Streit um Gehalt

Tausende angestellte Lehrer streiken heute in Berlin

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Florentine Anders
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft hat Tausende angestellte Lehrer zum Streik aufgerufen. Die Kundgebung findet am Potsdamer Platz statt

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft hat Tausende angestellte Lehrer zum Streik aufgerufen. Die Kundgebung findet am Potsdamer Platz statt

Foto: Florentine Anders

Heute streiken in Berlin die angestellten Lehrer. Was Sie über den Ausstand wissen müssen und welche Schulen betroffen sind.

In Berlin hat am Donnerstagmorgen ein ganztägiger Warnstreik der angestellten Lehrer begonnen. Mit ihm wollen die in der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) organisierten Lehrkräfte kurz vor den Osterferien noch einmal Druck auf den Senat ausüben. Bei einer Kundgebung auf dem Potsdamer Platz (ab 10.15 Uhr) wollen die Angestellten ihre Forderung unterstreichen, genauso bezahlt zu werden wie ihre verbeamteten Kollegen. Inzwischen sind nach Angaben der GEW mehr als die Hälfte der Berliner Pädagogen angestellt. Die Gewerkschaft hatte in den vergangenen Jahren immer wieder große Streiks organisiert.

Hier die wichtigsten Fragen und Antworten zum Streiktag:

Wer beteiligt sich an dem ganztägigen Ausstand?

Der Streikaufruf betrifft alle 12.500 angestellte Lehrer. Während beim ersten Warnstreik im Januar nur Lehrer einer beschränkten Zahl von Schulen zum Ausstand aufgerufen waren, wurde der Streik nun auf alle Schulen ausgeweitet. Die Gewerkschaft geht davon aus, dass sich mehrere Tausend Lehrer am Ausstand beteiligen werden. Um 10.15 Uhr ist eine Kundgebung auf dem Potsdamer Platz geplant. Verbeamtete Lehrer streiken nicht.

Welche Schultypen sind betroffen?

Der Streik betrifft alle Schultypen, von der Grundschule bis zur Abendschule für Erwachsene. „An vielen Grundschulen ist die Streikbereitschaft groß, weil die Lehrer hier besonders benachteiligt werden“, sagte die GEW-Vorsitzende Doreen Siebernik der Berliner Morgenpost. Aber auch an den Oberstufenzentren rechne die GEW mit großer Streikbereitschaft, denn die Lehrer für Fachpraxis an den beruflichen Schulen würden nach dem neuen Tarifvertrag der Länder schlechter gestellt als vorher.

Welche Auswirkungen hat der Streik an den Schulen?

Wie viel Unterricht ausfällt, hängt davon ab, wie hoch der Anteil der angestellten Lehrer an den jeweiligen Schulen ist. An einigen Gymnasien und Sekundarschulen müssen wegen des Streiks die Präsentationsprüfungen für den Mittleren Schulabschluss verschoben werden. Zum Beispiel stehen an der Friedensburg-Sekundarschule in Charlottenburg derartige Prüfungen an diesem Donnerstag an. „Wir konnten die Prüfungen für die betroffenen Schüler auf Freitag verlegen“, sagte Schulleiter Sven Zimmerschied. Etwa die Hälfte der Lehrer an der Sekundarschule ist angestellt. Am Donnerstag würden dann hauptsächlich die verbeamteten Lehrer Prüfungen abnehmen und am Freitag vor allem die angestellten Kollegen, so der Schulleiter.

Wie gehen Grundschulen mit dem Problem um?

An der Wedding-Grundschule in Wedding zum Beispiel wurde den Eltern der Kinder von drei Klassen freigestellt, ob sie die Kinder an diesem Donnerstag zur Schule schicken. „Die Betreuung der Kinder ist natürlich gewährleistet, aber es wird kein Unterricht stattfinden“, sagte der Lehrer Philipp Lorenz. An der Lenau-Grundschule in Kreuzberg hat die Gesamtelternvertretung in einem Brief die Eltern gebeten, die Kinder möglichst zu Hause zu behalten und damit die streikenden Lehrer zu unterstützen. Auch die Grundschule am Ritterfeld in Kladow informierte die Eltern in einem Schreiben, dass es am Donnerstag zu Ausfällen im Unterricht kommen werde. Grundsätzlich gilt an Grundschulen, dass die Betreuung der Kinder bis 13.30 Uhr gewährleistet sein muss, auch wenn kein Unterricht stattfindet. Häufig müssen dann die Erzieher aus dem Hort für die Betreuung einspringen.

Wofür streiken die Lehrer?

Die Gewerkschaft fordert, dass alle Lehrer gleich bezahlt werden. Einkommensunterschiede zwischen angestellten und verbeamteten Lehrern sollen ausgeglichen werden. Außerdem sollen Grundschullehrer genauso viel verdienen, wie Lehrer an Sekundarschulen oder Gymnasien, denn nach der Reform der Lehrerbildung gibt es keine Unterschiede mehr bei der Dauer des Studiums. Gleiche Arbeit, gleiche Bezahlung, lautet das Motto der Gewerkschaft.

Welche Haltung nimmt der Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD) dazu ein?

Der Finanzsenator lehnt Tarifverhandlungen auf Berliner Ebene ab, denn Berlin ist Mitglied in der Tarifgemeinschaft der Länder. Die Länder hatten sich im vergangenen Jahr auf eine einheitliche Bezahlung der angestellten Lehrer geeinigt. Mit einer Sonderregelung würde Berlin nun riskieren, aus der Tarifgemeinschaft ausgeschlossen zu werden, argumentiert Kollatz-Ahnen.