Notquartiere

Berliner Obdachlose müssen wieder draußen schlafen

Ab 1. April gibt es keine Notübernachtungsplätze mehr, denn die Saison endet. Warm sind die Nächte allerdings noch nicht.

Ein Obdachloser in Berlin. Noch sind die Nächte sehr kalt

Ein Obdachloser in Berlin. Noch sind die Nächte sehr kalt

Foto: Paul Zinken / dpa

Diakonie-Chefin Barbara Eschen hat mehr Geld für Berliner Obdachlose gefordert. „Mit 15 Euro pro Schlafplatz ist die Arbeit nicht mehr zu machen“, sagte die Direktorin des Diakonischen Werkes Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz am Donnerstag. Für einen Übernachtungsplatz seien mindestens 25 Euro nötig. Mit dem Geld würden unter anderem die Betreuung, Verpflegung, Beratung und wenn nötig auch eine Entlausung finanziert.

Insgesamt zog Eschen für die Berliner Kältehilfe eine positive Bilanz für die Wintersaison: „Die Plätze waren ausreichend, da der Winter nicht so hart war. Wie es im kommenden Jahr wird, kann ich nicht sagen.“

Noch nie so viele Schlafplätze

In den Einrichtungen der Berliner Kältehilfe gab es noch nie so viele Schlafplätze wie in dieser Saison. Im Schnitt standen 760 Plätze pro Nacht bereit – 226 mehr als im Vorjahr. Von November bis März boten 35 Projekte in der Stadt Notschlafplätze an, davon 22 mit Notübernachtungen und 13 mit Nachtcafés, die hauptsächlich von Obdachlosen und nur eher selten von Flüchtlingen genutzt wurden. Ein Verdrängungswettbewerb blieb nach Angaben der Organisatoren der Kältehilfe aus.

Insgesamt 105.000 Übernachtungen wurden gezählt, rund 25 Prozent mehr als im Vorjahr. Obwohl in diesem Winter ausreichend Plätze vorhanden waren, und die Temperaturen recht mild, erfror in der Nacht zum 16. Januar 2016 an der Ecke Joachimsthaler Straße und Kurfürstendamm der kiezbekannte Wohnungslose Thomas W.

Ein Fall, der die Grenzen der Kältehilfe zeige, sagt Ortrud Wohlwend, Sprecherin der Berliner Stadtmission. „Einige hatten ihm in den Wochen zuvor Hilfe angeboten, aber er wollte oder konnte sie nicht annehmen.“ Schätzungen zufolge leben in Berlin rund 5000 Menschen auf der Straße.

Saison geht vom 1. November bis 31. März

Die Berliner Kältehilfe ist ein System, in dem die Träger der Wohnungslosenhilfe und Kirchengemeinden, Vereine und ehrenamtliche Initiativen konfessions- und verbandsübergreifend zusammenarbeiten. Finanziert werden die Notübernachtungsplätze immer vom 1. November bis zum 31. März des Folgejahres von der Gesundheits- und Sozialverwaltung.

Ab dem 1. April gibt es keine Notübernachtungsplätze mehr. Dann müssen die Wohnungslosen wieder draußen übernachten. Warm sind die Nächte dann allerdings noch nicht.