Verwaltung

Neue Software in Bürgerämtern ist „ziemliches Elend“

Die Ämter meckern unisono. Denn zwei Monate nach Einführung des neuen IT-Systems sind die Probleme noch immer nicht behoben.

Schon länger gehören Schlangen vor den Bürgerämtern zur Normalität

Schon länger gehören Schlangen vor den Bürgerämtern zur Normalität

Foto: Gregor Fischer / dpa

Der Comic „Bürgeramt Guide“, jüngst von der Illustratorin Sophia Halamoda veröffentlicht, ist eine humorvolle Anleitung, wie Berliner das Chaos in ihren Bürgerämtern am besten ertragen können. Was fehlt, ist eine Anleitung für die Mitarbeiter. Denn auch diese sind mit ihrer Geduld am Ende, seit zwei Monaten schlagen sie sich mit einer neuen Software namens „VOIS“ herum, die ihre Arbeit offenbar mehr behindert als erleichtert.

„Es ist alles ein ziemliches Elend, eine Belastung“, sagt der Lichtenberger Stadtrat Andreas Prüfer (Linke). Von Anfang an habe es Ausfälle gegeben. So hätten Formulare gefehlt, die Verbindung zum elektronischen Bezahlsystem falle aus, auch würden sich die Rechner regelmäßig aufhängen. Der komplette Neustart kann dann schon mal eine halbe Stunde dauern.

„Hat man ein Problem gelöst, kommt gleich ein anderes hinzu“, so Prüfer, der in seinen vier Bürgerämtern außerdem mit einer extrem hohen Krankenquote konfrontiert ist. So waren von den 40 Mitarbeitern in den Bürgerämtern zeitweise nur 15 im Dienst. In der Folge musste der Bezirk die Ämter im Tierpark-Center und in der Große-Leege-Straße schließen. Sie öffnen erst wieder ab Freitag.

Vielzahl an Treibern ist eine Überforderung

Auch in Tempelhof-Schöneberg ist man mit der neuen Software, die eigentlich die Vorgänge des Ab-, An- oder Ummeldens einer Wohnung sowie das Beantragen von Personalausweisen und Reisepässen beschleunigen soll, nicht glücklich. Es gebe Probleme mit Hardware-Geräten wie Fingerabdruckleser und Drucker, die Software sei mit der Vielzahl an nötigen Treibern überfordert, sagt Stadtrat Oliver Schworck (SPD).

Die Senatsinnenverwaltung räumt ein, dass es seit der Umstellung Probleme gibt, führt dies aber nicht auf die Software, sondern auf die unterschiedliche IT-Infrastruktur der Bezirke zurück. Aus diesem Grund habe es mit den Mitarbeitern des zuständigen Landesamtes für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten (LABO) in einzelnen Bürgerämtern zuletzt Termine vor Ort gegeben. „Die dabei gewonnenen Erkenntnisse bei der Fehleranalyse sowie daraus abgeleitete konkrete Lösungsansätze werden sukzessive abgearbeitet“, sagt ein Sprecher der Innenverwaltung.

In Spandaus Bürgerämtern sieht man zwar noch „Nachentwicklungsbedarf“, wie eine Fachbereichsleiterin erklärt, „die Kollegen sind stark beansprucht“. Man sei aber „guter Dinge“, dass sich die Softwareprobleme in den nächsten Tagen lösen lassen.