Freizeit in Berlin

Wie es sich im neuen Trampolinpark "Jump House" hüpft

Trampolinspringen boomt in Berlin. In Reinickendorf eröffnet eine neue Halle, es ist bereits die zweite im Bezirk. Ein Selbstversuch.

Deutschlands größter Trampolinpark in Berlin eröffnet

Fr, 18.03.2016, 19.31 Uhr

Deutschlands größter Trampolinpark in Berlin eröffnet

Video: BM Video / Florian Beutel
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Oh. Mein. Gott. Am Anfang weiß man gar nicht recht, wie einem geschieht, wenn man da so hoch und runter hüpft auf dem Trampolin. Adrenalin geladen stößt man bei jedem Sprung quietschende Laute aus. Der Gleichgewichtssinn kommt ganz schön aus dem Tackt. Alles muss arbeiten. Jeder Muskel – in Beinen, Armen, Rumpf. Auch der Blick muss mitziehen, um jede Bewegung, so gut es denn geht, bewusst auszuführen. Und eigentlich, das merkt man schnell, sollte man gar nicht viel über all das nachdenken.

Trampolinspringen klingt erst mal nach etwas, das vor allem Kinder gerne machen. Ehrlich gesagt, kennt man es auch nur von früher, wenn man nicht gerade Trampolin-Spring-Profi im Sportverein ist. Und das sind ja eher die wenigsten. Ansonsten erinnert es an den Sportunterricht in der Schule oder an das Teil im Garten der Freundin, auf das man direkt nach dem Mittagessen ging, um lässige Sprünge einzustudieren. Man muss aber gar nicht mehr jung sein, um Spaß zu haben. Unweigerlich bekommt man gute Laune.

Eine Stunde auf dem Trampolin ist übrigens unfassbar anstrengend. Schon nach wenigen Minuten geht einem die Luft aus und der Schweiß steht über der Oberlippe. Dazu braucht es keine Saltosprünge oder akrobatische Figuren. Der ganze Körper muss sich erst mal an diese kurzen Schübe der Schwerelosigkeit in der Luft gewöhnen. Und dann, wenn man sich so richtig drauf eingelassen und ein Gefühl für Aufprall und Abstoß bekommen hat, kommt sogar der Ehrgeiz.

Neuer Trend in der Stadt

An diesem Freitag hat der dritte Trampolinpark in nur wenigen Monaten in Berlin eröffnet – das "Jump House". Seit Ende vergangenen Jahres kann man bereits im "Jump Berlin" im Märkischen Viertel hüpfen, weitere zwei seien bereits geplant. Am Donnerstag hat außerdem der "Sprung Raum" in Tempelhof eröffnet. Die neue Konkurrenz nennt sich das Original, da die Unternehmer Christoph Ahmadi und Till Walz bereits 2014 in Hamburg das erste in ganz Deutschland eröffnet haben. Noch dazu soll es das größte sein.

Auf mehr als 4000 Quadratmetern Gesamtfläche kann man bei ihnen nun also auch in Berlin springen. 120 Trampoline stehen in der denkmalgeschützten Halle an der Miraustraße in Reinickendorf. In solchen Parks kann man sogar dreidimensional springen, da auch die Wände elastisch sind. Wer das ausprobiert, ist schon eher der waghalsige Typ. Auch wenn die Verletzungsgefahr gering scheint, weil alle Flächen gepolstert sind.

Als Erwachsener merkt man trotzdem schnell: Die eigenen Grenzen sind eng gesteckt. So mutig wie früher ist man jedenfalls nicht mehr. Mal abgesehen davon, dass die Beweglichkeit deutlich eingeschränkter ist. Der senkrechte Sprung nach oben und unten ist da schon die erste kleine Herausforderung. Verkrampft, gerade wie eine Kerze, versucht man ständig die Balance des Körpers zu kontrollieren. Der direkte Sprung ins mit Schaumstoffquadern gefüllte Becken ist definitiv eine Überwindung. Während die Kinder um einen herum furchtlos Köpper und Arschbomben machen, zählt man innerlich bis drei und springt dann einfach mit Augen zu da rein.

Aus ihrem Standort in Hamburg wissen Ahmadi und Walz bereits aus dem vergangenen Jahr, dass der Spaß am Trampolinspringen dennoch durch alle Altersgruppen geht. Ihr ältester Kunde soll ein 70 Jahre alter Mann sein. "Er springt nicht besonders hoch, zählt seine hundert Sprünge und das ist dann sein Ziel", sagt Walz. Anstrengend genug: 1000 Kalorien soll man nämlich in einer Stunde Springen verbrennen. Das ist dreimal so viel wie beim Joggen und damit deutlich effektiver. Vor allem auch gelenkschonender.

Ein Sprungmeister passt auf

Was in Deutschland relativ neu ist, ist in den USA bereits seit über zehn Jahren Trend. Während es hier rund sieben solcher Hallen geben soll, sind es in Amerika mehr als 300. Rund 50 davon haben die Hamburger Unternehmer sich angeschaut, um zu analysieren, was besonders wichtig ist. Sicherheit steht bei ihnen an erster Stelle. Deshalb gibt es auch so genannte Sprungmeister – ähnlich wie im Schwimmbad. Und natürlich gibt es Regeln. Kein Schmuck, nie zu zweit auf einem Trampolin, kein Kaugummi, Respekt, Umsichtigkeit und ganz wichtig: extra getestete rutschfeste Socken an den Füßen, die man vor Ort bekommt.

Kurz ist es, als sei man auf einer Party, auf der man seine Schuhe ausziehen muss und sich plötzlich ganz unwohl fühlt. Eine komische Situation. Doch beim ersten Schritt auf die Hüpflandschaft versteht man, wieso diese knall orangenen Stoppersocken Pflicht sind.

Wer zum ersten Mal Trampolin springt, muss sich auf einen Muskelkater vom Feinsten gefasst machen. Noch am selben Tag spürt man plötzlich Teile des Körpers, von denen man vorher gar nichts wusste.

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