Lehrerstreik

3500 Berliner Lehrer streiken für besseres Gehalt

Mehr als die Hälfte der Berliner Schulen waren vom Streik betroffen. Lehrer nahmen aber Rücksicht auf Prüfungen für MSA oder Abitur.

Kundgebung der streikenden Lehrer auf dem Potsdamer Platz

Kundgebung der streikenden Lehrer auf dem Potsdamer Platz

Foto: Florentine Anders

An 461 Schulen musste am Donnerstag Unterricht ausfallen oder vertreten werden, weil Lehrer gestreikt haben. Damit waren nach Angaben der Senatsverwaltung für Bildung mehr als die Hälfte der öffentlichen Schulen vom Ausstand der angestellten Lehrer betroffen. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), die alle angestellten Lehrer zu diesem ganztägigen Warnstreik aufgerufen hatte, zählte 3500 Streikende. „Unsere Erwartungensind übertroffen“, sagte Doreen Siebernik, Vorsitzende der GEW, auf der Kundgebung am Potsdamer Platz.

Die Gewerkschaft fordert Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD) zu Tarifverhandlungen auf, um die Unterschiede in der Bezahlung zwischen angestellten und verbeamteten Lehrern auszugleichen. Zudem sollen Grundschullehrer genauso bezahlt werden wie Lehrer an Oberschulen.

Viele Lehrer streikten nicht mit, um Prüfungen nicht zu gefährden

Die GEW-Vorsitzende warnte vor einer weiteren Verschärfung des Konflikts: „Bisher haben wir uns bemüht, keine Prüfungstermine zu treffen. Wir, aber auch die Schüler und Eltern, erwarten jetzt, dass der Finanzsenator eine Einladung zu Sondierungen nicht nur ankündigt, sondern sie auch ausspricht“, sagte Doreen Siebernik. Sollten diese Gespräche ernsthaft und zielorientiert sein, dann wären weitere Streiks vom Tisch. Andernfalls werde der Arbeitskampf fortgesetzt und dann wären massive Störungen des Schulbetriebs nicht mehr auszuschließen.

An vielen Sekundarschulen und Gymnasien fiel der Streiktag am Donnerstag auf die Präsentationsprüfung für die Zehntklässler und die Abiturienten. „Kollegen, die die Prüfungen abnehmen mussten, haben aus Rücksicht auf die Schüler verzichtet, zu streiken“, sagte Frank Ludwig, Lehrer der Carl-von-Ossietzky-Schule in Kreuzberg. An der Schule lernen Kinder von der ersten bis zur zehnten Klasse. „Es ist unfair, dass die Grundschullehrer weniger Geld bekommen, obwohl sie mehr Stunden unterrichten müssen“, ergänzte die Kollegin Ursula Dinter, die ebenfalls an der Gemeinschaftsschule unterrichtet.

Schüler zeigen Solidarität mit den streikenden Lehrern

Auch an der Gustave-Eiffel-Schule in Prenzlauer Berg war wegen der Präsentationsprüfungen nur ein Teil der angestellten Lehrer im Streik. „Normalerweise wären wir hier viel mehr“, sagte Bianca Ute Mende von der Sekundarschule. Die Schüler seien sehr solidarisch und würden das Anliegen der Lehrer unterstützen. „Im vergangenen Jahr haben die Zehntklässler uns am Fenster jubelnd zum Streik verabschiedet“, so die Lehrerin, die unter anderem Geschichte und Ethik unterrichtet.

Auch auf der Kundgebung am Donnerstag waren etliche Schüler unter den Demonstranten. So erklärten zum Beispiel die Schüler des Oberstufenzentrums Anna Freud auf Transparenten ihre Solidarität.

Studienräte bekommen für Arbeit in der Grundstufe mehr Geld als Grundschullehrer

Matthias Schwarz, Lehrer an der Kopernikus-Sekundarschule in Steglitz räumte ein, dass nicht alle Lehrer mit den Forderungen der Gewerkschaft einverstanden wären und sich deshalb nicht am Streik beteiligt hätten. So gebe es Gymnasiallehrer, die es ablehnten, das Grundschullehrer, das gleiche Gehalt bekommen sollen, wie sie. „Diese elitäre Haltung ist erschreckend“, sagte Schwarz.

Ryan Plocher sieht das genau so. Er ist Studienrat an der Fritz-Karsen-Gemeinschaftsschule in Neukölln. Auf Grund der fehlenden Grundschullehrer muss er häufig in den unteren Klassen aushelfen. „Es ist eine Unverschämtheit, dass ich dafür mehr Geld bekomme als die Kollegen, obwohl ich dafür gar nicht ausgebildet bin.“, sagte Plocher. Er habe überhaupt keine Ahnung vom jahrgangsübergreifenden Lernen und würde diese Arbeit ohne die Hilfe der Grundschullehrer gar nicht schaffen.

Finanzsenator hat GEW noch nicht zu Sondierungsgesprächen eingeladen

Aus Sicht des Finanzsenators Matthias Kollatz-Ahnen (SPD) würden Tarifverhandlungen auf Berliner Ebene das Ausscheiden aus der Tarifgemeinschaft der Länder bedeuten. Dennoch hatte der Finanzsenator seine Bereitschaft erklärt, gemeinsam mit der Gewerkschaft zu sondieren, wo es ein Entgegenkommen vom Land Berlin geben kann. Eine Einladung zu Sondierungsgesprächen steht nach Angaben der GEW jedoch noch aus.

Die Lehrer-Initiative „Bildet Berlin“ sieht nicht nur den Finanzsenator sondern auch die Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) in der Verantwortung. Bereits kurz nach dem Amtsantritt der Senatorin hätten viele Lehrer die gleiche Bezahlung von angestellten und verbeamteten Kollegen gefordert. Die Senatorin ignoriere die Anliegen ihrer Mitarbeiter und würde sich hinter dem Finanzsenator verstecken, sagte Florian Bublys von „Bildet Berlin“.