Prozess

Geschlagen und gedemütigt - "Er war meine große Liebe"

| Lesedauer: 4 Minuten
Michael Mielke
Der Angeklagte verbirgt sein Gesicht hinter einem Hefter. Neben ihm sein Anwalt

Der Angeklagte verbirgt sein Gesicht hinter einem Hefter. Neben ihm sein Anwalt

Eine Bundespolizistin wurde jahrelang von ihrem Mann malträtiert. Jetzt steht er vor Gericht. Er soll sie vergewaltigt haben.

Katrin* M. ist in Erklärungsnot. Aber die Frage wird ihr vor einer Moabiter Strafkammer dennoch immer wieder gestellt: „Warum sind Sie mit diesem Mann zusammengeblieben?“

Admir* M. sitzt im Saal B129 des Moabiter Kriminalgerichts nur ein paar Meter entfernt neben ihr. Er auf der Anklagebank, sie auf dem Zeugenstuhl. Dem 48-Jährigen wird vorgeworfen, seine fünf Jahre jüngere Ehefrau mehrfach vergewaltig zu haben. Er bestreitet das. Zeugen gibt es nicht. Es ist eine klassische Konstellation: Aussage gegen Aussage.

Katrin M., das ist auch heute noch deutlich zu hören, wuchs im sächsischen Freiberg auf. Dort lernte sie im Januar 1994 den Albaner Admir M. kennen. Ein halbes Jahr später heirateten sie. „Er war mal meine große Liebe“, sagt sie.

Sehr schnell kam der Macho durch

Dieses Gefühl muss sich bei ihr trotz erduldeter Gewalttätigkeiten noch viele Jahre gehalten haben. Soll Admir M. seiner Angetrauten doch schon kurz nach der Hochzeit sehr konsequent seine Vorstellungen über das Verhältnis zwischen Ehemann und Ehefrau deutlich gemacht haben: „Bei ihm kam sehr schnell der Macho durch. Er ging davon aus, dass die Frau machen muss, was der Mann sagt“, so Katrin M. „Ich habe anfangs versucht, es durch die rosarote Brille zu sehen, aber es wurde immer schlimmer.“

Getrennt hat sie sich dennoch nicht. 1996 begann Katrin M. eine dreijährige Ausbildung bei der Polizei. Die Woche über war sie in Niedersachsen, am Wochenende bei Admir M. in Freiberg. Der gelernte Biologielaborant hatte keine Arbeit, soll frustriert gewesen sein, herrisch, misstrauisch - und am Ende auch gewalttätig.

Rückkehr nach Flucht in ein Frauenhaus

Aber Katrin M. hoffte immer noch auf Besserung. 1999, sie hatte ihre Ausbildung beendet, wurde sie zur Bundespolizei nach Berlin geschickt. Sie besorgte ihrem Mann einen Job bei einer Sicherheitsfirma am Flughafen Tegel. Anfangs sei Admir M. auch „besser drauf und selbstbewusster gewesen“. Das habe aber nicht lange angehalten. Sie beschreibt Gewaltausbrüche. Von einem ausgeschlagenen Zahn und der Attacke mit einem Messer ist die Rede und davon, dass sie damals zu ersten Mal in ein Frauenhaus geflohen sei. Ein weiterer Aufenthalt folgte 2012.

Aber sie kehrte doch jedes Mal zu ihm zurück. „Es gab ja auch entspannte Phasen mit Blumen und so“ sagte sie.

Im Jahr 2002 wurde das erste von drei Kindern geboren. Katrin M. machte Karriere bei der Bundespolizei, war eine angesehene Beamtin, verzichtete aber – „wegen der Familie“ – in den gehobenen Dienst zu gehen. Nein, die Kollegen hätten nichts von ihrem Stress zuhause gemerkt, sagt sie. „Und ich hätte es auch abgestritten.“ Nur eine Kollegin, bei der Katrin M. mit den Kindern auch mal Unterschlupf suchte, habe gewusst, dass diese binationale Ehe nicht funktioniert. Von Gewalttätigkeiten aber hatte ihr Katrin M. nichts erzählt.

Nach Trennung auch noch Privatinsolvenz

Erst im Mai 2013 verließ sie den Ehemann. Ein Jahr später meldete Katrin M. Privatinsolvenz an, weil sie als Ehefrau für seine Schulden haftbar gemacht werden konnte: 90.000 Euro, die er für Autos und Reisen zur Familie in den Kosovo ausgeben haben soll. Anfang 2016 reichte sie die Scheidung ein.

In dem Strafprozess wird Admir M. vorgeworfen, seine Ehefrau in der Zeit von August 2011 bis Mai 2013 fünf Mal vergewaltigt zu haben. Mal in der gemeinsamen Wohnung im Bezirk Lichtenberg, mal beim Urlaub im Kosovo.

Admir M.s Verteidiger geht davon aus, dass diese Vorwürfe nicht stimmen. Gewalt habe es in dieser Ehe gegeben, bestätigt Röder, manchmal auch gegenseitige, aber keine Vergewaltigungen. Hintergrund der Vorwürfe sei der Streit um das Sorgerecht für die Kinder.

Das Gericht wird das nun prüfen müssen. Der Prozess wird am 7. April 2016 fortgesetzt. (*Namen geändert)