Reinickendorf

Unterschriftenaktion für Weiterbau der U8 gestartet

Vor 40 Jahren wurde den Bewohnern des Märkischen Viertels der Anschluss an die U-Bahn versprochen. Jetzt sollen Unterschriften helfen.

Der CDU-Abgeordnete Michael Dietmann (l.) und Reinickendorfs Bezirksbürgermeister Frank Balzer (CDU) haben am Dienstag auf dem Wilhelmsruher Damm eine Unterschriftenaktion zum Weiterbau der U-Bahnlinie 8 gestartet

Der CDU-Abgeordnete Michael Dietmann (l.) und Reinickendorfs Bezirksbürgermeister Frank Balzer (CDU) haben am Dienstag auf dem Wilhelmsruher Damm eine Unterschriftenaktion zum Weiterbau der U-Bahnlinie 8 gestartet

Foto: Bezirksamt Reinickendorf / BM

„Mehrere Hundert Meter sind bereits untertunnelt – es fehlen lediglich noch ein weiterer Kilometer und ein Endbahnhof.“ Mit diesem und weiteren Argumenten hofft Michael Dietmann, Wahlkreisabgeordneter der CDU im Märkischen Viertel, auf zahlreiche Unterstützer für die am Dienstag gestartete Unterschriftenaktion. Diese macht sich dafür stark, ein den Bewohnern vor mehr als 40 Jahren gegebenes Versprechen endlich einzulösen: Den Weiterbau der U-Bahnlinie 8 in das Märkische Viertel.

35.000 Menschen ohne Anschluss an das U-Bahn-Netz

„Es ist doch widersinnig, dass die U-Bahn kurz vor dem Märkischen Zentrum abbricht und 15.000 Wohnungen, in denen 35.000 Menschen leben, nicht an das U-Bahnnetz angebunden sind“, sagt auch Reinickendorfs Bezirksbürgermeister Frank Balzer (CDU). Gemeinsam mit Dietmann steht er an diesem windig-kalten Vormittag auf dem Wilhelmsruher Damm vor dem U-Bahnhof Wittenau und verteilt Unterschriften-Karten und Info-Flyer an die Passanten.

Und die sind durchaus nicht abgeneigt, ihre Unterschrift zu leisten. „Natürlich ist es ärgerlich und zeitaufwendig, wenn man jedes Mal erst in den Bus umsteigen muss, nur um einen Kilometer weiter bis zum Märkischen Zentrum zu fahren“, sagt Marvin Schulz. Der 21-Jährige, der nahe dem U-Bahnhof Paracelsusbad wohnt, besucht regelmäßig seine Freundin, die im „MV“, im Märkischen Viertel, wohnt. Er gehe deshalb davon aus, dass die Petition für den Weiterbau „massenhaft“ Unterstützer findet.

Bund übernimmt 60 Prozent der Baukosten

Bis Mitte Juni will Dietmann, der auch schon an den Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) und Bausenator Andreas Geisel (SPD) geschrieben und um Unterstützung für das Projekt gebeten hat, nun weitersammeln. „Jetzt ist der richtige Moment, das Bauvorhaben endlich anzugehen“, ist der Politiker überzeugt. Schließlich habe er aus dem Bundesverkehrsministerium die Zusage bekommen, dass die Förderung des U-Bahnbaus auch über 2019 hinaus mit Bundesmitteln geplant sei.

Bis zu 60 Prozent der Baukosten könnten demnach vom Bund übernommen werden. „Berlin müsste dann lediglich 24 Millionen Euro kofinanzieren“, rechnet er vor. Experten hätten die Gesamtkosten der U-8-Verlängerung auf rund 60 Millionen Euro geschätzt. Das Geld wäre gut angelegt, denn „der irre Busverkehr“ mit fast 800 Fahrten täglich auf dem Wilhelmsruher Damm sei ein Kostenfaktor für die BVG – und eine enorme Lärmbelastung für die Anwohner.

Senator befürchtet „Parallelverkehr“ zwischen Bus und U-Bahn

Im Hause des Bausenators sieht man das Vorhaben jedoch kritisch. Die geforderte U-Bahn-Verlängerung klinge einfach, weil es vermeintlich nur um einige hundert Meter gehe“, so Martin Pallgen, Sprecher des Senators. Die U-Bahn würde aber nicht alle Verkehrsbedürfnisse gleichermaßen bedienen: Neben der Anbindung an die Innenstadt über die U-Bahn sei auch die Feinerschließung des Märkischen Viertels zu gewährleisten. „Buslinien ins Märkische Viertel und an den U- und S-Bahnhof Wittenau wären mit einer verlängerten U-Bahn nach wie vor erforderlich“, sagt Pallgen.

Dies würde einen Parallelverkehr zwischen Bus und U-Bahn zur Folge haben, der den Nutzen einer U-Bahn-Verlängerung reduziert und damit eine Wirtschaftlichkeit in Frage stellt. Auch ein U-Bahn-Teilstück von „nur“ 500 Metern Länge erfordert einen hohen finanziellen Aufwand. Für den Bausenator, so Pallgen weiter, liege der Schwerpunkt in den nächsten Jahren daher auf der Sanierung der Bestandsstrecken und dem deutlich kostengünstigeren und schneller zu realisierenden Ausbau des Straßenbahnnetzes.