Prozess

Chef einer Drogenbande legt Geständnis ab

Hauptangeklagter erzählt vor Gericht die Geschichte, wie er angeblich zum Drogenhandel verführt wurde. Er ist einschlägig vorbestraft

Angelo M. aus Neapel weiß vor Gericht eine traurige Geschichte zu erzählen: die vom kleinen Italiener, der seine Arbeit verlor und so in den Drogensumpf rutschte. Der 44-Jährige gilt als Drahtzieher einer Drogenbande. Ihm und zwei Mitangeklagten werden vor einer Moabiter Strafkammer bandenmäßiger Drogenhandel in insgesamt 15 Fällen vorgeworfen. Sie seien „arbeitsteilig und organisiert“ vorgegangen, heißt es im Anklagesatz.

Angelo M. lebt schon seit mehreren Jahren in Berlin. Er sei in Charlottenburg in einem Restaurant als Kellner tätig gewesen, lässt er vor Gericht von einer Dolmetscherin übersetzen. Ein gutes Leben, er habe keine Miete zahlen müssen und in dem Restaurant gratis essen dürfen. Das habe sich Anfang 2015 jedoch geändert, als das Restaurant vom Inhaber geschlossen wurde. Einige Zeit habe er noch vom Ersparten leben können, nach einigen Wochen seien jedoch Schulden aufgelaufen. Vor allem bei einem Dealer namens Ali Akim, bei dem Angelo M. schon seit langem Marihuana bezog. „Ich habe es regelmäßig geraucht.“

Jener Ali Akim soll Angelo M. dann auch überredet haben, Ende Mai 2015 innerhalb von Berlin den Transport und die Übergabe eines halben Kilogramms Marihuana zu übernehmen. Für den polizeibekannten Ali Akim, sagt Angelo M. vor Gericht, sei die Sache zu brenzlig gewesen. So habe er sich schließlich überreden lassen; nicht zuletzt wegen der Aussicht, dass ein Großteil seiner Schulden erlassen werde.

Die Polizei wusste von dem geplanten Deal. Angelo M. wurde am Übergabeort festgenommen. „Ich habe dem Untersuchungsrichter von der geplanten Hochzeit meiner Tochter erzählt, und dass ich ihr versprochen habe, sie zum Altar zu führen“. Der Haftbefehl wurde dann auch wirklich ausgesetzt.

Anschließend, so Angelo M., habe ihn Ali Akim unter Druck gesetzt und das Geld für die Drogen gefordert. Er selber bekäme auch Drohungen von den Lieferanten. In dieser Not, so Angelo M., habe er selber mit dem Marihuana-Handel begonnen. Um an Geld zu kommen. Die beiden Mitangeklagten hätten ihn zum Teil unterstützt. Der eine half der Anklage zufolge beim Verkauf der Drogen. Der andere soll seine Wohnung als „Bunker“ zur Verfügung gestellt haben. Sie seien „eigentlich anständige Menschen“, sagt Angelo M.

Ob das Gericht ihm diese Geschichte abnimmt, bleibt abzuwarten. Angelo M. hat mehrere, darunter einschlägige Vorstrafen. Der Prozess wird am 13. April fortgesetzt. Dann werden auch die Mitangeklagten zu den Vorwürfen Stellung nehmen. Im Gegensatz zu Angelo M. sind beide nicht in Untersuchungshaft.