Zwölf Stunden

Das Berliner Technikmuseum ist nicht nur für Freaks

Zehntausende Exponate aus den Bereichen Verkehr, Technik und Neue Medien: Im Berliner Technikmuseum könnte man sich tagelang aufhalten.

Nele Sobtzick vom Veranstaltungs-Management führt Interessenten über die Terrasse mit dem Rosinenbomber

Nele Sobtzick vom Veranstaltungs-Management führt Interessenten über die Terrasse mit dem Rosinenbomber

Foto: Massimo Rodari

5:50 Uhr Blickfänger des Technikmuseums ist der Rosinenbomber, der über der Terrasse des 4. Stockwerkes des Neubaus am Tempelhofer Ufer schwebt. „Den kennt ja fast jeder“, meint Karl-Heinz Fliegert, Abteilungsleiter des Wachdienstes. Er sitzt am Haupteingang im Backsteingebäude der ehemaligen Markt- und Kühlhallengesellschaft aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts. Mit 19 Mitarbeitern und einem Hund, bewacht er das rund 13 Hektar große Gelände mit mehr als 26.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche. „Vandalismus ist leider immer noch ein Thema“, bedauert er.

6:40 Uhr Hausmeister Frank Schönke prüft die Anzeiger der Heizung im Erdgeschoss des Neubaus. Dutzende Rohre verteilen die Fernwärme von Vattenfall auf die 26.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche der einzelnen Gebäude. Die neuen Bauten an der Ladestraße besitzen sogar Fußbodenheizung. Der 52-Jährige ist seit 1993 im Haus. Höhepunkt war die Bergung eines II.-Weltkrieg-Kampfflugzeugs „aus einem Fjord in Norwegen, ein Erlebnis“.

7:30 Uhr Seit mehr als 15 Jahren ist Wilma Stegmann die „gute Seele“ des Technikmuseums. In der Zentrale nimmt sie ab halb acht alle Anrufe von außerhalb entgegen, gibt Auskunft über Führungen, Öffnungszeiten, macht den Postein- und –ausgang. Wenn einer der rund 130 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter krank ist, meldet er sich zuerst bei ihr. Die Zentrale ist bis 17 Uhr im Zwei-Schicht-Betrieb besetzt. „Manchmal sind wir auch der Kummerkasten“, erzählt Wilma Stegmann.

8:50 Uhr In der Abteilung Bildung beginnt Volontärin Anika Kreft ihre Arbeit. Schwerpunkt ist die Entwicklung einer neuen App, mit der Smartphonebesitzer die Ausstellungen eigenständig erkunden können. Außerdem bereitet die 33-Jährige aus Schöneberg gerade die Fotoausstellung „Der Mensch bei der Arbeit – Fotografien von Boris Ignatowitsch und Akadij Schaichet“ vor. „Die Ausstellung geht bis 26. Juni und zeigt ausgewählte Beispiele der Begründer der sowjetischen Fotoreportage“, erklärt die Kunsthistorikerin.

9:50 Uhr Andreas Curtius gehört zu den Urgesteinen im Haus, schon ein Jahr vor der Eröffnung 1983 war er mit der Planung der Bibliothek beauftragt. Mittlerweile ist er Leiter der im Neubau eingerichteten modernen Bibliothek mit rund 600.000 Bänden und Büchern zu technischen Themen. Vom Lesesaal hat man einen spektakulären Blick über den Landwehrkanal und das ehemalige Betriebsgelände der Anhalter Bahn. „Früher kamen mehr Schüler, aber die sind heute alle bei Wikipedia“, bedauert Curtius. Übrigens, die Benutzung der Bibliothek ist kostenlos.

10:15 Uhr „Macht acht Euro, viel Spaß“, wünscht Kassiererin Angelika Wenk dem älteren Herrn, der gleich noch erfragt, wo sich der erste Computer von Konrad Zuse befindet. Im vergangenen Jahr kamen 622.000 Besucher ins Technikmuseum. Seit fast 30 Jahren arbeitet die 56-Jährige als Kassiererin und Besucherbetreuerin, auch am Sonnabend, am Sonntag und an Feiertagen. „Mich fasziniert das internationale Publikum“, sagt sie.

11:45 Uhr Nele Sobtzick vom Veranstaltungs-Management führt Interessenten auf den spektakulärsten Platz des Technikmuseums: die Terrasse über dem Landwehrkanal, an der ein originaler „Rosinenbomber“, eine Douglas C 47 in der Luft zu schweben scheint. „Wir haben viele Firmenveranstaltungen, aber auch Kongresse, denn wir können Säle für bis zu 500 Personen und Essen für genau so viele Menschen bereitstellen“, erklärt die Veranstaltungs-Managerin. Unterstützt werden sie vom Bio-Caterer Einhorn im Haus.

12:50 Uhr Im Bistro „Tor 25“ in den neuen Gebäuden der Ladestraße herrscht Hochbetrieb. Beata Humpert gibt Bio-Kürbissuppe aus, Neuland-Wiener und Kartoffelsalat, Sandwichs und Panini, und jede Menge Muffins und Kuchen. Direkt nebenan können Schulklassen ihren eigenen Proviant vespern.

13:30 Uhr Svenja Glaube, Leiterin des Besucherservice, erklärt Besucherbetreuerin Marina Beveri im Lokschuppen die Besonderheiten der Rangierlok der Königlich Württembergischen Eisenbahn, Baujahr 1899. „Hier sind viele Schulklassen unterwegs, da müssen wir darauf achten, dass nicht zu viel angefasst wird“, erklärt die Abteilungsleiterin. „Das geschieht heute serviceorientiert und kinderfreundlich“, ergänzt Marina Beveri. Damit es nicht langweilig wird, ist sie an 45 verschiedenen Positionen im Museum eingesetzt.

14:15 Uhr Sollte es dennoch Probleme geben, wird Benny Golm am Infostand aktiv. „Gerade bei Schulklassen bleibt das leider nicht aus“, muss er immer wieder feststellen. Dann lösen Besucherservice, Wachschutz, Lehrer und Schüler gemeinsam das Problem. Natürlich ist es schwierig, bei so vielen coolen Exponaten das „Nicht-Berühren-Gebot“ zu befolgen, aber anders geht es nun mal nicht. Auch wenn ein Exponat defekt ist, eine Vitrine nicht beleuchtet oder eine Information übers Internet gesucht wird, ist Golm der Ansprechpartner.

15:50 Uhr Kurator Bernd Lüke betreut seit der Erweiterung der 6400 Quadratmeterfläche in der Ladestraße die Ausstellung „Das Netz“. Interaktiv präsentiert sich der Bereich Kommunikation und Neue Medien auf dem neuesten musealen Stand. „Wir zeigen Technik aus den letzten 150 Jahren, mit Schwerpunkt 1980 bis heute. In der hinteren Abteilung geht es um ‚Smart Home’, Nachrichten und Spiele“, erklärt der 43-Jährige. Sein Lieblings-Ausstellungsstück ist das Experiment „Kleine Welt Phänomen“. Dabei sollte mit unbekannten Menschen über maximal fünf Versuche ein persönlicher Kontakt hergestellt werden.

16:20 Uhr Josef Hoppe ist Stellvertretender Direktor des Deutschen Technikmuseums und Leiter der Abteilung Nachrichtentechnik. Seit zwei Jahren arbeitet er mit seinem Team an einer neuen, noch besucherfreundlicheren Struktur des Museums. Dazu gehören die im vergangenen Jahr eröffneten neuen festen Ausstellungen „Das Netz“ und „Alles Zucker“. „Da sind wir im Augenblick in der Feinjustierung“, erklärt der Historiker, der seit 31 Jahren im Hause ist. Eines seiner Steckenpferde ist die Schreib- und Drucktechnik. Neben einem Nachbau der Gutenberg-Druckapparatur gibt es eine wunderschöne schottische Columbia Handpresse aus dem Jahr 1835.

17:45 Uhr Wenn die letzten Besucher das Haus verlassen haben, werden die einzelnen Alarmanlagen in den verschiedenen Bereichen scharfgestellt. Bei Veranstaltungen beginnen nun die Vorbereitungen.

Deutsches Technikmuseum, Trebbiner Straße 9, Kreuzberg, Tel. (030 90 254-0, Di.-Fr. 9-17.30 Uhr, Sbd./So. 10-18 Uhr