Luftfahrt

Angeblicher Einstieg von Easyjet lässt Anleger kalt

Medienberichte über den denkbaren Einstieg der Fluggesellschaft Easyjet bei Air Berlin haben die Anleger kaum beeindruckt.

Flugzeuge der Air Berlin auf dem Vorfeld des Flughafens Tegel

Flugzeuge der Air Berlin auf dem Vorfeld des Flughafens Tegel

Foto: Kay Nietfeld / dpa

Medienberichte über den denkbaren Einstieg der Fluggesellschaft Easyjet bei Air Berlin haben die Kapitalanleger kaum beeindruckt. Nach einem deutlichen Einbruch am Morgen ist die Aktie des Berliner Unternehmens bis zum Abend nur leicht über den Schlusskurs des vorigen Handelstages gestiegen. Unterdessen gibt es eine gewisse Irritation über die Ankündigung des Berliner Unternehmens, einen der zuvor gerichtlich erstrittenen Codeshare-Flüge von Stuttgart nach Abu Dhabi im Sommerflugplan 2016 abzusetzen.

Eine Kapitalspritze von Easyjet könnte die chronisch defizitäre Air Berlin retten. In der Nähe von London solle ein Treffen von Managern beider Unternehmen stattgefunden haben, schreibt die „B.Z.“ und beruft sich dabei auf Unternehmenskreise.

Der denkbare Deal: Air Berlin beteiligt Easyjet an seinem lukrativen Spaniengeschäft und erhält als Gegenleistung frisches Kapital. Das würde zum einen die Handlungsfähigkeit der Berliner für eine gewisse Zeit garantieren. Zum anderen würde ein solches Geschäft die Position von Easyjet gegenüber seinem übermächtigen Mitbewerber Ryanair steigern.

Millionenverlust bei Air Berlin

Air Berlin braucht Kapital. Das Unternehmen hat die ersten neun Monate des vergangenen Jahres mit einem Netto-Cashflow von minus 133,5 Millionen Euro abgeschlossen – dank der laufenden Restrukturierung zwar deutlich weniger als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum (minus 161,6 Millionen Euro), aber die Airline sitzt auf einer Nettoverschuldung in Höhe von 787 Millionen Euro. Zudem sinken die Passagierzahlen: In den ersten neun Monaten 2015 gab es ein Minus von 4,3 Prozent.

Air Berlins Hauptaktionär Etihad Airways kann der angeschlagenen Fluggesellschaft nicht direkt helfen. Aus kartellrechtlichen Gründen darf die Staatsgesellschaft vom Persischen Golf ihren Anteil von 29,2 Prozent an Air Berlin nicht erhöhen.

Allerdings ist Etihad auch zu 49 Prozent an der Alitalia beteiligt, die ähnlich wie Air Berlin schwächelt und Passagiere nach Abu Dhabi fliegt – womit sie das Etihad-Netzwerk stärkt. Zuletzt hatte das „Handelsblatt“ über einen Zusammenschluss der beiden Gesellschaften spekuliert. Damals kommentierten die beteiligten Unternehmen die Spekulationen nicht.

Keine Kommentare von beteiligten Airlines

So auch jetzt: „Kein Kommentar“, hieß es bei Air Berlin zu den Gerüchten über einen Easyjet-Einstieg. Auch Easyjet ließ über seine deutsche Agentur erklären, das Unternehmen wolle die Anfrage, ob der Medienbericht zutreffe, nicht kommentieren. Und Robin Kiely, Kommunikationschef bei Ryanair, erklärte: „Wir kommentieren oder beteiligen uns nicht an Gerüchten oder Spekulationen.“

Easyjet meldete Ende Februar 2016 bei den Passagierzahlen ein Plus von 9,8 Prozent gegenüber dem Februar 2015 auf 4,5 Millionen. Bei Ryanair wurde im gleichen Zeitraum ein Plus von 28 Prozent auf 7,4 Millionen Fluggäste registriert. Unterdessen sind die Februar-Passagierzahlen bei Air Berlin um 6,3 Prozent auf 1,7 Millionen gesunken. Dieses Bild spiegelt sich zumindest teilweise in der Entwicklung der Aktien: Binnen eines Jahres hat die Aktie von Air Berlin 38,3 Prozent ihres Wertes verloren. Die Papiere von Easyjet verloren 22,3 Prozent. Ryanair legte im gleichen Zeitraum um 15,6 Prozent zu.

Vor Gericht erstrittenen Flug gestrichen

Air Berlin begründet die Streichung des Zubringerfluges von Stuttgart nach Abu Dhabi mit der gesunkenen Nachfrage und rät seinen Kunden, Flüge über Berlin oder Düsseldorf zu buchen oder ab Frankfurt und München direkt mit Etihad zu fliegen. Vor der gerichtlich durchgesetzten Genehmigung der Codeshare-Flüge hatte Air Berlin noch ein Horrorszenario von Umsatzausfällen in Höhe von mehr als 140 Millionen Euro oder gar vom Verlust von 8000 Arbeitsplätzen entworfen.

Beistand für Air Berlin war schnell zur Stelle

Angesichts solcher Zahlen war die Unterstützung aus dem politischen Raum schnell zur Stelle: Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) schrieb an Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) und machte sich für eine Lösung zu Gunsten der Air Berlin stark. SPD-Landeschef Jan Stöß nannte das erstinstanzliche Verbot der Codeshare-Flüge gar einen Skandal. Auch Innensenator Frank Henkel (CDU) bedauerte den Richterspruch. Air Berlin freute sich damals über die politische Unterstützung, wie sich ein Sprecher zitieren ließ.

Die ganze Aufmerksamkeit richtet sich jetzt auf den 28. April, wenn Unternehmenschef Stefan Pichler den Geschäftsbericht 2015 vorlegen wird.