Anschläge in Brüssel

Verstärkte Sicherheit an Flughäfen in Berlin

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Die Polizei kontrolliert nach den Anschlägen in Brüssel verstärkt am Flughafen Tegel

Die Polizei kontrolliert nach den Anschlägen in Brüssel verstärkt am Flughafen Tegel

Foto: Steffen Pletl / BM

Nach den Anschlägen in Brüssel wird an Berlins Flughäfen die Sicherheit verstärkt. Die Gesamtlage hat sich wohl nicht verändert.

Am Flughafen Tegel sind nach den Anschlägen von Brüssel die Sicherheitsvorkehrungen erhöht worden. Die Polizei hat nach Angaben einer Einsatzleiterin die Kontrollen im Innen- und Außenbereich des Flughafens verstärkt.

Im Flughafen Brüssel hatte sich nach Angaben der belgischen Justiz ein Selbstmotdattentäter in die Luft gesprengt. Es gab Tote und Verletzte. Insgesamt soll es im Flughafen zwei Explosionen gegeben haben, außerdem eine weitere in der Metrostation Maalbeek.

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Flughafensprecher Lars Wagner sagte der Berliner Morgenpost, Flüge von Berlin nach Brüssel seien gestrichen, acht Verbindungen seien betroffen. Zuvor war bekanntgeworden, dass die belgische Flugaufsichtsbehörde Belgocontrol alle Flüge mit Ziel Zaventem umleitet. Gestrandete Fluggäste werden derzeit mit Übernachtungsgutscheinen versorgt.

Die Sicherheitsvorkehrungen wurden auch von Seiten des Flughafens erhöht, sagte der Sprecher weiter. Um mehr Personal im Gebäude zur Verfügung zu haben, ist die Besucherterrasse in Tegel geschlossen worden.

Bundespolizei berät in Potsdam

Die Bundespolizei verstärkt nach den Anschlägen ihre Sicherheitsmaßnahmen. Betroffen davon seien das deutsch-belgische Grenzgebiet, der Bahnverkehr und die Sicherheit auf den deutschen Flughäfen, sagt eine Sprecherin des Bundespolizeipräsidiums in Potsdam. Angaben darüber, wie viele Beamte zusätzlich im Einsatz sein werden, machte die Sprecherin nicht. Die Beamten der Bundespolizei seien noch einmal sensibilisiert worden.

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Die Schutzausstattung der Beamten, dazu gehören kugelsichere Westen sowie Maschinenpistolen, würden jeweils „lagegerecht angepasst“.

Keine Änderung der generellen Lage in Berlin

Aus Berliner Sicherheitskreisen kommt die Einschätzung, dass die Anschläge von Brüssel generell nichts an der Lage in Berlin ändern. Es sei kein neues Phänomen, mit mehreren Nadelstichen zu operieren und parallel Anschläge vorzubereiten und auszuführen. Diese Vorgehensweise habe man auf dem Schirm. Natürlich müssten jetzt die Vorgänge genau ausgewertet werden. Derzeit zeichne sich aber nicht ab, dass die grundlegende Taktik der Sicherheitsbehörden geändert werden müsse. Auch die sogenannten islamistischen Gefährder habe man im Blick.

Das Bundeskriminalamt zählt zu dieser Kategorie derzeit 444 Personen aus der Bundesrepublik, Ende 2014 waren noch 230 Gefährder registriert. In Berlin geht man von 65 Gefährdern aus. Problematisch sei aber die Dunkelziffer.

Doch auch für die, die man kennt, ist es nicht ganz einfach, eine Rund-um-die-Uhr-Überwachung zu organisieren. 20 Beamten seien dafür pro Gefährder notwendig, schätzt man in Sicherheitskreisen. Deshalb soll der Verfassungsschutz 45 neue Stellen bekommen. Doch diese Beamten müssen auch erst ausgebildet werden. Und sie durchlaufen beim Verfassungsschutz eine Sicherheitsüberprüfung, die neun Monate dauert.

BVG sieht sich gut vorbereitet für Notfälle

Die BVG hat ihre Mitarbeiter nach den Anschlägen sensibilisiert, besonders aufmerksam zu sein. Die Sicherheitsstufe sei am heutigen Dienstag nicht erhöht worden. „Wir sind angesichts der angespannten Sicherheitslage in Europa aber ohnehin bereits seit einigen Wochen in einer erhöhten Bereitschaft“, sagte BVG-Sprecherin Petra Reetz auf Anfrage der Berliner Morgenpost. Dabei werde zwar nicht mehr Personal eingesetzt als sonst üblich. „Wir sind aber besonders aufmerksam“, sagt Reetz. Beim Fund verdächtiger Gegenstände werde ohnehin sofort die Polizei informiert. Diese entscheide dann, ob ein Entschärfungskommando anrücken müsse.

Auf einen möglichen Anschlag sieht sich die BVG gut vorbereitet. Zwar gebe es nicht mehr auf jedem U-Bahnhof einen Mitarbeiter. Insgesamt sei im Netz aber immer noch viel Personal unterwegs. Fahrgäste könnten zudem auf jedem Bahnhof über die Notrufsäulen rund um die Uhr einen Mitarbeiter einer Leitstelle kontaktieren. Dort arbeite auch durchgängig ein Mitarbeiter der Polizei.

Bei einer Explosion, wie sie sich in Brüssel ereignete, aber auch für andere unvorhergesehene Ereignisse, etwa einen Stromausfall, würden spezielle Havariepläne greifen. Für die Umsetzung gebe es regelmäßig Übungen, sagte Reetz. Die Fluchtwege in der Berliner U-Bahn seien zudem kürzer als in den meisten anderen Metropolen, weil die Tunnel nicht sehr tief, die Treppen nach oben daher sehr kurz seien. Die Fahrgäste könnten daher vergleichsweise schnell evakuiert werden.

Die größten Sorgen bereitet Sicherheitsexperten der Alexanderplatz, weil hier besonders viele Menschen umsteigen und die Umsteigewege länger sind als in den meisten anderen Berliner Bahnhöfen. „Auch hier ist der Weg zum nächsten Ausgang aber relativ kurz“, sagt Reetz.

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( plet/mst/kr/sh mit dpa )