Steglitz

Die Graffiti-Kunst am Bierpinsel kommt weg

In den Steglitzer Bierpinsel soll nach einem zehnjährigen Leerstand wieder Gastronomie einziehen - vielleicht auf sogar vier Etagen.

Der Bierpinsel an der Schloßstraße soll einen neuen Fassadenanstrich bekommen

Der Bierpinsel an der Schloßstraße soll einen neuen Fassadenanstrich bekommen

Foto: dpa Picture-Alliance / Schoening Berlin / picture alliance / Arco Images

Berlin.  Geschäfte gibt es genug an der Schloßstraße in Steglitz. Was fehlt, sind gastronomische Angebote. Das sehen zumindest einige Händler so. Eine gute Restaurantadresse könnte wieder mehr Kunden in die Straße locken – das ist ihre Hoffnung. Der Bierpinsel war jahrelang eine solche Adresse, vor allem vor mehr als 30 Jahren, als Steakhäuser noch etwas Besonderes waren.

Seit 2006 steht der Gastronomieturm nun leer, nur Kunstaktionen und Events ließen ein paar Mal das Licht angehen. Jetzt soll es dort wieder dauerhaft hell werden. Ein Architekt sei beauftragt, die Sanierung und Wiederinbetriebnahme des Bierpinsels zu planen, sagt Axel Bering, Geschäftsführer der Schlossturm GmbH und Sprecher der Gesellschafterin und Eigentümerin Tita Laternser.

Der Bierpinsel hat in den vergangenen zehn Jahren eine eher unrühmliche Geschichte geschrieben. Nur einmal rückte er kurz in das Interesse der Öffentlichkeit. Das war 2010, als internationale Streetart-Künstler die vorher blassroten Fassadenplatten mit Graffiti besprühten.

Neue Farbe wird noch gesucht

Noch heute sind die Motive aus Wissenschaft und Technik ein bunter Hingucker. Eigentlich sollte die Kunstaktion nach einem Jahr wieder übertüncht werden und der Bierpinsel seinen roten Anstrich erhalten. Das war auch der Wunsch des Architekten Ralf Schüler, der aber 2011 starb und es nicht mehr erleben konnte.

Jetzt ist sicher: „Die Graffiti-Kunst kommt weg“, sagt Axel Bering. Die habe die Aufgabe gehabt, eine Zeit lang die Aufmerksamkeit auf den Turm zu lenken. Auf eine Farbe wollte er sich nicht festlegen. „Das müsse noch geklärt werden“, so der Geschäftsführer.

Nach seiner Eröffnung 1976 war das futuristische Bauwerk mit seinen drei Etagen über Jahre der Ort, an dem sich Familien zum Essen trafen, Einkäufer ihre Pause machten, und Seniorinnen ihren Kuchen aßen.

So wurde der Turm zum Sanierungsfall

Nach der Jahrtausendwende wechselten immer häufiger die Betreiber, bis 2006 das endgültige Aus kam, als sich der damalige Betreiber des Turms aus der Gastronomie zurückzog und den Bierpinsel verkaufte. Neue Eigentümerin wurde Tita Laternser. Sie hatte schon erste Pläne gemacht, als Wasserrohrbrüche im Winter 2009/10 den Turm zu einem Sanierungs- und Versicherungsfall werden ließen.

Der Streit zwischen der Eigentümerin und der Versicherung zog sich mit Gutachten, Gegengutachten und Schiedsgutachten bis zum heutigen Tag hin. „Jetzt hat die Versicherung einen Teil der Summe gezahlt“, sagt Axel Bering. Einige Punkte seien immer noch offen, von denen er aber annimmt, dass sie sich jetzt auch noch klären lassen. Aus diesem Grund arbeite man parallel, so Bering.

Während er versuche, die letzten strittigen Punkte auszuräumen, habe der Architekt bereits seine Arbeit aufgenommen. Er sei öfters im Turm vor Ort, um eine Bestandsaufnahme des Gebäudes vorzunehmen. Dabei wird er auch prüfen, ob die Nutzung von drei Etagen auf vier Etagen ausgeweitet werden kann. Die Techniketage im vierten Stock werde nicht mehr gebraucht, sagt Bering.

Innenräume werden von Nutzern gestaltet

Der Architekt wird vor allem die Außenhülle des Restaurantturms planen. „Im Inneren sollen die neuen Nutzer für ihre Zwecke den Ausbau übernehmen“, so der Geschäftsführer. Er sei bereits mit mehreren Betreibern im Gespräch, es gebe Ideen und Interessenten. Es werde in Richtung Bar- und Restaurantbetrieb gehen.

Der Bezirk macht Druck, damit endlich etwas passiert. Schließlich gehört ihm das Grundstück, auf dem der Bierpinsel steht. Amt und Eigentümerin haben einen Erbbaupachtvertrag abgeschlossen. Der Leerstand habe die Bausubstanz nicht besser werden lassen, sagt Bezirksbürgermeister Norbert Kopp (CDU). „Wir wollen keinen Abriss.“

Das sei auch gar nicht möglich, denn der knapp 50 Meter hohe Turm ist Teil der Statik des Brückenbauwerkes. Mehrfach hat das Amt bereits Mahnungen an die Eigentümerin verschickt und auch schon eine Vertragsstrafe angedroht. Nun sei der Eigentümerin eine Frist bis Ende März gesetzt worden, um zu erklären, wie es weitergehen soll, sagt Kopp.

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