Kundgebungen

Rechtsextreme mobilisieren in Berlin Tausende Menschen

Vom Hauptbahnhof zogen 2300 rechte Demonstranten zum Pariser Platz. Ihnen standen 1000 Gegendemonstranten gegenüber.

Die einen machen sich mit ihrem Motto warm: „Merkel muss weg! Merkel muss weg!“. Die andere Seite antwortet mit dröhnender Trommelmusik. Ein neuer Versuch: „Wer Deutschland nicht liebt, muss Deutschland verlassen!“ Doch jetzt fährt die Gegenseite schwere Geschütze auf – und spielt „Atemlos“ von Helene Fischer.

Lärmtechnisch gewinnen an diesem Sonnabendnachmittag die Teilnehmer der Gegendemonstration. Ein Bündnis aus den Parteien des Abgeordnetenhauses, diverser Gewerkschaften und Sozialverbände. Sie haben auf den Washingtonplatz am Hauptbahnhof geladen, um der Initiative „Wir für Berlin & Wir für Deutschland“, die sich nur rund 100 Meter entfernt postiert hat, die Stirn zu bieten. 1300 Polizisten sichern die Veranstaltungen, die bis 18 Uhr weitgehend störungsfrei verliefen.

Personell ist das Bündnis unterlegen. Rund 1000 Menschen wurden mobilisiert, auf der Gegenseite sind es dreimal so viele. Innensenator Frank Henkel (CDU) hatte vorab eine „niedrige dreistellige Zahl“ angekündigt. Doch offenbar sind mehr Berliner der Meinung, dass die Bundeskanzlerin abtreten sollte, als gedacht. Die Forderungen von „Wir für Berlin & Wir für Deutschland“ gehen noch weiter, sie reichen vom Ende der „EU-Diktatur“ über das gezielte Fördern der Talente von Kindern und der Abschaffung der Massentierhaltung.

Nächste Demonstration schon angekündigt

Beobachter ordnen die Initiative als rechtsextreme Splittergruppe ein. Der Verfassungsschutz bestätigt eine enge Verbindung zu den gewaltbereiten Hooligans von HaGeSa (Hooligans gegen Salafisten). „Wir hetzen nicht gegen Flüchtlinge“, sagt indes Mitbegründer Enrico Stubbe, der sich bis vor wenigen Monaten beim Berliner Pegida-Ableger Bärgida engagierte und inzwischen im Bundesvorstand der rechtsextremen Partei „pro Deutschland“ sitzt.

Zu seiner Veranstaltung hat Stubbe einige prominente Gegner aus der rechten Szene geladen. Etwa den ehemaligen Schweizer Pegida-Sprecher Ignaz Bearth, der Merkel und die Bundesregierung schon mal als „die wahren Nazis in Berlin“ bezeichnete. Gegen 18 Uhr erreichte der Zug seinen Endpunkt am Pariser Platz. 32 Personen wurden wegen Vermummung, Elektroschocker und Pfeffersprays kontrolliert. Der Versuch, die Nationalhymne zu singen, scheiterte an einer Mikrofonpanne. I

In vier Wochen solle es erneut eine Demo geben, kündigte die Initiative an. Eine nicht genehmigte Spontan-Demo der Gegner vom S-Bahnhof Friedrichstraße Richtung Hauptbahnhof hatte die Polizei auch mit Hilfe von Pfefferspray zuvor aufgelöst.

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