Blutkrebs

Was ist Leukämie? Fakten rund um Blutkrebs

Ex-Außenminister Guido Westerwelle starb an den Folgen seiner Leukämie-Erkrankung. Was Sie über Blutkrebs wissen müssen.

Laut DKMS gibt es in Berlin 114.500 registrierte Stammzellspender

Laut DKMS gibt es in Berlin 114.500 registrierte Stammzellspender

Foto: Felix Hörhager / picture alliance / dpa

In Deutschland sterben jedes Jahr fast 400.000 Menschen an Krebs. In Berlin bekommen im Jahr mehr als 17.000 Menschen diese Diagnose, etwa 8900 Berliner sterben an der Krankheit. Leukämie bekommen nach dem Landeskrebsregister etwa 360 Berliner pro Jahr.

Blutkrebs ist eine Erkrankung des Knochenmarks und des blutbildenden Systems. Bestimmte unreife weiße Blutkörperchen vermehren sich dabei unkontrolliert, und das Blut kann seine Aufgaben, etwa Infektionen zu bekämpfen, nicht mehr erfüllen.

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Vor der Transplantation wird das kranke Blutbildungssystem zerstört

Die meisten Kranken bekommen eine Chemotherapie. Aber nicht immer ist das ausreichend. Bei aggressiven Leukämieformen muss das gesamte blutbildende System des Betroffenen zerstört und durch Blutstammzellen eines Spenders ersetzt werden. Vorübergehend ist der Patient dann ohne Immunabwehr und muss streng vor Infektionen geschützt werden. Die „neuen“ Stammzellen entnimmt man dem Spender aus dem Knochenmark im Beckenkamm – und nicht, wie oft fälschlich angenommen, aus dem Rückenmark.

Mediziner können anhand der Diagnose in der Regel gut klären, wie gefährlich die gefundene Form der Leukämie ist. „Bei geringerem Risiko werden die Patienten mit einer Chemotherapie behandelt, Hoch- und Höchstrisikopatienten bekommen nach der ersten Chemotherapie eine Stammzelltransplantation. Auch wenn die Chemotherapie wider Erwarten nicht anschlägt, sucht man einen Stammzellspender für den Patienten“, sagt Professor Renate Arnold, Leiterin der Stammzelltransplantation der Medizinischen Klinik der Charité mit Schwerpunkt Hämatologie, Onkologie und Tumorimmunologie. „Ein Drittel der Spender sind HLA-idente, also passende Geschwister der Patienten, zwei Drittel sind Fremdspender.“

Für praktisch jeden Kranken findet sich ein Stammzellspender

Mehr als 90 Prozent der Kranken, die eine Chemotherapie-Erstbehandlung durchlaufen, überleben. Der weitere Verlauf ist davon abhängig, ob ein Rückfall auftritt, sagt die Medizinerin. Bei Hoch- und Höchstrisikopatienten mit Stammzelltransplantation sind es immerhin 50 bis 70 Prozent, die Langzeitüberleber werden. Die Ärztin möchte Mut machen, wenn sie sagt: „Wir erleben immer wieder auch Patienten mit weit fortgeschrittener Krankheit, die noch geheilt werden.“

Die Suche nach einem Spender gestaltet sich heute relativ einfach. „Meist dauert es bei einer geplanten Transplantation vier bis sechs Wochen, bis das Patientengewebe typisiert ist und wir einen passenden Spender gefunden haben. Wir können heute international auf 25 Millionen potenzielle Spender ‘zugreifen’. Da kommt es mittlerweile seltener vor, dass wir keinen Spender finden“, sagt Renate Arnold. Schwierig sei es aber oft bei ethnischen Minderheiten, die andere Gewebeeigenschaften tragen als Europäer. Bei ihnen gebe es weltweit erst wenige Spender. In arabischen, manchen asiatischen und vor allem afrikanischen Ländern gibt es keine Infrastruktur für

Die Zahl der Spender ist in den vergangenen Jahren stetig angestiegen

Allein in Berlin gibt es laut der gemeinnützigen Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) 114.500 registrierte Spender, von denen bislang 1034, also weniger als ein Prozent, bereits Knochenmark gespendet haben. Die Zahl der Spender ist laut DKMS erfreulicherweise stetig gestiegen. Die durch Transplantationsskandale brstehende Unwilligkeit der Deutschen, nach ihrem Hirntod Organe wie Herz oder Niere zu spenden, ist bei der Knochenmarkspende nicht zu beobachten.

Spender kann jeder gesunde Mensch bis 50 Jahren werden, sagt Medizinerin Arnold. In höherem Alter bestünden doch meist schon gesundheitliche Einschränkungen, die eine Spende ausschließen.