Terror

Was die Anschläge von Brüssel für Berlin bedeuten

Die Attentate in der belgischen Hauptstadt mehren auch die Sorge in Berlin vor Anschlägen. Wie sich die Stadt absichert.

Nach den Anschlägen am Brüsseler Flughafen und in der U-Bahn sind in Berlin die Sicherheitsvorkehrungen verschärft worden.

Flughäfen: Am Flughafen Tegel sind nach den Anschlägen von Brüssel die Sicherheitsvorkehrungen erhöht worden. Die Polizei hat nach Angaben einer Einsatzleiterin die Kontrollen im Innen- und Außenbereich des Flughafens verstärkt. Flughafensprecher Lars Wagner sagte der Berliner Morgenpost, Flüge von Berlin nach Brüssel seien noch immer gestrichen, acht Verbindungen seien betroffen.

Zuvor war bekanntgeworden, dass die belgische Flugaufsichtsbehörde Belgocontrol alle Flüge mit Ziel Zaventem umleitet. Gestrandete Fluggäste werden derzeit mit Übernachtungsgutscheinen versorgt. Die Sicherheitsvorkehrungen wurden auch von Seiten des Flughafens erhöht, sagte der Sprecher weiter. Um mehr Personal im Gebäude zur Verfügung zu haben, ist die Besucherterrasse in Tegel geschlossen worden.

Zugverkehr: Brüsel kann seit dem frühen Mittwochmorgen wieder per Bahn von Berlin aus erreicht werden. Der Zugverkehr sei mit Betriebsbeginn wieder nach Fahrplan aufgenommen worden, teilte die Deutsche Bahn mit. Es könne vereinzelt aber Verspätungen geben. Die Strecke zwischen den Hauptstädten führt über Köln. Es werden täglich mehrere Züge angeboten.

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Generelle Sicherheitslage: Aus Berliner Sicherheitskreisen kommt die Einschätzung, dass die Anschläge von Brüssel generell nichts an der Lage in Berlin ändern. Es sei kein neues Phänomen, mit mehreren Nadelstichen zu operieren und parallel Anschläge vorzubereiten und auszuführen. Diese Vorgehensweise habe man auf dem Schirm. Natürlich müssten jetzt die Vorgänge genau ausgewertet werden. Derzeit zeichne sich aber nicht ab, dass die grundlegende Taktik der Sicherheitsbehörden geändert werden müsse. Auch die sogenannten islamistischen Gefährder habe man im Blick.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) sagte: "Der Senat, die Polizei und die zuständigen Behörden tun alles, um solche verbrecherischen Akte in unserer Stadt zu verhindern. Die Sicherheitslage wird fortlaufend bewertet und wir gehen jedem sicherheitsrelevanten Hinweis nach."

U-Bahnen: Die BVG hat ihre Mitarbeiter nach den Anschlägen sensibilisiert, besonders aufmerksam zu sein. Die Sicherheitsstufe sei nicht erhöht worden. „Wir sind angesichts der angespannten Sicherheitslage in Europa aber ohnehin bereits seit einigen Wochen in einer erhöhten Bereitschaft“, sagte BVG-Sprecherin Petra Reetz auf Anfrage der Berliner Morgenpost. Dabei werde zwar nicht mehr Personal eingesetzt als sonst üblich. „Wir sind aber besonders aufmerksam“, sagte Reetz. Beim Fund verdächtiger Gegenstände werde ohnehin sofort die Polizei informiert. Diese entscheide dann, ob ein Entschärfungskommando anrücken müsse.

Auf einen möglichen Anschlag sieht sich die BVG gut vorbereitet. Zwar gebe es nicht mehr auf jedem U-Bahnhof einen Mitarbeiter. Insgesamt sei im Netz aber immer noch viel Personal unterwegs. Fahrgäste könnten zudem auf jedem Bahnhof über die Notrufsäulen rund um die Uhr einen Mitarbeiter einer Leitstelle kontaktieren. Dort arbeite auch durchgängig ein Mitarbeiter der Polizei.

Bei einer Explosion, wie sie sich in Brüssel ereignete, aber auch für andere unvorhergesehene Ereignisse, etwa einen Stromausfall, würden spezielle Havariepläne greifen. Für die Umsetzung gebe es regelmäßig Übungen, sagte Reetz. Die Fluchtwege in der Berliner U-Bahn seien zudem kürzer als in den meisten anderen Metropolen, weil die Tunnel nicht sehr tief, die Treppen nach oben daher sehr kurz seien. Die Fahrgäste könnten daher vergleichsweise schnell evakuiert werden.

U-Bahnhof Alexanderplatz: Die größten Sorgen bereitet Sicherheitsexperten der Alexanderplatz, weil hier besonders viele Menschen umsteigen und die Umsteigewege länger sind als in den meisten anderen Berliner Bahnhöfen. „Auch hier ist der Weg zum nächsten Ausgang aber relativ kurz“, sagt Reetz.

Fußballspiele und Veranstaltungen: Dazu erklärte Innensenator Frank Henkel (CDU): Die Sicherheitslage in Berlin sei unverändert ernst. „Die Behörden haben ihre Maßnahmen bereits nach den grausamen Anschlägen von Paris angepasst, insbesondere auch bei Fußballspielen. Das Sicherheitsniveau ist sehr hoch. Diese Erfahrungen werden wir auch bei künftigen Großveranstaltungen berücksichtigen.“

Länderspiel Deutschland-England: „Selbstverständlich fließen die jüngsten Ereignisse von Brüssel und die Erkenntnisse der Sicherheitsbehörden vor Ort in die Lageeinschätzung ein“, sagte der Sicherheitsbeauftragte des DFB, Hendrik Große Lefert. Konkrete Erkenntnisse für eine Gefährdung der beiden Partien Deutschland-England und Deutschland-Italien lägen derzeit jedoch nicht vor. „Unser Ziel ist immer, die maximale Sicherheit der Fans und Sportler zu gewährleisten“, sagte Große Lefert, betonte aber, dass „im öffentlichen Raum niemand eine hundertprozentige Sicherheit garantieren kann“.

Nicht nur die Sicherheitsabteilung des DFB beschäftigt sich mit der erneuten Terrorangst – auch die Mannschaft. „Das ist eine schwierige Situation“, sagte Teammanager Oliver Bierhoff. „Wir werden uns als Sportliche Leitung überlegen, wie wir damit auf die Mannschaft zugehen. Es ist mit Sicherheit ein Thema, das die Spieler nach den Ereignissen von Paris beschäftigt“, so Bierhoff.

„Wenn man selbst beteiligt war, weiß man, wie es den Leuten dort (in Brüssel, d. Red.) jetzt geht“, sagte Weltmeister Shkodran Mustafi. Lukas Podolski, der als Spieler von Galatasaray Istanbul in der Türkei aktuell in ständiger Terrorfurcht leben muss, sagte: „Man muss lernen, mit der Angst umzugehen. Das ist eine Situation, die uns allen Sorgen bereitet. Man kann aber jetzt nicht alle Länderspiele absagen.“ Das Olympiastadion wird am Sonnabend nahezu ausverkauft sein. Nur noch ein Restkontingent an Karten ist vorhanden.