bei den Arbeitskräften.

Fahrgastzuwachs stärker als Bevölkerungswachstum

Nach einer am Donnerstag veröffentlichten Bilanz haben die landeseigenen Verkehrsbetriebe im Vorjahr 1,01 Millionen Fahrgastfahrten gezählt. Das sind 3,3 Prozent mehr als noch im Jahr zuvor (977,8 Millionen Fahrten). Da jeder Einstieg in ein Verkehrsmittel extra gewertet wird, kann ein Berliner oder ein Besucher der Stadt dabei mehrfach am Tag als Fahrgast gezählt werden. „Wir haben schon seit mehreren Jahren im Vergleich zur Bevölkerungsentwicklung ein überproportionales Wachstum“, betonte Falkner. Die Einwohnerzahl von Berlin war zuletzt pro Jahr um etwa 1,4 Prozent auf inzwischen rund 3,5 Millionen Menschen gestiegen. Zu dem Rekord-Ergebnis dürfte auch der anhaltende Ansturm von Touristen und Tagesbesuchern beigetragen haben. Im Vorjahr hatte die Berliner Hotellerie mit mehr als 30 Millionen Übernachtungen einen neuen Jahresrekord verzeichnet.

Berlins U-Bahn ist der Lastesel

Beliebtestes Verkehrsmittel in der Stadt bleibt die U-Bahn, die im Vorjahr 534,5 Millionen Fahrgäste befördert hat. Das sind rund 17 Millionen Nutzer mehr als im Jahr zuvor. Auf Platz zwei im internen Ranking der Verkehrsmittel liegen die Busse mit 418,5 Millionen Fahrgästen (plus 13 Millionen gegenüber 2014). Die vor allem im Ostteil der Stadt präsente Straßenbahn hat 2015 187,1 Millionen Fahrgäste transportiert, ein Zuwachs von 6 Millionen gegenüber dem Vorjahr. Dieses Ergebnis ist besonders bemerkenswert, weil die BVG aufgrund eines akuten Mangels an Fahrern ab August das Angebot auf mehreren Linien stark ausgedünnt hat.

Auch S-Bahn hat mehr Fahrgäste

Eigentliche Nummer drei unter den Berliner Verkehrsmitteln ist die nicht zur BVG gehörende S-Bahn. Die Bahntochter hatte 2014 mehr als 413 Millionen Fahrgäste befördert. Konkrete Zahlen für 2015 gibt es noch nicht. „Es waren aber trotz der Lokführerstreiks mehr als im Jahr zuvor“, sagte S-Bahn-Sprecher Ingo Priegnitz.

„Wachstum auf Kosten der Substanz“

Der Fahrgastverband Igeb begrüßte die Entwicklung bei der BVG. „Wir freuen uns natürlich, wenn sich mehr Berliner von den Vorzügen der öffentlichen Verkehrsmittel überzeugen lassen“, sagte Igeb-Sprecher Jens Wieseke. Allerdings sei dies ein Wachstum auf Kosten der Substanz. Speziell bei der U-Bahn gebe es einen immer größeren Fahrzeug-Mangel. Die Folge: Vor allem im Berufsverkehr, aber immer öfter auch zu anderen verkehrsreichen Zeiten, wird es eng in den Zügen.

Nur zwei neue Züge

Dass die Fahrzeugentwicklung mit der bei den Fahrgästen nicht Schritt hält, belegt auch die BVG-Bilanz. Danach ist 2015 die Zahl der U-Bahn-Fahrzeuge lediglich um sechs auf 1244 Wagen gestiegen. Der Zuwachs ergab sich lediglich aus der zu Jahresbeginn erfolgten Indienststellung von zwei Proto-Zügen. Die ersten Serienfahrzeuge der neuen Kleinprofil-Baureihe IK werden erst für 2017 erwartet.

Entscheidung über neue Doppeldecker noch 2016

Bei der Straßenbahn hat sich die Zahl der Fahrzeuge sogar um drei auf nunmehr 350 verringert. Während 25 Flexity-Bahnen neu hinzukamen, verringerte sich die Zahl der veralteten Tatra-Bahnen um 28. Spürbar aufwärts ging es hingegen bei der Busflotte der BVG. Der Bestand erhöhte sich im Vorjahr um 71 auf 1392 Omnibusse. Vor allem mehr kleine Eindecker (plus 41) und Gelenkbusse (plus 31) kommen in Berlin zum Einsatz. Bei den Doppeldeckern kam nur ein Testbus des niederländischen Herstellers VDL hinzu. Insgesamt fahren jetzt 416 Doppeldecker-Busse durch die Stadt. Noch im Laufe des Jahres will die BVG jedoch eine europaweite Ausschreibung für die nächste Doppeldecker-Generation veröffentlichen.

Fahrgastverband fordert mehr Busse und Bahnen

„Angesichts der wachsenden Stadt braucht Berlin mehr Busse und Bahnen“, forderte Igeb-Sprecher Wieseke. Der Zuwachs müsse zudem kontinuierlich und nicht nach Kassenlage des Senats erfolgen. Notwendig seien auch mehr Strecken vor allem für die Tram, weil die kleineren Busse immer öfter an ihre Kapazitätsgrenze stoßen würden. Die BVG lässt seit Anfang April auf mehreren Linien mehr Busse und Trams fahren. Bei der U-Bahn gab es keine Angebotsverbesserungen. Die Zahl der Mitarbeiter hat sich bei den Verkehrsbetriebe um 700 auf nunmehr rund 14.000 erhöht (plus 5,3 Prozent). Bei der Muttergesellschaft arbeiten den Angaben zufolge 11.699 Beschäftigte, bei der Fahrertochter Berlin Transport sind 1851 Mitarbeiter angestellt. Die Zahl der Auszubildenden hat sich geringfügig auf 442 erhöht.