Prozess

Berliner Imam distanziert sich vor Gericht vom IS

Der 30 Jahre alte Berliner beteiligte sich an der Fertigung eines Propagandavideos und begründete Gräueltaten.

Gadzhimurad K. wirkt ausgesprochen bieder. Ein Mann mit einem runden Gesicht. Der lange Bart, den er mal trug, ist abrasiert. Nervös sitzt der gebürtige Russe im panzerverglasten Anklagebereich des Verhandlungssaals des Berliner Kammergerichtes, wippt mit dem rechten Knien, schaut hilfesuchend immer wieder zum neben ihm sitzenden Dolmetscher. Um den Angeklagten herum sind drei Justizbedienstete postiert.

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Der in Berlin als Imam Murad Atajev bekannt gewordene Gadzhimurad K. ist angeklagt, für den IS (den sogenannten Islamischen Staat) um Mitglieder und Unterstützer geworben zu haben. Der 30-Jährige will das so auch nicht bestreiten, andererseits die Vorwürfe der Generalstaatsanwaltschaft auch nicht im vollen Umfang zugeben.

In einem Video preist er den IS

Im ersten Anklagepunkt geht es um ein etwa 25 Minuten langes Video, das auf der Internetseite „Shamtoday“ verbreitet wurde. Gadzhimurad K. trägt dort auf Arabisch und auf Russisch einen Text vor, in dem der IS gepriesen wird. Sehr direkt wird dabei auch Bezug auf das Köpfen von Gegnern genommen: Es sei rechtens und geschehe auf Befehl Allahs.

Und es wird auch Werbung für den Kampf beim IS gemacht. Tenor: Es gebe 100 Stufen des Paradieses. Wer zuhause sitze werde wohl nur die erste Stufe erklimmen. Märtyrer und Mudschahedin indes würde ganz oben stehen.

Angeblich mit der Szene gebrochen

In der von Gadzhimurad K.s Verteidiger verlesenen Erklärung heißt es dazu, dass der Angeklagte den Text lediglich übersetzt und auf ein Band gesprochen habe. Ihm sei nicht bekannt gewesen, dass daraus ein Video entstehen soll. Er habe sich aber „geschmeichelt gefühlt“, als er beim Sehen des Films seinen Namen gelesen habe.

Damals sei er auch noch der Meinung gewesen, dass es richtig sei, sich für den IS einzusetzen. „Ich wollte, dass der IS stark wird.“ Heute sei ihm klar, dass das falsch war und er versucht habe, auf diese Art persönliche Probleme zu lösen. Er habe unter Depressionen gelitten. „Die Haft hat mir sehr zugesetzt“, so Gadzhimurad K. „Ich habe mit der salafistischen Szene gebrochen.“ K. sitzt seit Oktober 2015 in Untersuchungshaft.

Billigte Köpfung eines Journalisten

Im zweiten Anklagepunkt wird Gadzhimurad K. ein Interview vorgehalten, das er einem russischsprachigen Online-Magazin gab. Zu Beginn stellte Gadzhimurad K noch fest, nicht die Interessen des IS zu vertreten. In den nächsten Sätzen war er jedoch voll des Lobes für die islamistische Terrorvereinigung. Als ihm Berichte über die Versklavung und Ermordung von Frauen durch den IS vorgehalten wurden, erklärte er, „all das sind, ehrlich gesagt, einfach Dichtungen“.

Und er billigte dann auch die Köpfung des amerikanischen Journalisten James Foley im August 2014 vor laufender Kamera. Ebenso den Tod eines jordanischen Piloten, der im Februar 2015 durch Angehörige des IS in einem Käfig verbrannt wurde. Der Pilot habe „andere Menschen in Brand gesteckt, durch seine Luftangriffe und Luftschläge. Sie haben es ihm auf die gleiche Weise vergolten“, gemäß dem Koran, „Auge um Auge“, so Gadzhimurad K. in dem Interview.

Auch das sehe er heute nicht mehr so, hieß es am Donnerstag in seiner Erklärung vor dem Kammergericht.

Der Strafsenat will nun bis zum nächsten Verhandlungstag am 11. April 2016 prüfen, ob diese Aussage als Geständnis zu werten ist. Die Richter erwarten auch, dass er über seine Kontakte zur Islamistenszene auspackt. Beides könnte Grundlage für eine Absprache über die zu erwartende Strafe sein. Die Generalstaatsanwaltschaft geht bislang von etwa dreieinhalb Jahren Haft aus.