Treptow-Köpenick

Traditionslokale in Grünau verfallen – trotz Denkmalschutz

Der Ortsverein will das Riviera und das Gesellschaftshaus Grünau retten. Das Bezirksamt streitet mit der Eigentümerin.

Von der alten Pracht des  Gesellschaftshauses in der Regattastraße ist nicht viel übrig

Von der alten Pracht des Gesellschaftshauses in der Regattastraße ist nicht viel übrig

Foto: dpa Picture-Alliance / Berliner Verlag/Steinach / picture alliance / ZB

Der Verfall der denkmalgeschützten alten Ausflugsgaststätten Riviera und Gesellschaftshaus in Grünau schreitet voran. Putz und Farbe bröckeln ab. Dächer sind undicht, Teile der Decke eingefallen. Kronleuchter, Parkett und marmorne Wandverkleidung seien verschwunden, sagt Anwohner Nils Schultze, der sich im Ortsverein Grünau engagiert.

Der Verein hat am Dienstag zu einer Diskussion eingeladen. Er fordert, dass die traditionsreichen Bauten erhalten bleiben und dass das Bezirksamt Treptow-Köpenick und der Senat sich stärker für die Einhaltung des Denkmalschutzes einsetzen.

Die Anwohner fürchten, dass die Grundstücke zu einem hohen Preis weiterverkauft und teure Wohnungen auf dem Gelände an der Dahme gebaut werden sollen. „Wir wollen, dass Riviera und Gesellschaftshaus wieder allen offen stehen und zur touristischen Attraktion werden“, so die Architektin und Grünauerin Mechthild Schultze.

Berühmt für ihre prächtigen Säle und Bälle

Die beiden Traditionsgaststätten wurden Ende des 19. Jahrhunderts errichtet, waren für ihre großen Säle berühmt – und wegen des Biergartens mit Palmen. Bälle, Feste und Veranstaltungen mit mehreren Hundert Gästen fanden in Grünau statt. Das Gesellschaftshaus hat hohe Fenster und einen umlaufenden schmiedeeisernen Balkon. Eine Art déco Bar und eine Stuckdecke gehören zu den Attraktionen des Riviera. Nach dem Fall der Mauer schlossen die Gaststätten. In der Folge ging auch die benachbarte Dampferanlegestelle außer Betrieb.

Vor etwa zehn Jahren verkaufte die Treuhand Liegenschaftsgesellschaft die Grundstücke an eine Geschäftsfrau aus der Türkei. Doch die Gebäude verfielen. Das Bezirksamt forderte die Eigentümerin mehrmals auf, die Gebäude zu sichern und dem Denkmalschutz gerecht zu werden, allerdings mit wenig Erfolg. Wie im Falle eines Stützgerüstes, das verhindern sollte, dass das Dach einstürzt. Als das nicht geschah, ließ die Behörde das Gerüst installieren. Kosten: 112.000 Euro. Die Eigentümerin klagte dagegen beim Verwaltungsgericht und bekam im Januar 2016 Recht.

Eigentümerin lässt die Gebäude nicht sichern

Das Bezirksamt werde gegen dieses Urteil in Berufung gehen, sagt Baustadtrat Rainer Hölmer (SPD). Außerdem sei das Bezirksamt im Gespräch mit dem Rechtsvertreter der Grundstückseigentümerin, um auszuloten, ob es Möglichkeiten einer Einigung gibt. Der SPD-Abgeordnete Robert Schaddach schlug dem Amt vor, gegen die Eigentümerin ein Enteignungsverfahren gemäß dem Berliner Denkmalschutzgesetz einzuleiten, weil sie die Bauten immer weiter verfallen lasse.

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