Neue Verbindungen

Der Wunsch-Fahrplan der Berliner für die U- und S-Bahn

Im Internet kann man neue Verbindungen angeben. Knapp 2000 Berliner haben schon Vorschläge gemacht – eine Auswahl.

In der Politik wird wieder verstärkt über Neubau oder Verlängerung von Linien im Öffentlichen Nahverkehr diskutiert. Verkehrssenator Andreas Geisel (SPD) etwa will die wachsende Stadt mit einem Ausbau des Tramnetzes meistern. Die CDU setzt sich für eine Verlängerung der U8 ins Märkische Viertel ein, die Neuköllner SPD träumt von einer U7 zum BER. Doch auch die Berliner Bevölkerung macht sich Gedanken. Seit Herbst 2014 gibt es das Portal "Linie Plus Berlin" (berlin.linieplus.de). Dort können Nutzer Vorschläge für neue Linien machen, knapp 2000 sind es bereits. Nicht alle sind realisierbar, aber die Vorschläge sind interessant. Eine Auswahl.

S-Bahnaußenring So etwas gab es in der DDR schon mal. Damals wurde der Außenring als Möglichkeit zur Umfahrung West-Berlins gebaut. Der neue Außenring soll die Berliner Außenbezirke besser anbinden. Knapp 90 Minuten sollen Züge für eine Umrundung brauchen. Fast jede Station wäre wie der jetzige Ring an U- oder S-Bahnstationen angebunden. Der Grünen-Abgeordnete Stefan Gelbhaar fordert, dass die Variante ernsthaft geprüft werden müsse, sollte Berlin weiter so stark wachsen.

Ost-West-Bahn Von Plänterwald führt die sogenannte Ost-West-Bahn über das Treptower Kreuz durch Kreuzberg hindurch – unterirdisch mit Umsteigemöglichkeiten an den U-Bahnhöfen. Am Anhalter Bahnhof oder Potsdamer Platz kreuzt sich die Linie mit der S-Bahn. So wäre der Südosten erstmals direkt mit dem Südwesten verbunden. S-Bahnchef Peter Buchner sieht den Vorteil, dass die Strecke große Flächen im Berliner Zentrum erschließt, die nicht optimal angebunden sind. Allerdings sei der Vorschlag nur sehr langfristig umsetzbar.

Verbindungen nach Tegel Seit jeher ist der Flughafen Tegel nur mit Bussen erreichbar. Und für die verkehrliche Erschließung des Areals nach der Schließung des Airports gibt es noch kein Konzept. Bei "Linie Plus" existieren mehrere Vorschläge für eine Anbindung über die Schiene. Einer davon sieht vor, die U5 ab Hauptbahnhof zu verlängern. Inklusive Umsteigemöglichkeit am Bahnhof Jungfernheide. Experten sehen diese Strecke aus Kostengründen aber eher als Tramlinie. Eine gänzlich andere Variante kam bereits 2012 auf: eine Seilbahn zwischen Bahnhof Jungfernheide und Airport. Sie soll eine Alternative zum überfüllten TXL sein, der regelmäßig im Stau steht. Ernsthaft verfolgt wurde die Idee nie. Rechtlich sind Seilbahnen übrigens machbar – 2003 wurde das Landesseilbahngesetz auf den Weg gebracht. Berlins erste Seilbahn entsteht derzeit aber nicht in Tegel, sondern im Rahmen der Internationalen Gartenausstellung in Marzahn. Die ersten Pfeiler stehen seit dieser Woche.

Verlängerung U3 Es ist eine Lücke im Netz, die ins Auge sticht: die fehlende Verbindung zwischen U3 und S1. Mehrmals wurde eine Verlängerung der U3 ab der Endstation Krumme Lanke bis zum Bahnhof Mexikoplatz bereits diskutiert. Laut Verkehrsverwaltung des Senats soll die Trasse auch frei gehalten werden. Derzeit würde das Verkehrsbedürfnis in dieser Gegend die hohen Kosten einer Verlängerung aber nicht rechtfertigen.

Verlängerung U4 Auch eine Verlängerung der U4 bis zum Bahnhof Friedenau würde eine attraktive Umsteigemöglichkeit zur S1 schaffen. Doch auch diese Idee hat einen schweren Stand. Bis zum Bau der Stadtautobahn A100, die unter dem Innsbrucker Platz hindurchführt, gab es südlich des Bahnhofs einen Verbindungstunnels, der zu einer Betriebswerkstatt führte. Nach dem Bau der Autobahn wurde diese stillgelegt, und auch wenn noch Reste des Tunnels vorhanden sind, hält der Fahrgastverband Igeb eine Verlängerung bis Friedenau wegen der A100 für "unmöglich".

Tram M1 nach Wittenau Das Märkische Viertel soll besser an Pankow angeschlossen werden. Ein Vorschlag bei "Linie Plus": die in Rosenthal Nord endende Tram M1 bis zum Bahnhof Wittenau verlängern. Die 2,5 Kilometer lange Strecke würde einmal quer durch das Märkische Viertel führen. Auf den ersten Blick wünschenswert und sinnvoll, sagt die BVG, es würde aber nur für diejenigen Fahrgäste einen Vorteil bringen, die vom Märkischen Viertel nach Pankow wollen. Die Mehrheit hätte als Ziel aber die Innenstadt.

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