Architektur

Teltow-Connection siegt beim Schinkel-Wettbewerb

Nachwuchsarchitekten präsentieren ihre Ideen für die Neugestaltung eines ehemaligen Werftgeländes im Süden von Berlin.

Foto: AIV-Schinkel-Wettbewerb 2016

Die Teltow-Connection – das klingt nach einer Fortsetzung des Thrillers „French Connection“ im kleinstädtischen Milieu. Auch bei der Teltow-Connection geht es um Vernetzung, durchdachte Strukturen, Szenarien – nur soll damit eine positive Entwicklung angeschoben werden. Es geht um eine neue Verbindung der Gebiete rechts und links des Teltowkanals, um eine Verknüpfung der Stadt Teltow mit Zehlendorf. Teltow-Connection – so heißt der Siegerentwurf des diesjährigen Schinkel-Wettbewerbs, den Tatjana Busch und Elisabeth Stieger, beide Studentinnen der Landschaftsarchitektur an der Technischen Universität (TU) Berlin, eingereicht haben.

Zum 161. Mal hatte der Architekten- und Ingenieur-Verein (AIV) zu Berlin in diesem Jahr junge Planer aufgerufen, sich an dem nach eigenen Angaben größten deutschen Nachwuchsförderwettbewerb zu beteiligen. 260 Studierende und Absolventen bis 35 Jahre aus Deutschland und der Schweiz haben sich an der „Werkstatt der Ideen“ beteiligt. Insgesamt 109 Arbeiten wurden von den Teams eingereicht. Neben dem Siegerentwurf wurden zehn weitere prämiert. Die Preisverleihung ist an diesem Sonntag (13. März 2016), 18 Uhr, in der Akademie der Künste.

Keine Idee sollte zu verrückt sein

Aufgabe war es, das Gebiet rund um die ehemalige Teltow-Werft im südlichsten Zipfel Zehlendorfs neu zu gestalten. Als „Zwischenstadt“ bezeichnet AIV-Sprecher Jörg Brause das Gelände zwischen Sachtlebenstraße im Norden, Ruhlsdorfer Platz im Süden, der Teltow-Werft im Westen und Alt-Schönow im Osten. Geprägt ist es von einem Patchwork aus Industrie, Wohnhäusern, Kleingärten, Wald, Wasser. Wie kann das Areal entwickelt werden? Das war die Frage, die beantwortet werden sollte. Ob Seilbahn oder Straßenbahn – keine Idee sollte zu verrückt sein. Eingegangen sind Vorschläge wie der Bau neuer Brücken und Wege, Klosterzellen oder ein Naturbad.

Im Siegerentwurf Teltow-Connection haben die beiden Studentinnen zwei Brücken, die im Zweiten Weltkrieg zerstört wurden, wieder eingeplant. Diese sollten nicht nur Teltow und Zehlendorf besser verbinden, sondern auch den Verkehr entzerren, sagt Tatjana Busch. Auf Teltower Seite haben sie die drei Kreisverkehre als stadtplanerische Sünde ausgemacht. „Da hat die Stadt viel Fläche vergeben“, sagt die 28-Jährige. Den Raum haben sie neu geordnet, Fußgängern und Radfahrern mehr Platz gegeben. Eine Besonderheit in dem Entwurf: Das Ufer des Teltowkanals wird mit Stegen und Treppen auf beiden Seiten öffentlich zugänglich gemacht. Die Jury lobt an dem Entwurf „die Einfachheit und Klarheit der eingesetzten Mittel“. Der Plan sei ein großer Gewinn für beide Seiten des Kanals.

Ein öffentliches Naturbad mit Schilfanlagen

Mit einem Sonderpreis wird ein weiteres Team der TU ausgezeichnet. Max Rudolph und Nikita Suerhoff haben sich das Gebiet zwischen Rammrath-Brücke in Teltow und Eugene-Kleine-Brücke in Zehlendorf angesehen. Den Weg zwischen Kanal und altem Klärwerk wollen sie als Radweg anlegen. Darüber führt eine Brücke zum Klärbecken, das sie zu einem öffentlichen Naturbad mit Schilfanlagen umgestaltet haben. Eine weitere Idee ist, das Dach eines Supermarkts auf Teltower Seite für Sport- und Spielflächen zu nutzen.

Mit dem Gelände der Teltow-Werft, die 1907 erbaut wurde und unter Denkmalschutz steht, setzt sich das Team um Jacob Mau von der Beuth-Hochschule und der Hogeschool van Amsterdam auseinander. Für ihre Idee einer „Körperwerft“ werden sie mit einem Sonderpreis für Denkmalpflege ausgezeichnet.

Statt Schiffe könnten Körper „repariert“ werden

Namensgebend sei die Idee, die historische Nutzung zu redefinieren, so das Team. Wo früher Schiffe aufgearbeitet wurden, könnten heutzutage Körper „repariert“ werden. Dazu wollen sie den alten Lokschuppen zu einer Mischung aus Fitnessstudio und Gemeinschaftssportanlagen ausbauen. Wasserwanderer, besonders der Kajaksport, sollen gefördert werden. Über das Hafenbecken und die funktionstüchtige Slipanlage könnten sie direkt „in See stechen“. Im ehemaligen Elektrizitätswerk haben sie ein Hostel eingerichtet. Wie in einer Klosterzelle sollen die Schlafboxen Abgeschiedenheit bieten. Die Studenten kombinieren in ihrem Entwurf Bestands- mit Neubauten, alte Hafenarchitektur und Backsteinästhetik mit der Einfachheit einer Klosteranlage. Ihre Ideen gehen noch weiter: Kleingärtner könnten ihre Ernte auf dem Gelände verarbeiten und verkaufen.

Die Entwürfe des Schinkel-Wettbewerbs sind Ideen, Anregungen, Visionen. Sie können aber auch Eingang in die Realität finden. So sei bei der Buga in Rathenow eine Bogenbrücke aus einem Wettbewerbsbeitrag gebaut worden, sagt AIV-Sprecher Brause. Im Stadtplanungsamt Steglitz-Zehlendorf liegen konkrete Pläne für die Teltow-Werft vor. Im Bauausschuss hätten Architekten eines Bauträgers Pläne für den Neubau von 175 Wohnungen in drei- bis fünfgeschossigen Häusern vorgestellt, sagt Baustadtrat Frank Mückisch (CDU). Allein im Hafenbecken sind 40 Wohnungen geplant. Dafür werde der Bebauungsplan vorbereitet, so Mückisch weiter. Das heißt: Zeit genug wäre noch, sich von den Entwürfen aus dem Wettbewerb inspirieren zu lassen.

Eine Ausstellung der prämierten Arbeiten ist bis 24. März 2016 im Foyer der Universität der Künste, Hardenbergstraße 33, zu sehen.

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