Bebauungsplan

Rangierbahnhof Schöneweide soll Gewerbegebiet werden

Noch ist es ein Naturparadies. Doch schon bald soll der Rangierbahnhof Schöneweide Platz schaffen für Gewerbe und Produktionsbetriebe.

Senat und Bahn gehen davon aus, dass sich die brachliegenden Flächen des Rangierbahnhofs gut vermarkten lassen

Senat und Bahn gehen davon aus, dass sich die brachliegenden Flächen des Rangierbahnhofs gut vermarkten lassen

Foto: Deutsche Bahn

Noch ist es ein Naturparadies. Zauneidechsen tummeln sich auf dem Gelände des ehemaligen Rangierbahnhofs Schöneweide. Seltene Vögel wie Heidelerchen, Brachpieper und Steinschmätzer brüten. Alte Eichen werfen ihre Schatten. Biotope wie Magerrasen und Halbtrockenrasen haben sich entwickelt.

Doch das wird nicht so bleiben. Denn das Gebiet, wegen seiner Form als „Gleislinse“ bezeichnet, eignet sich hervorragend für die Ansiedlung von Gewerbe und Produktionsbetrieben. Es grenzt an den Technologiepark Adlershof, der kaum noch freie Flächen für Neuansiedlungen hat.

DB, Netz, Senat und Bezirk schließen Rahmenvertrag

Um dieses neue Gewerbegebiet zu entwickeln, haben die DB Netz AG, die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und der Bezirk Treptow-Köpenick einen Rahmenvertrag abgeschlossen. Ein Bebauungsplan ist aufgestellt. Senat und Bahn gehen davon aus, dass sich die brachliegenden Flächen des Rangierbahnhofs gut vermarkten lassen. Gut ist auch die Erreichbarkeit des Geländes, in der Nähe der A113 und der S-Bahn.

Auch Anwohner und die Beschäftigten im Technologiepark werden etwas von dem neuen Gebiet haben. Denn es wird erstmals für jedermann zugänglich. Eine Grünanlage ist geplant. Eine Brücke für Fußgänger und Radfahrer über die Gleise und das Adlergestell wird gebaut. Am Betriebsbahnhof Schöneweide ist ein Quartiersplatz geplant. Durch das Gelände werden zwei neue Straßen führen. Die Benno-König-Straße verbindet den Groß-Berliner Damm mit der S-Bahnstation Betriebsbahnhof Schöneweide. Die Wagner-Régeny-Straße wird verlängert und erschließt das Gebiet in Nord-Süd-Richtung.

Denkmalgeschützte Gebäude bleiben unangetastet

Der Rangierbahnhof liegt zwischen den Gleisen der S-Bahn und der Fernbahn. 1904 wurde er in Betrieb genommen, 1998 stillgelegt. Das Gelände ist etwa 45 Hektar groß. Das Land Berlin hat für 3,6 Millionen Euro Flächen von der Deutschen Bahn gekauft. Weitere 21,6 Millionen sind kalkuliert, um das Bebauungsplanverfahren zum Gelände, neue Straßen und die Brücke zu finanzieren. Die Deutsche Bahn beteiligt sich an den Kosten. Außerdem werden Fördermittel der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ eingesetzt. Etwa 4,8 Millionen zahlt Berlin. Geplant ist, dass fast 33 Hektar Gewerbeflächen und 3,2 Hektar öffentliche Grünflächen entstehen.

Etwas jedoch bleibt unangetastet. Es sind die alten, denkmalgeschützten Gebäude des einstigen Rangierbahnhofs. Dazu gehört ein Lokschuppen mit einer 23 Meter breiten Drehscheibe und 20 Torbögen zur Einfahrt in die Lokomotivstände, ein Wasserturm und mehrere Dienstgebäude. 15 Loks, ein Eisenbahndrehkran und etwa 30 Personen- und Güterwagen stehen auf dem Gelände. Der Verein Dampflokfreunde hat diese Fläche langfristig gepachtet.

Zauneidechsen nach Lichtenberg

Die Zauneidechsen bekommen eine neue Heimat im Landschaftspark Herzberge in Lichtenberg. Ab Frühjahr 2016 sollen die Reptilien Schritt für Schritt umziehen. Immer wenn ein Grundstück auf dem neuen Gewerbegelände benötigt wird, sollen die Zauneidechsen eingesammelt und umgesiedelt werden. Weitere acht Hektar sollen als Lebensraum auf dem Gelände der Gleislinse hergerichtet werden.

Zehn Hektar Fläche für Heidelerchen, Brachpieper und Steinschmätzer werden im Wildgehege Glauer Tal im brandenburgischen Landkreis Teltow-Fläming geschaffen. Weil fast 150 Bäume gefällt werden, sind Neupflanzungen auf dem Gelände geplant. Zum Ausgleich soll auch eine Aufforstung in der Köllnischen Heide in Adlershof beitragen. Doch werde der Eingriff in die Natur nicht vollständig, sondern nur zu 75 Prozent kompensiert, heißt es in den Planungsunterlagen. Die wirtschaftliche Entwicklung hätte Vorrang gegenüber dem 100-prozentigen Naturschutz.

Bedenken gegen das neue Gewerbegebiet haben die Grünen. „Berlin sollte den Rangierbahnhof Schöneweide als Flächenreserve erhalten“, meint der Grünen-Abgeordnete Harald Moritz. „Wenn sich eines Tages der Güterverkehr von der Straße auf die Schienen verlagert, dann braucht man Umschlagflächen.“ Kritisch sehe er auch, dass die Ersatzlebensräume für seltene Vögel nicht mehr in Berlin gefunden worden seien. Neue Gewerbeflächen gebe es nicht nur auf dem Rangierbahnhof, sondern etwa auch in Oberschöneweide und im Business Park am neuen Großflughafen BER, so der Abgeordnete.