Sanierung

Wunderblutkirche muss saniert werden

Die evangelische Kirchengemeinde hofft auf Geld für die dringend notwendigen Sanierungsarbeiten am einstigen Wallfahrtsort

Bad Wilsnack. Im Sommer 1383 wurde Wilsnack zum Schauplatz wundersamer Ereignisse, die das Dorf aus seiner Abgeschiedenheit reißen sollte.

Die Legende geht so: Während die Wilsnacker das Havelberger Kirchweihfest begangen, steckte der Ritter Heinrich von Bülow den verlassenen Ort samt seiner Kirche in Brand. Einige Tage später fand der damalige Wilsnacker Pfarrer Cabbuez beim Aufräumen der Kirchentrümmer drei vom Feuer unversehrte Hostien, die zudem Blutflecken aufwiesen. „In den folgenden Tagen ereigneten sich weitere Wunder“, sagt Pfarrer Daniel Feldmann. So gingen zum Beispiel die Kerzen, die bei den Messen die Präsenz Gottes verdeutlichen, weder aus noch brannten sie weiter ab.

Das Prignitzer Dorf wurde für 170 Jahre zu einem der wichtigsten Wallfahrtsziele Mitteleuropas – und mit den Pilgern kam der Wohlstand. Wilsnack entwickelte sich zu einer reichen Wallfahrtsstadt mit einem Wirtschaftleben, dass komplett auf den Pilgerverkehr ausgerichtet war.

Heute ist von der blühenden Wallfahrtszeit nicht mehr viel zu spüren: Das Dach der „Wunderblutkirche“ St. Nikolai ist marode und auch im Inneren ist es an manchen Ecken fünf vor zwölf: Nun hofft die Kirche in Nordbrandenburg auf finanzielle Hilfe durch den Bund. Im kommenden Jahr sollen die Arbeiten beginnen.

„Es liegt ein Gesamtsanierungskonzept für die Kirche und die Umgebung vor“, berichtet der Vorsitzende des Gemeindekirchenrates, Christian Richter. Die Hallenkirche soll als spiritueller Ort hergerichtet werden. Zudem seien ein Museumsanbau, ein Pilgercafé und Andachtsräume vorgesehen. „Wir rechnen mit einer Summe von 4,7 bis 4,8 Millionen Euro“, sagt Richter. Die Gemeinde müsse mit Hilfe von Stiftern und Spendern einen Eigenanteil von rund 200.000 Euro pro Jahr aufbringen.

Ein erster Schritt ist inzwischen getan, um auch wirklich an Bundesmittel zu kommen: Die Wallfahrtskirche ist als national bedeutendes Kulturdenkmal anerkannt worden. Damit könne es im Denkmalpflegeprogramm gefördert werden, sagt eine Sprecherin der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Monika Grütters CDU). Voraussichtlich noch im Frühjahr werde über die Höhe der Förderung entschieden. Grundlage für die Höhe der Summe seien die zur Verfügung stehenden Haushaltsmittel sowie die Liste der zu fördernden Objekte, so die Sprecherin. Aus dem Programm sind in Brandenburg seit dem Mauerfall bereits zahlreiche Objekte unterstützt worden, darunter die Rennbahn in Hoppegarten.

„Die Baumaßnahmen in Bad Wilsnack sind relativ umfangreich“, sagt die Referatsleiterin Ruth Klawun vom Landesamt für Denkmalpflege und dem Archäologischen Landesmuseum. Das Dachtragwerk müsse repariert werden, sonst entstehen langfristig größere Schäden. „Auch die Glasfenster müssen restauriert werden“, sagt sie.

Auch die Pilger wird’s freuen: Seit einigen Jahren bewältigen Pilger nämlich wieder die 130 Kilometer von Berlin bis nach Bad Wilsnack.