Beim Deutschlernen hilft den Kindern auch das Singen

Aussiedler unterstützen Flüchtlinge an Schule in Bad Saarow

„Leise zieht durch mein Gemüt“, schallt es noch etwas schwankend aus fünf Kinderkehlen. Damit Heinrich Heines Frühlingsbotschaft nicht ganz in Unsicherheit untergeht, hält Valentina Ravva die Melodie mit Gitarrentönen. Als das deutsche Volkslied verklingt, setzt der 13-jährige Awdi begeistert noch einmal nach. „Du hast den Ton genau getroffen“, lobt die Musiklehrerin den syrischen Jungen, der vor Freude rote Ohren bekommt.

Einmal wöchentlich ist die aus dem Kaukasus stammende 60-Jährige mit ihrer Gitarre in der Grund- und Oberschule Maxim Gorki in Bad Saarow zu Gast. Ehrenamtlich gestaltet sie einen besonderen Musikunterricht mit Flüchtlingskindern. „Als ich vor 15 Jahren mit meiner Familie nach Deutschland kam, merkte ich schnell: Ohne Deutsch kommst du nicht zurecht“, erinnert sich Ravva. Sie sei zwar deutschstämmig, doch gesprochen wurde die Sprache damals in Russland nicht. „Das war verboten.“ Im Fürstenwalder Dom bekam die studierte Musiklehrerin Orgelunterricht und den Zugang zu deutschem Liedgut. „Ich habe die Sprache auch aus den Liedern gelernt. Ich wollte einfach wissen, was die Worte bedeuten“, erinnert sich die Aussiedlerin.

Die vielen Lieder bleiben einfach im Kopf

Beim Deutschlernen hilft das Singen auch den Flüchtlingskindern. „Lieder bleiben im Kopf“, sagt die vierfache Großmutter. Wie zur Bestätigung beginnt die elfjährige Siemmer aus Syrien ein paar Verse aufzusagen. Ravva nickt freundlich, und auch Lehrerin Pamela Elfring freut sich: „Das Singen ist für die Schüler eine willkommene Abwechslung zum ständigen Deutsch-Büffeln.“ Mit Gesang ließen sich die Wörter einfacher aussprechen, so die Erfahrungen der Pädagogin.

46 Flüchtlingskinder im Alter zwischen sechs und 18 Jahren besuchen derzeit die Maxim-Gorki-Schule. „Das sind etwa zehn Prozent unserer Schüler“, sagt Schulleiter Jens-Folke Andres. Laut Gesetz sollen die fremdsprachigen Neuankömmlinge – an der Gorki-Schule vor allem Syrer, Afghanen, Tschetschenen und Albaner – zunächst in sogenannten Willkommensklassen Deutsch als Zweitsprache lernen, bevor sie in die regulären Schulklassen integriert werden. „Bei den älteren Flüchtlingsschülern klappt das gut. Bei den jüngeren gab es Zoff mit einigen unser deutschen Grundschüler“, erinnert sich Andres. Deswegen sei die Schule dazu übergegangen, die jüngeren Flüchtlingskinder gleich auf die „normalen“ Klassen aufzuteilen. Inzwischen gebe es allerdings noch eine dritte Gruppe mit jungen Flüchtlingen, die erst wenige Monate in Deutschland sind – also mit dem Deutsch-Lernen noch ganz am Anfang stehen. Gerade diesen hilft das gemeinsame Musizieren.

Der Sängerkreis Oder-Spree hat der Schule den Musikunterricht angeboten. „Wir wollen die Aussiedler, die noch nach Jahren kaum integriert sind, etwas aus der Isolation holen“, erklärt Sängerkreis-Chef Henry Klaus das Engagement von Ravva. Diese genießt die Arbeit mit den jungen Flüchtlingen sichtlich. „Setzt euch gerade hin. Dann bekommt ihr besser Luft fürs Singen“, mahnt die 60-Jährige, bevor sie wieder in die Gitarrensaiten greift.