Prozess

Vier Jahre Haft für notorischen Internetbetrüger

Heiko K. führte einen Onlineshop, nahm Geld für Möbel, lieferte aber nicht. Seine Frau führte die Bücher, will aber nichts gemerkt haben

Heiko K., der am Donnerstag zu vier Jahren Haft verurteilt wurde, wirkt auch vor Gericht noch wie ein seriöser Geschäftsmann. Zumindest zu Beginn der Verhandlung. Der 48-Jährige und seine zwei Jahre ältere Frau Anke K., die wegen Beihilfe eine Bewährungsstrafe bekam, müssen sich wegen gewerbsmäßigen Betruges verantworten. Als „gesondert Verfolgte“ gelten zwei Kinder des Paares. Sie hatten Konten für Geldüberweisungen zur Verfügung gestellt.

Heiko K. führte einen Onlineshop, bot hochwertige Sanitärausstattungen und Möbel an. Sehr professionell. Viele Kunden ließen sich auf Käufe ein und leisteten auch Anzahlungen – immerhin bot K. dafür sieben Prozent Skonto. Die Ware indes wurde meist nicht geliefert. Im Anklagesatz ist von 84 Fällen und einer sechsstelligen Schadenssumme die Rede. Genau lässt sich das nicht festmachen. Es ist fraglich, ob jeder Kunde Anzeige erstattet hat. Außerdem, so war von einem Kriminalbeamten vor Gericht zu hören, flatterten noch vor wenigen Wochen Anzeigen auf den Tisch der Polizei – als das betrügerische Pärchen schon längst in Untersuchungshaft saß und die Anklageschrift erarbeitet war.

Kriminelles Ehepaar wurde am Gardasee festgenommen

Festgenommen wurde das Paar in Italien, in einem kleinen Ort am schönen Gardasee. Dorthin hatten sich Anke und Heiko K. zurückgezogen. Und es gab auch schon wieder eine neue Geschäftsidee – diesmal in der Tourismusbranche.

Beide Angeklagten waren vor Gericht voll geständig und zeigten sich sehr reumütig. Heiko K. erzählte von seinem Geschäft für Sanitärmöbel mit Ausstellungsräumen in Schöneberg und Charlottenburg, das er 16 Jahre angeblich erfolgreich führte. 2010 sei er finanziell jedoch zunehmend in eine Schieflage geraten. „Mit dem, was ich vorn einnahm, musste ich hinten Löcher stopfen“, sagte er. Er habe Mitarbeiter entlassen müssen, am Ende nur noch allein den Onlineshop geführt. Seine Frau habe die Bücher geführt. Sie soll, was die Betrügereien angeht, aber nichts mitbekommen haben, so Heiko K. „Der Laden war mein Leben“, trug er seine Beweggründe salbungsvoll vor. „Ich wollte ihn unbedingt retten.“ Dabei blickte er beschwörend zum Gericht: „Sie verstehen, was ich meine?“

Die Richter wirkten skeptisch. Kein Wunder. Sie kannten Heiko K.s später verlesenen Strafregisterauszug, in dem acht einschlägige Vorstrafen aufgelistet sind: Geldstrafen und Bewährungsstrafen. Er nahm Anzahlungen für Einbauküchen, obwohl er nie vorhatte, diese Küchen je zu liefern. Er unterschrieb Verträge für Arbeiten an Häusern, kassierte wieder Anzahlungen – die Arbeiten wurden entweder gar nicht oder nur unzureichend gemacht. In einem Fall setzte er auch einen arglosen Handwerker als Subunternehmer ein, der von den vereinbarten Zahlungen statt 10.000 Euro nur 2200 Euro bekam. Heiko K. selbst strich 18.000 Euro ein.

Die Haftbefehle gegen das Paar wurden nach der Urteilsverkündung ausgesetzt. Anke K. muss als Auflage 300 Stunden gemeinnützige Arbeiten leisten. Heiko K. ist arbeitslos. Das Entwickeln eine neuer Geschäftsidee konnte ihm vom Gericht nicht verboten werden.