Berlin

Flüchtlingsheim: Höhere Auflagen für Sicherheitsdienst

Betreiber zieht Konsequenzen aus Gewaltvorfall im Februar

Die Vorwürfe wiegen schwer: Am Abend des 25. Februar kam es in einer Notunterkunft für Asylbewerber an der Treskowallee in Lichtenberg zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Mitarbeitern der Sicherheitsfirma und Flüchtlingen. Nach Überzeugung des Betreibers, der Sozdia-Stiftung, ging die Gewalt von den Securitykräften aus. Dabei wurde Einrichtungsleiter Christoph Wiedemann schwer verletzt.

Am Mittwoch äußerte er sich erstmals nach seinem Krankenhausaufenthalt öffentlich zu den Geschehnissen. Vorstandschef Michael Heinisch erläuterte die Konsequenzen, die die Stiftung aus dem Vorfall zieht.

Wiedemann berichtete, an jenem Abend habe ein Bewohner der als Unterkunft genutzten Sporthalle angegeben, von Securitykräften geschlagen worden zu sein. Bei dem Versuch, den Fall aufzuklären, sei die Lage eskaliert. Flüchtlinge und Sicherheitsmitarbeiter bewarfen sich mit Holzlatten. Wiedemann wurde am Hinterkopf von einem metallenen großen Aschenbecher getroffen, fiel bewusstlos zu Boden. Zwei Videos und Zeugenaussagen würden belegen, dass ein Sicherheitsmitarbeiter den Gegenstand geworfen habe. Der Heimleiter erlitt einen Bruch der Stirnhöhlenvorderwand und des Nasenbeins, lag mehrere Wochen im Krankenhaus. Die Polizei ermittelt wegen gefährlicher Körperverletzung.

Den Vertrag mit dem Sicherheitsdienst hat die Stiftung gekündigt. Alle Mitarbeiter des neuen Dienstleisters müssen ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis vorlegen. Sie dürfen keine Waffen tragen, werden durch ein Namensschild identifizierbar, zudem darf kein Subunternehmen beschäftigt werden. Schließlich erarbeitet die Stiftung ein Beschwerdemanagement.

Heinisch berichtete, Sascha Langenbach, Sprecher der Senatssozialverwaltung, habe die Stiftung gebeten, nach den Vorfällen am 25. Februar nicht die Medien zu informieren. Dieser Bitte sei man nicht gefolgt. Langenbach wies diese Darstellung am Mittwoch strikt zurück und warf der Stiftung Rufschädigung vor. Er habe nur darum gebeten, die Stiftung möge sich mit ihm abstimmen, bevor sie an die Presse gehe.

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