Berlin

[KORR-Bericht] Vorschuss auf die Karriere - Zulauf für Berliner Privat-Unis

Anna-Maria Jäger (28) überweist jeden Monat 447 Euro an die Psychologische Hochschule Berlin (PHB): Studiengebühren. Sie macht an der privaten Universität in Mitte die psychotherapeutische Ausbildung mit integriertem Masterstudium. Wer an der PHB seinen Master in Psychologie macht, muss monatlich 700 Euro bezahlen. Ist die Ausbildung die Gebühr wert? "Ja", sagt Jäger. Weil die Seminargruppen klein seien, die Professoren kompetent und nicht nur Power-Point-Präsentationen und Multiple-Choice-Tests gefordert würden.

Im Wintersemester 2014/2015 waren an den Berliner Hochschulen 171.263 Studenten eingeschrieben, 20.860 davon an privaten Einrichtungen – trotz der hohen Studiengebühren. "Manche Studenten arbeiten während des Studiums, andere nehmen einen Studienkredit auf oder werden von ihren Eltern finanziell unterstützt. Aber so gut wie niemand, der an der PHB studiert, hat reiche Eltern", berichtet Jäger.

Sie selbst lieh sich Geld von der Bank und arbeitet nun an der PHB als wissenschaftliche Mitarbeiterin, als Studienberaterin, als Assistentin der Geschäftsführung, um die Studiengebühren bezahlen zu können. So holt sie sich quasi einen Teil der Kosten wieder zurück: Am Ende ihrer Ausbildung wird sie 25.474 Euro an die Hochschule überwiesen haben.

Die Studiengebühren an der PHB sind im Vergleich mit denen der anderen privaten Hochschulen in Berlin durchschnittlich. Der Bachelor in Kommunikationsdesign an der Berliner Technischen Hochschule kostet zum Beispiel 625 Euro pro Monat, der Bachelor in Journalismus an der Hochschule für Medien 675 Euro und der Master in Psychologie an der International Psychoanalytic University 970 Euro.

Viele Studenten nehmen die Kosten in Kauf, weil sie sich nach ihrem Abschluss bessere Chancen am Arbeitsmarkt versprechen. Formal sind die Abschlüsse von privaten und staatlichen Hochschulen gleichwertig. "Eine generelle Bevorzugung von Privat-Absolventen ist auch nicht festzustellen", sagt Carsten Brönstrup, Sprecher der Vereinigung der Unternehmensverbände in Berlin und Brandenburg. Die Entscheidung hänge aber letztendlich vom jeweiligen Personalchef ab. "Womöglich haben privat studierende Wirtschaftswissenschaftler einen Vorteil, weil die wenigen Hochschulen in diesem Bereich einen guten Ruf genießen", so Brön­strup. Deutschlandweit gibt es derzeit 123 Hochschulen in privater Trägerschaft. Ein Viertel davon hat seinen Standort in Berlin.

"Das hängt nicht nur mit Berlins genereller Stärke im Wissenschaftsbereich zusammen. Die Internationalität, Offenheit und Kreativität der Stadt spielen dabei eine wichtige Rolle", so Thorsten Metter, Sprecher der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft. In den vergangenen 15 Jahren sind 26 der 31 privaten Hochschulen in Berlin gegründet worden. Der Markt boomt – auch wenn Metter damit rechnet, dass die Zahl der Neugründungen langfristig zurückgehen wird.

Die PHB gibt es seit sechs Jahren. Bisher reichten zwei Stockwerke für die derzeit 203 immatrikulierten Studenten aus. Nun sollen eine Cafeteria und ein Hörsaal gebaut werden. Mehr Bauarbeiter als Studenten eilen durch die Gänge, es wird gebohrt, gehämmert, gesägt. Anna-Maria Jäger ist seit 2012 an der Hochschule. Mittlerweile führt sie auch Gespräche mit Studienbewerbern. Die meisten von ihnen seien mit den Gebühren einverstanden – als Preis dafür, nicht einer von vielen zu sein.

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