Flüchtlinge in Berlin

Berlins Landessportbund fordert Turnhallen zurück

Der Senat soll die ersten der 62 mit Flüchtlingen belegten Sportstätten wieder zügig freigegeben werden, fordert Präsident Klaus Böger.

Flüchtlingskinder Hort-Korber-Sportzentrum am Olympiapark im Stadtteil Charlottenburg. Hier ist Platz für 550 Flüchtlinge

Flüchtlingskinder Hort-Korber-Sportzentrum am Olympiapark im Stadtteil Charlottenburg. Hier ist Platz für 550 Flüchtlinge

Foto: Kay Nietfeld / dpa

Berliner Sportvereine- und Verbände wollen nicht länger hinnehmen, dass viele Sporthallen der Stadt weiter als Flüchtlingsunterkünfte genutzt werden. Führende Vertreter des Landessportbundes forderten deshalb am Dienstag, dass die ersten der insgesamt 62 belegten Hallen dem Sport zügig wieder zur Verfügung gestellt werden. Auf einer Pressekonferenz sagte der Präsident des Landesportbundes, Klaus Böger: „Der Senat muss jetzt schnell verbindliche Zeitpläne vorlegen, wann welche Halle freigezogen wird.“

Die politisch Zuständigen müssten endlich ihrer Verantwortung gerecht werden und handeln, sagte Böger. In anderen Bundesländern und Stadtstaaten seien derartige Schritte längst erfolgt. „Wir sind es leid, dass sich der Senat und die Bezirke über Zuständigkeiten streiten und die Verantwortung hin- und herschieben“, sagte Böger.

Leichtathletikverband befürchtet Abwanderung von Leistungssportlern

Unterstützt wurde Böger von den Verbandspräsidenten Thomas Ludewig (Handball), Gerhard Janetzky (Leichtathletik), Jürgen Häner (Hockey), Volleyball-Vize Harald Fröhlich und Kaweeh Niroomand, Sprecher der Berliner Profivereine und BR Volleys-Manager. Niroomand nannte die Haltung des Senats „viel zu passiv“ und „für uns nicht fassbar“. Deshalb „wollen wir jetzt wissen, wie es weiter geht“.

Janetzky verwies auf die Situation der Harbig-Halle, die mit ihrer versenkbaren Rundbahn als Trainingsort für die Vorbereitung der Olympischen Spiele in Rio de Janeiro weggefallen sei und wohl längerfristig nicht zur Verfügung stehe. Es drohe „der Weggang unserer talentierten Nachwuchssportler an andere Orte“.

Daniele Augenstein, Sprecherin des Senats, sagte der Berliner Morgenpost, dass es das Ziel des Senats sei, die Turnhallen nach und nach frei zu ziehen. „Damit soll möglichst im Frühsommer begonnen werden“, sagte sie. Verschiedene Senatsverwaltungen wie die Sozialverwaltung und die Innenverwaltung seien gerade dabei, einen konkreten Plan aufzustellen, nach welchen Kriterien welche Halle wann freigezogen werden könne.

Belegung von Turnhallen sollte nur temporäre Maßnahme sein

„Parallel dazu werden andere Unterbringungsmöglichkeiten bereit gestellt und die Kapaziäten weiter ausgebaucht“, sagte Augenstein. Man brauche Puffer, da nicht abzusehen sei, wie sich die Flüchtlingszahlen entwickeln. In den Bezirken würden jetzt Container für Flüchtlinge errichtet. „Die ersten sollen Ende Mai oder Anfang Juni bezogen werden.“ Auch die Messehalle 26 stehe nun wieder als Notunterkunft zur Verfügung. Außerdem gebe es Gespräche mit Vertretern des Landes Brandenburg. Dort seien die Notunterkünfte nicht ausgelastet.

Insgesamt stehen in Berlin 62 Turnhallen an 51 Standorten dem Sport nicht zur Verfügung, weil sie als Unterbringung für Flüchtlinge genutzt werden. Stadtweit gibt es etwas mehr als 1000 Hallen. Über 100 Vereine sind durch die Hallenbelegung betroffen. Böger sagte dazu: „Wir haben lange dafür Verständnis gezeigt und mitgeholfen, die Hallen als Notunterkünfte herzurichten.“ Es habe sich um eine Notlage gehandelt. Zeitgleich habe man aber auch immer gesagt, dass die Belegung von Turnhallen nur eine temporäre Maßnahme sein könne. „Der Sport braucht die Hallen, um seine gesellschaftspolitischen Aufgaben zu erfüllen. Dazu gehöre auch die Integration von Flüchtlingen, für die sich viele Vereine einsetzen.“

Volksbegehren will verhindern, dass Sporthallen Notunterkünfte werden

Zu dem Vorhaben von Berliner Sportvereinen, ein Volksbegehren einzuleiten, um zu verhindern, dass Turnhallen in der Stadt weiter als Notunterkünfte genutzt werden, sagte Böger, dass diese Forderung richtig sei. Inhaltlich sei man sich einig. Ein Volksbegehren sei aber nicht der richtige Weg,. „Das dauert viel zu lange.“ Die Probleme müssten früher gelöst werden.

Schließlich sei davon auszugehen, dass nach dem Freizug der Hallen umfängliche Sanierungsmaßnahmen notwendig sind. Die Fußböden aber auch die sanitären Anlagen seien nicht für eine Nutzung rund um die Uhr durch viele Menschen ausgelegt. Die Aufnahme der Schäden, die Ausschreibung der Sanierungsaufträge sowie die Durchführung der Sanierungsarbeiten würden mindestens ein halbes Jahr dauern. Gerhard Janetzky sagte dazu: „Wir befürchten, dass wir die Hallen auch in der kommenden Saison noch nicht wieder nutzen können.“

Sportvereine wollen 20.000 Unterschriften sammeln

Böger hofft allerdings, dass die für ein Volksbegehren nötige Unterschriftensammlung beim Senat Druck erzeugt und auch vielen Berlinern das Problem stärker ins Bewusstsein rückt. Verschiedene Berliner Sportvereine haben am Montag mit der Unterschriftensammlung begonnen. Hinter dem Volksbegehren stehen sieben Vereine und drei Verbände, darunter der Handballverein Berliner Füchse. Einer der Verantwortlichen ist der Berliner CDU-Abgeordnete Michael Dietmann.

Für den Antrag zu einem Volksbegehren müssen innerhalb von sechs Monaten mindestens 20 000 gültige Unterschriften gesammelt werden. Für das eigentliche Volksbegehren müssen in vier Monaten wenigstens 174 000 Berliner unterschreiben .