Prozess in Berlin

Fahrkarten-Betrug in 1600 Fällen - 33-Jähriger vor Gericht

Der mutmaßliche Trickbetrüger steht in Berlin vor Gericht. Mit der Masche entstand bei der Bahn ein Schaden von mehr als 700.000 Euro.

Gerade einmal eineinhalb Jahre brauchte ein findiger Betrüger, um die Deutsche Bahn AG um mehr als 700.000 Euro zu erleichtern. Die Berliner Staatsanwaltschaft ist nach langen und aufwendigen Ermittlungen fest davon überzeugt, dass Thiery I. dieser Betrüger ist. Seit Donnerstag muss sich der im Rheinland geborene Deutsche mit nordafrikanischen Wurzeln vor dem Landgericht Moabit verantworten.

Die Anklage wirft ihm vor, zwischen Februar 2013 und Oktober 2014 mit betrügerisch erlangten Kreditkartendaten ahnungsloser Opfer im Internet Fahrscheine der Deutschen Bahn gekauft und dann gleichfalls über das Internet gewinnbringend weiterverkauft zu haben. Exakt 1686 Mal soll er diese Masche angewandt und damit dem Bahnkonzern einen Gesamtschaden von 735.725 Euro zugefügt haben. Angeboten hat er auf diversen Reiseportalen im Internet offenbar vor allem Tickets für Fahrten zwischen deutschen Großstädten wie Berlin, Hamburg, Köln oder Frankfurt. Die wurde er vor allem wegen des günstigen Preises stets schnell los.

Von Berlin und von Thailand aus tätig

Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft hat I. seine kriminellen Geschäfte teilweise von Berlin und teilweise von Thailand aus getätigt. Dabei soll er auf ein gut funktionierendes Netz von Mittätern und Helfern zurückgegriffen haben. Die verschafften ihm die Kreditkartendaten oder richteten Konten ein, über die der Weiterverkauf der Fahrscheine abgewickelt wurde.

Als ihm die Ermittler endlich auf die Schliche gekommen waren, setzte sich der Angeklagte nach Thailand ab. Dort wurde I. aufgrund eines internationalen Haftbefehls im vergangenen Jahr festgenommen und im September 2015 nach Deutschland ausgeliefert. Sollten die Vorwürfe zutreffen, wäre es schon das zweite Mal, dass der 33-Jährige sich die Bahn AG als Opfer aussucht. Für eine ähnliche Betrugsserie wurde I. bereits vor Jahren in Köln zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Sonderlich beeindruckt hat ihn diese Verurteilung offenbar nicht. Direkt danach soll er mit den Betrügereien begonnen haben, für die er jetzt auf der Anklagebank sitzt.

Prozessbeteiligte ist in diesem Fall auch die Bahn AG als sogenannte Adhäsionsklägerin. Denn der Konzern möchte zumindest einen Teil des Geldes zurück. Seine beiden Anwälte stellten daher schon am ersten Verhandlungstag den Antrag, das Gericht möge I. dazu verurteilen, der Bahn AG 290.000 Euro zahlen. Der Prozess wird am 5. April fortgesetzt.