Humorforscher

Was einen gelungenen Aprilscherz ausmacht

Vorsicht, Aprilscherz! An diesem Freitag, 1. April, werden wieder eine Menge Witzbolde unterwegs sein. Ein Humorforscher gibt Tipps.

Berlin.  Bei Aprilscherzen zeigt sich Deutschland eher humorlos. In einer repräsentativen Studie des Meinungsforschungsinstituts YouGov, deren Ergebnisse am Donnerstag veröffentlicht wurden, sagten mehr als zwei Drittel der Befragten (70 Prozent), dass sie in diesem Jahr keinen Aprilscherz planen. Nur 15 Prozent wollen demnach jemanden in den April schicken. Der Rest antwortete mit „Weiß nicht“ oder machte keine Angaben. Hingegen sagten 60 Prozent der Befragten, dass sie selbst schon einmal auf einen Aprilscherz hereingefallen seien.

An der Online-Umfrage zwischen 15. und 18. März 2016 nahmen 1310 Personen teil. Die Ergebnisse wurden gewichtet und sind YouGov zufolge repräsentativ für die deutsche Bevölkerung ab 18 Jahren.

Ein guter Aprilscherz erfordert nicht nur Fantasie

Aprilscherze sind aus Sicht des Tuttlinger Humorforschers Michael Titze wesentlich von Schadenfreude geprägt. Vor allem gehe es darum, jemanden in seiner Naivität vorzuführen, sagt der Psychoanalytiker. Ein guter Aprilscherz aber erfordere Fantasie, Fingerspitzengefühl und ein authentisches „Pokerface“, so der 68-Jährige, der zu den Pionieren des Therapeutischen Humors in Deutschland gerechnet wird.

Ein gelungener Aprilscherz müsse verblüffen, die Lügengeschichte plausibel erscheinen, sonst werde derjenige, der hereingelegt werden soll, misstrauisch. In früheren Zeiten sei der klassische Aprilscherz viel stärker in der Gesellschaft verwurzelt gewesen, vor allem in den Betrieben. Inzwischen aber gerieten diese Scherze zunehmend ins Hintertreffen, sagte Titze.

Das ganze Jahr über Bedürfnis nach Schadenfreude gedeckt

Grund dafür seien unter anderem die Medien, die mit Comedyshows das ganze Jahr über „das Bedürfnis nach schadenfreudigen Abwärtsvergleichen“ bedienten. Damit gehe eigene Fantasie und Kreativität zunehmend verloren. Hinzu komme, dass es vor allem für Radiosender mittlerweile zum guten Ton gehöre, selbst einen Aprilscherz aufzulegen.

„Indem wir andere zum Narren halten, tun wir etwas fürs Selbstwertgefühl“, erläuterte der Wissenschaftler. So entstehe ein psychologisches Abwärtsgefälle, das den Hereinlegenden klüger und kompetenter erscheinen lasse.