Humboldt-Forum

Zu Besuch in Berlins Beton-Schloss

Bis Anfang Juni werden sonntags wieder Führungen durch den Rohbau des Humboldt-Forums angeboten. Und das gibt es zu sehen.

Ein Besucher mit Warnweste und Bauhelm auf die Baustelle des Stadtschlosses

Ein Besucher mit Warnweste und Bauhelm auf die Baustelle des Stadtschlosses

Foto: Gregor Fischer / dpa

Wenn etwas entsteht und langsam wächst, ist es besonders spannend. Erst recht, wenn es sich um den Neubau des Stadtschlosses handelt. Berliner und Touristen können dieses Wachstum bei Rundgängen nun wieder verfolgen. Die Führungen durch den Rohbau werden allerdings nur bis zum 5. Juni, immer sonntags, angeboten. Die Besucher durchlaufen große, leere Hallen aus grauem Beton. Vereinzelt leuchten orangefarbene Stromkästen auf. Einige Schmuckelemente aus Sandstein sind schon zu sehen. Wer den Rundgang mitmacht, muss zuvor Sicherheitsschuhe, Helm und Warnweste anziehen. Das hat gute Gründe. Große Pfützen sind zu durchwaten und staubige Treppen zu ersteigen. Der Guide weist auf Stufen zwischen den Räumen hin. Für einige muss man einen großen Schritt machen, andere sind nur wenige Zentimeter hoch. Übersehen sollte man sie nicht.

Seit 221 Tagen ist kein Unfall mehr auf der Baustelle passiert

Auf Holzbretter am Boden dürfe man nicht treten, warnt der Guide. „Wenn die durchbrechen, fallen Sie sehr, sehr tief.“ Die Baustelle ist seit 221 Tagen unfallfrei. So steht es am Eingang.

An einigen Außenwänden ist der Aufbau zu sehen. „Erst Stahlbeton, darüber eine Dämmschicht aus Steinwolle, dann eine Ziegelsteinfassade“, so die Erklärung. 111 bis 113 Zentimeter dick sei die Wand, im alten Schloss lag sie bei rund 130 Zentimetern. Im Erdgeschoss ist schon die große Passage erkennbar, die den Durchgang von der Breiten Straße zur Museumsinsel erlauben wird. Sie soll Tag und Nacht geöffnet bleiben.

Die höheren Etagen und die meisten Räume im Erdgeschoss sind für die Besucher gesperrt. Der Rundgang führt derzeit hauptsächlich durch das erste Stockwerk. Auch zu den zwei Kuben, die für das Ethnologische Museum aus Dahlem geplant sind. In den hohen Sälen ist Platz für Südseeboote und die Häuser Ozeaniens. Sie gelangen durch große Wandöffnungen, die später geschlossen werden, in den Neubau. „Man kann dafür weder die Treppen noch die Fahrstühle nutzen.“ Die Kuben seien Ausnahmen, erklärt der Guide. „Prinzipiell hat man die Raumhöhen aus dem Stadtschloss übernommen.“

Rollos zwischen der inneren und der äußeren Scheibe schützen die Exponate

Die Räume für das künftige Humboldt-Lab werden gezeigt, in denen die Universität Methoden und Forschungsergebnisse präsentieren wird, und das künftige Lapidarium, in dem Skulpturen vom Stadtschloss stehen sollen. In einigen Räumen sind bereits Fenster eingebaut. Rollos zwischen innerer und äußerer Scheibe sollen die Exponate vor Lichteinstrahlung schützen.

Die Innenarchitektur ist funktional. Barocke Einrichtungen sind zunächst nicht vorgesehen. „Es wird also im Stadtschloss kein Treppenhaus und keinen Saal geben, der im Originalzustand hergerichtet wird“, sagt ein Besucher aus Süddeutschland enttäuscht. Dennoch gibt es Beifall am Ende der Tour.

Das Humboldt-Forum soll 2019 eröffnen. Die Kosten liegen bei knapp 600 Millionen Euro. Bauherrin ist die Stiftung Berliner Schloss-Humbodtforum.

Info zu den Führungen unter www.sbs-humboldtforum.de/