Stadtplanung

Raus aus dem Zelt

Für den Standort der Bar jeder Vernunft gibt es neue Planungen. Neben dem Festspielhaus könnte ein neuer Stadtplatz entstehen

Die Bar jeder Vernunft soll aus ihrem Spiegelzelt ausziehen und ein festes Haus bekommen

Die Bar jeder Vernunft soll aus ihrem Spiegelzelt ausziehen und ein festes Haus bekommen

Foto: POP-Eye / Heinrich / BM

Der Ludwigkirchplatz in Wilmersdorf gilt unter Stadtplanern als ein urbaner Ort mit hoher Aufenthaltsqualität. Nicht weit davon entfernt liegt das Gegenbeispiel: der Gerhart-Hauptmann-Platz zwischen dem Haus der Berliner Festspiele und der Universität der Künste. Zentrales Element ist ein schon etwas heruntergekommenes Parkdeck, auf dem die Bar jeder Vernunft steht. Eine Ecke, zentral gelegen und doch eigentümlich unbelebt. Das soll sich ändern.

In der Akademie der Künste am Hanseatenweg wird im Rahmen der Ausstellung „DEMO:POLIS – Das Recht auf öffentlichen Raum“ ein städtebaulicher Entwurf präsentiert, der Freiraum schafft, also Platz für einen Platz, der diesen Namen verdient und mit dem dieses Areal belebt werden soll. Und soll damit zugleich eine Diskussion über die künftige Nutzung angeschoben werden.

Am Montag stellte die Akademie der Künste das Modell zum „Masterplan Gerhart-Hauptmann-Platz“ von Guido Hager vor, das Büro des Schweizer Landschaftsarchitekten hat unter anderem den Wettbewerb zur Neugestaltung der Rheinterrassen in Basel gewonnen. Zur Präsentation waren die ortsansässigen Kulturschaffenden gekommen, also Festspiele-Intendant Thomas Oberender, Martin Rennert, der Präsident der Universität der Künste (UdK), und Holger Klotzbach, Chef der Bar jeder Vernunft und Pächter des Parkdecks.

Aber auch Marc Schulte, SPD-Baustadtrat des zuständigen Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf, und Stefan Evers, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CDU im Abgeordnetenhaus, und ein Vertreter der Bürgerinitiative Fasanenplatz. Die engagiert sich seit 2002 für die Stärkung des Kulturstandortes und gegen Pläne von wechselnden Investoren, die das Areal bebauen wollen.

Das Parkdeck soll abgerissen und der Park erweitert werden

Zentraler Aspekt des Entwurfs ist, dass das Parkdeck abgerissen werden soll, die Bar jeder Vernunft einen festen neuen Bau nahe der Fasenstraße bekommt und der südlich angrenzende Gerhart-Hauptmann-Park erweitert wird. UdK-Präsident Rennert bezeichnete das Areal als „einen der großen Entwicklungspunkte der City West“. Er möchte die Hochschule, deren Zugänge an der Bundesallee liegen, an der rückwärtigen Seite zum Festspielhaus hin öffnen. Der „Zentrale Platz für temporäre Nutzungen“ zwischen beiden Einrichtungen könnte „mit Veranstaltungen jeder Art gefüllt werden“. Ein Freiraum, von dem sich Künstler inspirieren lassen sollen.

Festspiele-Intendant Oberender schwebt ein „italienisch anmutender Platz“ mit Café und Restaurant vor, auf dem „kulturelle Aktivitäten neu verortet“ werden könnten, auch durch neue Reihen oder Formate der Festspiele. Oberender zog für das künftige „Kulturquartier“ Parallelen zum Humboldtforum, derzeit noch eine Baustelle, und dem Kulturforum – derzeit noch ein öder Platz, der durch das Museum der Moderne belebt werden soll.

Baustadtrat will einen Kompromiss

Die kulturellen Blütenträume konterkarierte Baustadrat Schulte, der den Entwurf als „Wohlfühlplanung“ bezeichnete und darauf hinwies, dass es in der Stadt einen „Drang zur Verdichtung“ gebe. Und für den Gerhart-Hauptmann-Platz einen Investor, der, wie Schulte bedauerte, zu diesem Termin in der Akademie nicht geladen worden sei. Dieser Investor plant ebenfalls den Abriss des Parkdecks und die Verlegung der Bar jeder Vernunft, möchte aber gleichzeitig einige Bürohäuser auf den Freiflächen zwischen Universität der Künste und Festspielhaus errichten und außerdem eine Tiefgarage bauen. „Sie brauchen doch vielleicht auch noch Büroräume“, versuchte der Baustadtrat eine Brücke in Richtung UdK und Festspielhaus zu bauen. Er plädierte für die Suche nach einem Kompromiss und machte klar, dass Verdichtung nur gehe, wenn sie den Kulturstandort nicht gefährde.

Noch gibt es keinen Bebauungsplan

Ein bisschen schwanger geht bekanntlich nicht, insofern kommt es schon auf den Investor an. Laut Holger Klotzbach von der Bar jeder Vernunft, der die Umzugspläne begrüßt, gehören dem Investor zwei Drittel der Parkhaus- beziehungsweise Parkplatzfläche, der Rest sei Eigentum der UdK. Für das Areal gibt es derzeit keinen Bebauungsplan.

Stefan Evers, Wilmersdorfer CDU-Abgeordneter, dessen Wahlkreis auch das Gebiet um das Festspielhaus einschließt, setzt auf ein Engagement von Land oder Bund. Der Politiker schlug vor, ein Gutachten in Auftrag zu geben, um den Wert der Flächen zu ermitteln. Mit dem Ziel, dem Investor ein Angebot zum Verkauf machen zu können, vorausgesetzt, Berlin hätte auch ein Interesse am Erwerb. Plan B wäre aus Sicht von Evers der Kauf der Flächen durch den Bund. Der hat ja zumindest schon einmal investiert, als er vor ein paar Jahren das Haus der Berliner Festspiele erworben hatte.