Nicolaihaus

Berlins Denkmalschützer ziehen ins Denkmal

Erster Festakt im aufwändig sanierten barocken Bürgerhaus in Mitte. Am Sonntag sind die Bürger zum Tag der offenen Tür willkommen.

Restauratorin Martina Dürrschmidt auf der kunstvoll gestalteten Treppe aus Eichenholz. Diese Stufen stiegen schon Schinkel und andere Persönlichkeiten hinauf. Im ersten Stock des barocken Bürgerhauses lud Friedrich Nicolai zu seinen berühmten Salons

Restauratorin Martina Dürrschmidt auf der kunstvoll gestalteten Treppe aus Eichenholz. Diese Stufen stiegen schon Schinkel und andere Persönlichkeiten hinauf. Im ersten Stock des barocken Bürgerhauses lud Friedrich Nicolai zu seinen berühmten Salons

Foto: Joerg Krauthoefer

Der Dornröschenschlaf ist Vergangenheit, jetzt zieht wieder Leben ein. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) eröffnete am Freitag, knapp zwei Jahre nach den erst im Sommer 2014 aufgenommenen aufwändigen Sanierungsarbeiten, das barocke Nicolaihaus in Mitte mit einem Festakt und einem Nachmittag für die Nachfahren von Friedrich Nicolai.

„Wir wollen dieses Haus wieder zu einem Ort des kulturellen Austausches und der Begegnung machen und damit auch an seine Geschichte anschließen“, sagte der Geschäftsführer der DDSD, die ihren Hauptsitz nach wie vor in Bonn hat. Wie Wolfgang Illert vor einem ersten Rundgang durch das an bauhistorischen Besonderheiten reiche Denkmal betonte, hat das Nicolaihaus eine wechselvolle Geschichte mit zuweilen illustren und prägenden Eigentümern. Einer der ersten Eigentümer war beispielsweise der Be

gründer der Berliner Porzellanmanufaktur Johann Ernst Gotzkowsky. Namensgeber Friedrich Nicolai, wurde vor genau 283 Jahren am 18. Mürz 1733 in Berlin geboren. Er erwarb das barocke Bürgerhaus im Jahre 1787 und machte es vor allem mit seinen berühmten Salons zu einem Treffpunkt der „wichtigsten intellektuellen Persönlichkeiten seiner Zeit machte. Außer Goethe sind hier von Schinkel über Schadow und Lessing alle von Rang und Namen ein und ausgegangen“, so Wolfgang Illert.

Der Schriftsteller, Verleger und Buchhändler Nicolai erwarb das barocke Bürgerhaus an der Brüderstraße 13 im historischen Kern Berlins im Jahre 1787 für 32.500 Taler und ließ es durch Carl Friedrich Zelter umbauen. So wurden im Erdgeschoss Räume für die Nicolaische Verlagsbuchhandlung geschaffen. Seine umfangreiche Privatbibliothek brachte Nicolai im ersten Stock des Vorderhauses unter.

Dort erinnert jetzt ein mit modernen Leuchten und einem großen Touchscreen ausgestatter Raum an Nicolai, von dem auch ein Porträt des Malers Tischbein zu sehen ist. Vier Millionen Euro - größtenteils aus Privatspenden und Stiftungskapital finanziert, hat die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, die das Haus 2011 vom Liegenschaftsfonds erwarb, in die Grundsanierung und die komplette Erneuerung der Haustechnik investiert. Für die Arbeiten verantwortlich zeichnet das Architekturbüro der Dr. Krekeler Generalplaner GmbH. Den größten Teil der 1800 Quadratmeter Nutzfläche bespielt die Stiftung selbst. Teilflächen werden vermietet – unter anderem an Icomos Deutschland (Internationaler Rat für Denkmalpflege), der von München nach Berlin gezogen ist.

Tag der offenen Tür: Die Deutsche Stifftung Denkmalschutz öffnet das Nicolaihaus am morgigen Sonntag und bietet um 11.30, 12.30, 14.30 und 15.30 Uhr Führungen an.

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