Stahnsdorf/Potsdam –

Stahnsdorf will bessere Anbindung

Bürgermeister und Unternehmen aus dem „Speckgürtel“ um Berlin fordern den Ausbau des Nahverkehrs: Mehr Taktzeiten, eine Verlängerung der S-Bahn.

Stahnsdorf/Potsdam.  Im „Green Park“ Stahnsdorf an der Ruhlsdorfer Straße haben sich etwa 90 Unternehmen mit rund 1000 Beschäftigten angesiedelt. Vor allem Handwerksbetriebe und mittelständische Firmen aus der Region. Aber auch Vodafone ist mit einem Callcenter hier. Zu finden sind auch der Hochtechnologieproduzent TDK und der Lasertechnikspezialist Spectra-Physics. Das Gewerbegebiet könnte jedoch weitaus stärker ausgelastet sein, glaubt Uwe Pieperjohanns, Vertriebsmanager des „Green Parks“. Seit Jahren kämpfen die Unternehmen in der Region gemeinsam für eine bessere Verkehrsanbindung.

„Derzeit fährt meist nur ein Bus in der Stunde zur S-Bahn nach Teltow“, sagt Pieperjohanns. „Jede halbe Stunde wäre für die Mitarbeiter aber wünschenswert.“ Er fasst die Stimmung zusammen: „Die angesiedelten Betriebe sind mit der Infrastrukturanbindung sehr unzufrieden.“ Seine Einschätzung: „Die Situation ist schon geschäftsschädigend.“ Es wäre viel einfacher, Ar­beitskräfte zu gewinnen, würde das Nahverkehrsangebot stimmen. Auch die versprochene Landesstraße L 77 zum Gewerbegebiet sei immer noch nicht gebaut, kritisiert der Vermarkter.

Nicht nur die Unternehmen im „Speckgürtel“ um Berlin fordern von der Landesregierung eine bessere Verkehrsanbindung, auch viele Bürger beklagen zu große Taktzeiten bei Bus- und Bahnverbindnungen. Am heutigen Donnerstag wollen die Bürgermeister mit Infrastrukturministerin Kathrin Schneider (SPD) über diese Wünsche sprechen. Vertreter von rund 30 Umlandkommunen waren bereits Anfang 2015 nach Potsdam eingeladen – zu einem „Dialog über Entwicklungsstrategien für Städte und Gemeinden mit steigenden Einwohnerzahlen“.

Eine der bundesweit am stärksten wachsenden Regionen

Die Region Kleinmachnow-Teltow-Stahnsdorf südwestlich von Berlin mit rund 60.000 Einwohnern gehört auf alle Fälle dazu. Sie zählt zu den am stärksten wachsenden Gebieten in Deutschland. Die CDU-Landtagsfraktion hat deshalb eine sogenannte „Stahnsdorfer Erklärung“ verabschiedet. Damit will sie ihren örtlichen Kandidaten Daniel Mühlner im Wahlkampf vor der für den 17. April geplanten Bürgermeisterwahl unterstützen. „Die Herausforderungen an die kommunale Infrastruktur sind immens, aber auch das Land Brandenburg ist in der Pflicht, die regionale Verkehrsinfrastruktur auszubauen“, heißt es in dem Positionspapier. Es müsse der Region ermöglicht werden, mit dem Bevölkerungswachstum Schritt zu halten. Auch Tausende von Pendlern seien auf eine zuverlässige und leistungsfähige Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln angewiesen.

Die CDU fordert dazu die Verlängerung der S-Bahnstrecke über Teltow nach Stahnsdorf. Derzeit verkehrt die S-Bahnlinie 25 zwischen Hennigsdorf und Teltow. Die benötigte Trasse sei zu weiten Teilen baulich noch frei­gehalten. „Für eine zukunftsfeste Infrastruktur im südwestlichen Berliner Umland“ müsse sich die Landesregierung neben der neuen Landesstraße 77 auch für die Verlängerung der S-Bahn und für die Reaktivierung der Stammbahnstrecke Berlin-Potsdam einsetzen, heißt es weiter. Nach einer CDU-Umfrage in Stahnsdorf und in der Teltower Region würden 97 Prozent der Befragten einen S-Bahnhof Stahnsdorf begrüßen.

Die Stammbahnstrecke Berlin-Potsdam war 1838 als erste Eisenbahnstrecke Preußens eröffnet worden – als Teilstück der Verbindung Berlin-Magdeburg. Die Reaktivierung dieser Verbindung zwischen Berlin-Zehlendorf über Kleinmachnow bis nach Potsdam könnte die beiden wachsenden Städte Berlin und Potsdam durch eine alternative Regionalverkehrstrasse verbinden. Ein Fahrrad-Highway sei streckenbegleitend denkbar, so die CDU. Die Deutsche Bahn habe sich für die Wiederbelebung der Stammbahn ausgesprochen, ebenfalls äußerten sich Vertreter des Berliner Senats positiv dazu. Die CDU-Landtagsfraktion fordert die Landesregierung daher auf, die Reaktivierung der Stammbahnstrecke voranzutreiben. Dafür kämpfen auch die Bürgermeister von Kleinmachnow, Teltow und Stahnsdorf.

Ministerium will Perspektiven bis 2030 entwickeln

Auf Anfrage der Berliner Morgenpost sagte der Sprecher des Infrastrukturministeriums, Steffen Streu: „Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg hat eine Korridoruntersuchung in Auftrag gegeben. Experten überprüfen Angebot und Nachfrage auf den Bahn- und Buslinien in Brandenburg.“ Daraus solle eine Perspektive bis 2030 entwickelt werden. Laut Streu ist damit zu rechnen, dass die Untersuchung in diesem Jahr abgeschlossen wird. Auf Basis der neuen Daten werde dann der neue Landesnahverkehrsplan erstellt.