Prozess

Auftragsmord? Angeklagter kann sich nicht erinnern

Der 52-jährige Ali G. soll einen Killer gedungen haben, weil sich die Schwiegertochter von seinem Sohn getrennt hatte.

Ali G. steht nervös im Flur des Moabiter Kriminalgerichts. Er weiß, dass an den kommenden zwei Verhandlungstagen entschieden wird, wie es in seinem Leben weiter geht. Dem 52-Jährigen wird von der Staatsanwaltschaft eine schwere Straftat vorgeworfen: versuchte Anstiftung zum Mord.

Das Opfer sollte der in Düren (Nordrhein-Westfalen) wohnende Vater von Ali G.s Schwiegertochter Funda G. werden. Am 25. Mai 2015 soll sich Ali G. mit einem Bulgaren in einem Café in Tempelhof getroffen und ihn mit der Tötung beauftragt haben. Im Gegenzug sollte der Bulgare 20.000 Euro erhalten.

Ali G. sei nicht einverstanden gewesen, dass Funda G. nach der Trennung von ihrem Ehemann Fedai G. mit der gemeinsamen Tochter zurück zu ihren Eltern nach Düren gezogen sei, heißt es im Anklagesatz.

Schwiegertochter will nicht als Zeugin aussagen

Ali G. möchte sich vor Gericht nicht daran erinnern. Er sei damals betrunken gewesen, heißt es in einer von seinem Verteidiger vorgetragenen Erklärung. Er gehe davon aus, dass er an jenem 25. Mai mit dem Bulgaren über die Beauftragung eines Privatdetektiv gesprochen habe. Was der Hintergrund dieses Auftrages gewesen sein soll, kann nicht erörtert werden, denn mehr möchte Ali G. nicht sagen. Sein Verteidiger fügt noch hinzu, dass Ali G. psychisch krank und deswegen auch erwerbsunfähig sei.

Die als Zeugin geladene Schwiegertochter Funda G. hat sich geweigert, nach Berlin zu kommen. Sie habe Angst, sagte die 33-Jährige zum Vorsitzenden Richter am Telefon. Und sie habe ja ohnehin ein Zeugnisverweigerungsrecht, weil sie immer noch mit dem Sohn des Angeklagten verheiratet sei.

Liebe war größer als alle Bedenken

Eine Aussage von ihr gibt es dennoch. Der Kammervorsitzende verliest das Protokoll einer polizeilichen Vernehmung. Funda G. berichtete dort, wie sie ihren späteren Ehemann Fedai G. im März 2009 über eine Partnerbörse kennenlernte. Der ein Jahr ältere Mann habe sie danach mehrfach in Düren besucht und auch erzählt, dass er ab und zu Haschisch rauche und keinen richtigen Job habe.

Aber die Liebe der Krankenschwester war dann doch größer als alle Bedenken. Im März 2010 heirateten sie standesamtlich. Im Oktober 2010 folgte die türkische Hochzeit. Im Juni 2011 zog das Paar nach Berlin, weil es Fedai G. nicht gelungen war, in Düren Arbeit zu finden. Im November 2011 wurde ihre Tochter geboren.

Zwischen den Familien kommt es zum Bruch

Funda G.s Vater Asker U. soll den Umzug nach Berlin als groben Vertrauensbruch empfunden haben. Die junge Leute und Ali G. hatten ihm versprochen, dass das Paar in Düren leben werde. Er soll an die Familie G. und vor allem an Ali G. beleidigende SMS geschrieben haben. Das führte zum Bruch zwischen den Familien. Und das ist vermutlich auch der Grund, warum sich Ali G.s Unmut vor allem gegen ihn richtete.

Fedai G., der aktuell als Fahrkartenkontrolleur tätig ist, fand dann zunächst auch in Berlin keine Arbeit. Funda G. sagte bei der Polizei, dass er heimlich ihre Konten geplündert, getrunken und sie immer wieder belogen habe. Aussprachen halfen nichts. Im Mai 2015 teilte sie ihm mit, dass sie sich von ihm trennen und mit der Tochter nach Düren ziehen werde.

Angeblicher Auftragskiller ging zur Polizei

Ali G. muss das als Katastrophe empfunden habe. Die als Zeugin geladene Leiterin eines Pflegedienstes berichtete, dass es ihm nach dem Wegzug der Schwiegertochter und der Enkelin „sehr schlecht gegangen“ sei. Die 47-Jährige hatten guten Kontakt zum Angeklagten, sah ihn regelmäßig. „Er würde niemandem etwas tun“, sagt sie, „er beginnt schon zu weinen, wenn er von einem traurigen Film erzählt.“

Seine Schwiegertochter sah das anders. Ali G. soll gesagt haben, dass er wegen seiner psychischen Erkrankung höchstens eine Strafe von zwei Jahren bekommen könne, gab sie bei der Polizei zu Protokoll.

Und nicht unbedingt günstig für Ali G. ist auch die Aussage des vermeintlichen bulgarischen Killers. Der 40-jährige Mümün A. schildert vor Gericht, wie ihm Ali A. am 25. Mai in dem Café in Tempelhof angesprochen und 20.000 Euro geboten habe. Falls er Asker U. zuhause nicht allein antreffen sollte, hätte er auch alle anderen Personen töten sollen. Ali G. soll ihm ein Foto von Asker U. und auf einen Zettel Asker U.s Adresse geschrieben haben.

Doch Mümün A. war kein Auftragskiller. Er ging am nächsten Tag zu Polizei, erstattete Anzeige und gab den Beamten das Foto von Asker U. und den Zettel mit Ali G.s Handschrift. Der Prozess wird fortgesetzt.