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Wenn Schultage nicht enden wollen

Freizeit ist für Schüler oft ein Fremdwort. Die Neuntklässlerin Nina Schiller erzählt von ihren langen Tagen, die einfach nicht enden wollen.

Foto: privat / BM

Mein Schultag ist lang: Ich besuche die neunte Klasse eines Gymnasiums und habe meistens von acht bis 15.15 Uhr Unterricht. Das bedeutet frühes Aufstehen um sechs Uhr, und normalerweise bin ich erst kurz vor vier Uhr zu Hause. Freizeit bleibt da nur noch wenig.

Nach der Schule muss ich mich erst einmal ausruhen und etwas essen, dann geht es an die Hausaufgaben. Es gibt unterschiedliche Lehrmethoden und Unterrichtsfächer, und während es in den einen nur wenige Hausaufgaben zur Wiederholung und Übung gibt, ist es auch nicht selten, dass man sich zu Hause ein ganz neues Thema selbst erarbeiten soll. Das nimmt nicht gerade wenig Zeit in Anspruch und dazu kommt schließlich noch das Lernen. Ob für Tests, Klassenarbeiten, Vorträge, oder auch nur zur Unterrichtsvorbereitung - da kommt einiges zusammen.

Allerdings bin ich Schnelllernerin, was bedeutet, dass wir den Stoff im Unterricht beschleunigt lernen, um die Zeit dann für sogenannte Enrichment-Kurse zu nutzen (in diesem Jahr zum Beispiel Enrichment 9 – Massenmedien). Ob wir dadurch mehr zu Hause machen müssen, kann ich nicht sagen, weil ich keinen Vergleich zu normalen Klassen habe, aber ich finde die Enrichment-Kurse sinnvoll und interessant.

Neben der Schule habe ich aber auch noch andere Hobbys. Ich spiele Querflöte und gehe dafür einmal in der Woche in die Musikschule.

Außerdem gehe ich Babysitten. Ich mache das sehr gerne und meistens ein- bis zweimal in der Woche für ungefähr zwei Stunden. Mit Kindern zu arbeiten macht mir großen Spaß. Deshalb überlege ich, später einmal Lehrerin zu werden. Und dann wären da noch die Eltern. Verständlich ist es ja: Jeder soll im Haushalt mithelfen, nur die Umsetzung fällt mir und meinem Bruder – ehrlich gesagt – oft noch schwer. So etwas ist leicht vergessen oder wird verdrängt, weil man andere Dinge (wie die Hausaufgaben) in den Vordergrund stellt. Stress pur. Dazu kommt in der neunten Klasse auch noch die Suche nach einem Praktikumsplatz. Dafür werden im Deutschunterricht zwar alle wichtigen Unterlagen vorbereitet, aber dadurch wird es nicht einfacher. Von ungefähr zehn Bewerbungen bekam ich nach zwei Wochen nur zwei Rückmeldungen: eine Absage und eine Einladung zu einem Bewerbungsgespräch. Bei dieser einen Firma habe ich meinen Platz bekommen – und bin sehr zufrieden.

„Das ist das Los eines Arbeitssuchenden“, mögen jetzt einige Erwachsene sagen. Doch besonders nachdem man sich so viel Mühe gegeben hat, freut man sich über jede Rückmeldung. Auch eine Absage ist ja in Ordnung, aber die Ungewissheit ohne jegliche Antwort ist schwer auszuhalten.

Klar ist: Die Schule nimmt die meiste Zeit im Alltag von Kindern und besonders Jugendlichen ein und beherrscht ihn. Wenn man den ganzen Vormittag in der Schule ist und lernt, könnte man ja hoffen, wenigstens abends zu Hause seine Freizeit zu haben, doch dem ist oft nicht so.

Mit dieser Meinung bin ich wahrscheinlich nicht alleine, aber es ist schwer, daran etwas zu ändern. Jeder Lehrer hat seine eigenen Methoden, und auch der Lehrplan ist nicht einfach zu kürzen. So wird es wohl bis zum Abitur bei diesem Tagesablauf bleiben, und die zehnte Klasse mit dem MSA wird wohl nicht einfacher werden – falls er denn nicht bis 2017 an den Gymnasien schon abgeschafft ist.

Nina Schiller, Klasse 9b, Dathe-Gymnasium, Friedrichshain