Tempelhofer Feld

Freizeitzentrum für Flüchtlingskinder verzögert sich

Die Halle auf dem Tempelhofer Feld kann wohl Anfang April abgenommen werden, doch das Nutzungskonzept steht noch vor vielen Hürden.

Die teilweise fertiggestellte Halle auf dem Tempelhofer-Feld

Die teilweise fertiggestellte Halle auf dem Tempelhofer-Feld

Foto: Reto Klar

Auf den ersten Blick sieht sie annähernd bezugsfertig aus, die Blumenhalle auf dem Tempelhofer Feld. Aber das täuscht. Bis sie so genutzt werden kann, wie die Senatsjugendverwaltung und der Betreiber der Notunterkunft für Flüchtlinge in den ehemaligen Flughafenhangars sich das vorstellen, werden noch mehrere Monate vergehen.

In der Leichtbauhalle sollen keine Flüchtlinge untergebracht werden. Und von dem Plan, dort Schulunterricht für die in Hangars lebenden Kinder zu veranstalten, hat sich die Schulverwaltung schon vor längerem verabschiedet.

Nun sind dort unterschiedliche Freizeitangebote vorgesehen. Das reicht von Sport für Kinder und Jugendliche über Tanz, Theater und künstlerisches Gestalten bis zu sogenannten Angeboten der offenen Jugendarbeit, also Möglichkeiten für Gespräche, Beratung und Begegnungen mit Kindern und Jugendlichen aus der Nachbarschaft sowie der Einrichtung von Ruhezonen.

Letzteres ist angesichts der Enge und nicht vorhandenen Privatsphäre in den Hangars ein ganz wichtiger Bestandteil. Das Konzept sieht vor, dass die Halle tagsüber und abends multifunktional genutzt werden kann, also für die Arbeit von kleinen Projektgruppen wie für Feste.

So leben die Flüchtlinge im Flughafen Tempelhof

Bauaufsicht will Halle Anfang April abnehmen

Doch bis zu diesem Freizeitzentrum ist noch ein weiter Weg. Die Halle selbst kann zwar vermutlich Ende März, Anfang April von der Bauaufsicht abgenommen werden, das Nutzungskonzept der Senatsjugendverwaltung hat aber noch nicht alle Hürden der Abstimmung mit anderen Teilen der Verwaltung genommen.

Es ist allerdings auch erst kürzlich fertig geworden, was den Regierenden Bürgermeister Michael Müller in der letzten Senatssitzung ziemlich verärgert haben soll. Jugendsenatorin Sandra Scheeres (beide SPD) sah sich nach Angaben von Teilnehmern mit der harsch formulierten Frage konfrontiert, warum das so lange dauere.

Bislang ist die Halle allerdings ein „Rohling“, für die vorgesehenen Angebote muss sie erst eingerichtet werden. Notwendig sind unter anderem ein Bodenbelag, Trennwände, Vorhänge, Möbel, Umkleidekabinen und natürlich Strom, Wasser und Belüftung.

Die Kosten dafür, rund 650.000 Euro, werden aus dem Etat der Senatssozialverwaltung beglichen, den Betrieb übernimmt dann der Betreiber der Notunterkunft, die Tamaja GmbH. Sie soll auch den Innenausbau beauftragen, für den allerdings zuvor die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung einen Bauantrag genehmigen muss. Denn bei einer solchen Nutzung werden andere Anforderungen etwa an Brandschutz und Fluchtwege gestellt. Die Bearbeitung des Bauantrags, so kalkuliert die Senatsjugendverwaltung, dauere vier Wochen, der Innenausbau drei Monate. Dann schreiben wir August – wenn nichts dazwischenkommt.

Zwischennutzung für Sport und Feste

Allerdings soll die Halle nach der ersten Bauabnahme und bis zum Beginn des Ausbaus schon mal genutzt werden: für Sport, Angebote der kulturellen Jugendbildung sowie für Spiele, Feste und Veranstaltungen wie Konterte und Ausstellungen. Dazu werden Tore, Netze und Bälle, eine mobile Bühne, Musikinstrumente und Kinderspiele angeschafft. All das soll später auch weiterverwendet werden.

Doch die Blumenhalle ist mehr als ein Freizeitzentrum für minderjährige Flüchtlinge, sie ist auch ein Politikum. Letztlich war dieser Leichtbau Auslöser für die Änderung des Tempelhof-Gesetzes, die temporäre Bauten für Flüchtlinge auf bestimmten Flächen am Rande des Feldes erlaubt. „Es ist aberwitzig“, moniert Stefan Evers, stellvertretender Vorsitzender der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus. Die Eile, mit der das Tempelhof-Gesetz im Januar dieses Jahres geändert wurde, sei im Wesentlichen an der Aufstellung dieser Halle festgemacht worden.

Nun sei die Halle aufgebaut, und er habe den Eindruck, dass sie nicht wirklich dringend gebraucht werde, so Evers. „Ich bin mir nicht sicher, ob hier die richtigen Prioritäten gesetzt werden, sagte der Fraktionsvize der Berliner Morgenpost. Am Anfang der Debatte habe gestanden, weitere Plätze für Flüchtlinge auf dem Tempelhofer Feld zu schaffen, auch, um die Belegungsdichte in den Hangars zu minimieren. Nun müsse sich der Senat fragen lassen, warum er der Bürgerdebatte um die Gesetzesänderung nicht mehr Zeit eingeräumt hat.